Die sind bis zu drei Meter breit, vier Meter hoch, acht Meter lang und können mit Anhänger mehr als 20 Tonnen wiegen: Moderne Erntemaschinen wie der abgebildete Feldhäcksler Claas Jaguar 860 sind Giganten auf unseren Straßen. Gelenkt wird die Hinterachse, die Motoren haben bis zu 600 PS (abgebildetes Fahrzeug: 510 PS) und allein der Motoröltank ist größer als der Benzintank eines Mittelklasseautos. Gerade jetzt, zur Haupterntezeit, sind sie zahlreich zumeist auf den Landstraßen unterwegs und machen Autofahrer hinter sich ungeduldig und Entgegenkommende nervös. Denn bei drei Meter Breite, also rund ein halber Meter mehr als bei einem Lkw, bliebt kaum Platz zum aneinander Vorbeifahren oder gar zum Überholen. Knappe und gefährliche Fahrmanöver seitens der Autofahrer sind mitunter die Folge.

Umso überraschender, dass diese Giganten schon von 16-Jährigen gefahren werden dürfen, solange das Fahrzeug nicht schneller als 25 km/h fahren kann. Handelt es sich nicht um eine Arbeitsmaschine, wie hier abgebildet, sondern um eine Zugmaschine, also beispielsweise einen Trecker, sind sogar 40 km/h zulässig. Und all das sogar ohne praktische Prüfung. Diese sieht die entsprechende gesetzliche Regelung zur so genannten Führerscheinklasse "L" schlicht nicht vor. Lediglich eine theoretische Prüfung ist erfolgreich zu bestehen. Und nicht nur das. Selbst der Fahrlehrer muss nicht einmal in seiner eigenen Berufsausbildung mit so einem Fahrzeug gefahren sein. Das liegt daran, dass der L-#Führerschein im normalen Auto-Führerschein "B" enthalten ist.

Viele Fahrlehrer und Sicherheitsexperten kritisieren darum diese Führerscheinklasse und die Fahrausbildung an dieser Stelle. Ihr nachvollziehbares Argument: Je größer, unübersichtlicher und stärker ein Fahrzeug ist, desto verantwortungsvoller muss ein Fahrer damit auch umgehen. Denn auch bei Schritttempo kann es zu tödlichen Unfällen kommen. Man stelle sich nur mal einen Trecker mit angehängtem Pflug vor, der beim Abbiegen mehrere Meter über den Fahrbahnrand schwenkt und dort möglicherweise einen Fußgänger oder Radfahrer auf dem Gehweg oder am Straßenrand umreißen kann. Um Fahrlehrer für derartige Gefahren zu sensibilisieren, gibt es für sie mittlerweile entsprechende Kurse, die allerdings nicht verpflichtend sind.

Dass ein 16-Jähriger eine wilde Fahrt mit einer Erntemaschine unternimmt, ist aber eher unwahrscheinlich. Zum einen kosten die Fahrzeuge mit Mähwerk schnell mehr als 300000 Euro. Zum anderen übergibt kein seriöser Hersteller seine Maschinen an seine Kunden ohne eine ausführliche Schulung auf dem Fahrzeug.