Der Ölkonzern Shell wirbt derzeit sehr aktiv mit seiner neuen "Preisgarantie": Danach sei jeder Spritpreisvergleich per App oder Internet künftig überflüssig, so die zentrale Botschaft der mitunter recht unterhaltsamen Radio- und Fernsehspots. Einzige Voraussetzung um in den Genuss der Garantie zu kommen ist es, Shell ClubSmart-Mitglied zu sein, also eine Kundenkarte beim Tanken vorzuzeigen und so Punkte zu sammeln. Diese kann man später gegen diverse Prämien wie einen Fußball, ein Handtuch oder eine Ferrari-Tasse eintauschen (Beispiele; gesehen am 16. Juli 2015).

Das Angebot der Shell birgt zwei Risiken 

Doch das auf den ersten Blick interessante Angebot hat zwei nicht unwesentliche Haken:

1. Es wird nicht garantiert, dass man den niedrigsten Preis in der Umgebung der jeweiligen Shell-Station zahlt. Sondern maximal zwei Cent mehr als bei den zehn Tankstellen, die der jeweiligen Tankstelle am nächsten sind.

2. Zudem schließt Shell bei diesen zehn Referenz-Tankstellen nur Markentankstellen ein.

Zwei wesentliche Einschränkungen, die das vermeintlich gute Angebot quasi nutzlos machen. Denn zum einen bedeutet die 2-Cent-Regel, dass Shell keinesfalls den niedrigsten Preis der Umgebung garantiert, sondern einen, der höher liegen kann als die Preise der Konkurrenten in der Umgebung. Zum anderen sind Markentankstellen tendenziell einen bis zwei Cent teurer als Freie Tankstellen. Damit dürfte in vielen Fällen die Differenz zwischen dem garantierten Shell-Preis und dem niedrigsten einer Freien Tankstelle in der Umgebung eher bei drei bis vier Cent liegen.

Nicht alle Shell Tankstellen beteiligen sich an der Aktion

Ebenfalls negativ für den Kunden wirkt sich aus, dass es laut Shell-Homepage rund 100 Stationen gibt (Stand: 16. Juli 2015), die bei der Aktion nicht mitmachen. Diese sind wahrscheinlich von außen nicht sofort und eindeutig zu erkennen. Und schließlich vergleicht Shell die besonders teuren Autobahn-Tankstellen nur mit Stationen, die sich ebenfalls an der Autobahn befinden. Nicht aber mit denen, die vielleicht nur einen Kilometer entfernt in einer Ortschaft liegen.

Die Shell kann trotzdem teurer sein als andere Tankstellen

Alles im Allen also ein eher unattraktives Angebot, denn #Sparen tut man gegenüber dem angeblich nun überflüssigen Preisvergleich nichts, im Gegenteil: Man läuft Gefahr, drauf zu zahlen, wenn man grundsätzlich bereit ist, den günstigsten Preis mit einer der einschlägigen Apps oder Internetangebote von ADAC, gunestigertanken.de oder ähnlichen zu suchen.

Außerdem bekommt man nicht nur Punkte, wenn man sich bei ClubSmart anmeldet. Man gibt auch etwas dafür her: Zwar kostet die Teilnahme kein Geld, doch das eigene Kaufverhalten wird ebenso aufgezeichnet und ausgewertet wie weitere persönliche Daten. Genauso, wie es bei derartigen Kundenbindungsprogrammen eben üblich ist. Ob man bereit ist, diesen Preis unter Berücksichtigung aller erwähnten Punkte zu zahlen, sollte sich jeder gut überlegen.