Skandalöse Datenschutz-Linien, Alltäglichkeit und Neugier treiben soziale Internetnutzer immer mehr zu anderen Netzwerken. #Facebook und Twitter sind zwar nach wie vor die führenden Anbieter auf ihrem Gebiet - aber sie geraten immer mehr aus der Mode. In der zweiten Folge der Serie "Alternative Networking" soll das soziale Netzwerk Instagram vorgestellt werden.

Der Inhalt von Instagram? Bilder, Bilder und…. ach ja, ab und zu auch mal Videos! Klingt eindimensional? Ist es nicht! In dem Filesharing-Network (zu deutsch: Datentausch-Netzwerk) steckt eine Menge Potential - das nicht nur die Digital Natives, sondern auch Facebook schnell für sich entdeckt haben. Der #Internet-Konzern hat Instagram bereits im September 2012 - rund zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Social Networks - aufgekauft. Getreu dem Vorbild des großen Bruders machte auch Instragram seitdem immer wieder Schlagzeilen aufgrund seiner fragwürdigen Datenschutz-Politik. So gingen Nutzerinhalte und Informationen auf direktem Weg zu Facebook und auch die Nutzungs- und Verwertungsrechte der Bilder wurden gleich nach dem Posten eingesackt. Nach massiven Protesten wurden die Datenschutz-Linien jedoch zugunsten der User geändert. Noch mehr negative Schlagzeilen sollten Instragram erspart bleiben.

Das Prinzip ist einfach: Man postet ein Video oder Foto, welches von den eigenen Followern gesehen und bestenfalls "geliked" oder kommentiert wird. Im Gegenzug kann man wiederum anderen Nutzern folgen. Dieses asymmetrische und nicht zwangsweise wechselseitige Verhältnis der Nutzer von Instagram entspricht dem von Twitter. Dass die Social Network-Plattform erfolgreich ist, belegen die über 300 Millionen Nutzer und die über 70 Millionen Bilder, die täglich gepostet werden.

Mach dir die Welt wie sie dir gefällt - mit einem Filter!

Doch was macht Instagram dann eigentlich zu einer Alternative? Schließlich ist das Verbreiten von Videos und Bildern in fast jedem anderen Netzwerk auch möglich. Der wesentlichste Unterschied ist, dass sich das Netzwerk komplett auf das Posten von Bild- und Videoinhalten spezialisiert hat. Im Gegensatz zu Facebook und Twitter werden hier keine Links und Textbeiträge verbreitet. Wer ein Bild auf Instragram postet, hat außerdem die Möglichkeit, sein Werk mit einem der vielen Filter aufzuwerten. Auf Instagram heißt es dazu: "Nimm ein Foto oder Video auf, wähle einen Filter, um das Aussehen und die Stimmung zu verändern und poste es auf Instragram - so einfach ist das." Diese Filter wurden zum Markenzeichen des Unternehmens.

Realitätsferne Selbstinszenierungsplattform

Neben der Verfremdung durch Filter ist der durchschnittliche Instragram-Nutzer talentiert im Umgang mit Bildbearbeitungs-Apps für das #Smartphone, die dabei helfen, die vermeintlichen Schnappschüsse in wahre Beauty-Shots zu verwandeln. Die Devise: Seine Follower auf Instagram am eigenen Leben teilhaben lassen - ihnen aber nur die bearbeitete Realität präsentieren. Hier wird Präsentation zu Inszenierung in seiner vollendeten Form. Auf Instagram findet man keine peinlichen Selfies und ungeschickt fotografierte Bilder vom Mittagessen. Das soziale Netzwerk ist das Zuhause der semiprofessionellen Handy-Fotografie.

Vor allem Jugendliche, die Facebook schon längst als out abgestempelt haben (schließlich tummeln sich hier immer öfter Mutti und Papa oder sogar die Großeltern!), haben Instagram für sich entdeckt und zu einer Art Insider-Club gemacht. Wer ein angesehenes Mitglied werden will, muss möglichst viele Likes auf seine Bilder und Videos erhalten. Experten schätzen diese Entwicklung (die auch auf Facebook stattfindet) schon länger als gefährlich ein.

Großes Potential für Unternehmen

Auch wenn Unternehmen noch keine offiziellen Auftritte, wie man sie von Twitter und Facebook kennt, auf Instagram anlegen können, sind sie die wahren Profiteure von Instagram. Das Werbe-Potential ist riesig… und kostenfrei! Viele private Nutzer des Netzwerkes posten fleißig Bilder von speziellen Marken-Produkten oder ihrem Besuch in einem angesagten Bekleidungsgeschäft, einem Freizeitpark oder einem anderen kommerziellen Ort.

Fazit: Ob Instagram eine wahre Alternative zu Facebook und Twitter ist, ist durchaus diskutabel. Ähnlich wie auf Pinterest sucht man hier vergebens nach politischen, wirtschaftlichen oder gar religiösen Diskursen. Stattdessen findet man schmollmundige Mädchen, posende Jungs und andere, kunstvoll nachbearbeitete Bildmotive. Aber mal ehrlich: Was ist so schlimm daran? Wer eine Auszeit von der Offline-Realität braucht, kann sich durchaus für ein paar Minuten nachbearbeitete Schein-Wirklichkeit auf Instagram gönnen.