Am 13. Februar 2015 erschien die dritte Version des vierteiligen E-Books "Tausend Tode schreiben". Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober soll der letzte Teil mit 1000 Texten veröffentlicht werden. Die Idee dazu stammt von der Berliner Verlegerin Christiane Frohmann. Hunderte Sichtweisen zu diesem Thema zu versammeln würde ein plausibles Bild dessen zeichnen, wie der Tod in der heutigen Gesellschaft wahrgenommen wird, meint sie auf ihrer Website.

Die Anfänge des Projekts

Wie sie in einem Interview in der NZZ berichtet, besteht Frau Frohmanns Faszination mit dem Tod seit ihrer Kindheit. Mit Seuchen und Hexenverbrennungen im Mittelalter machte sie erstmals ihr Großvater bekannt. Legendenerzählungen wurden in ihren Teenagerjahren von der New-Romantic-Bewegung (ein Vorläufer der Gothic-Kultur) abgelöst. Inzwischen fragt sie sich vor allem, wie unsere Gesellschaft dazu steht.

Höchst widersprüchlich, stellt sich heraus: Einerseits ist dieses Thema alltäglich und spätestens nach der neuesten Diskussion über Ego-Shooter-Spiele wieder in aller Munde. Videos von Hinrichtungen sind für jedermann auf Youtube zugänglich. Andererseits wissen Menschen oft nicht, wie sie persönlich mit dem Tod umgehen sollen: Darf ich meine Trauer auch nach vielen Jahren zeigen oder irritiert das mein Umfeld? Wie kommuniziere ich mit jemanden, der gerade vom Begräbnis seiner Mutter kommt?

Jeder darf an "Tausend Tode schreiben" mitwirken

Jeder kann einen Text einreichen, egal in welcher Sprache. Geschichten von Kindern und Jugendlichen sind ebenso erwünscht. Allerdings soll niemand zum schreiben gezwungen werden. Ein Beitrag kann jederzeit zurückgezogen werden. Wer seine persönlichen Erfahrungen mit dem Tod verarbeiten, aber damit nicht an die Öffentlichkeit gehen will, hat die Möglichkeit unter einem Pseudonym zu veröffentlichen.

Selbstverständlich müssen keine biographischen Ereignisse nacherzählt werden. Überlegungen von Menschen die beruflich mit dem Tod zu tun haben finden ihren Platz neben ironischen, fiktiven und lyrischen Betrachtungen. Ob es sich um den eigenen Tod oder den eines Familienmitglieds, eines Haustiers oder einer Romanfigur handelt - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Honorar darf allerdings keines erwartet werden. Herausgeber- und Autoranteile des Erlöses werden an das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow gespendet. Wer die dritte Version kauft, erhält die vierte gratis.

Die Herausgeberin wird mit einem noch ungeschriebenen letzten Text ihr Projekt abrunden. Er soll von ihrem Vater handeln, den sie im Alter von 23 Jahren verloren hat, wie sie in einem Interview mit der NZZ berichtet.

Bildquelle: Makrodepecher / pixelio.de #Buch