Vinyl – die schwarzen Scheiben stehen wieder hoch im Kurs. Der gute, alte Plattenspieler wird wieder hervorgeholt und ganz gemütlich, ohne jeglichen Stress, wird Jethro Tull und Pink Floyd aufgelegt. Die jungen Vinyl-Freaks haben die Zeit. als es noch kein Internet, kein Smartphone und keine CD gab, nicht selbst erlebt. Hier berichtet ein Oldie, wie man vor vor fünfzig Jahren #Musik gehört hat.

Der Plattenspieler

Schallplatten zu spielen und Musik zu hören war in meinen Kindertagen kein alltägliches Ereignis. Ab und zu holte Oma aber ihren Donauland-Plattenspieler aus dem Schrank. Donauland war ein Buch- und Schallplattenklub, also so etwas ähnliches wie ein analoges eBay. Der urtümliche Plattenspieler wog gefühlte zehn Kilo und musste eine Stunde bei Raumtemperatur verbringen, um auch die notwendigen 33 1/3 Umdrehungen pro Minute für eine Langspielplatte zu bringen. Es waren wohl eher 31 bis 35 Umdrehungen – je nachdem, wie er aufgelegt war. „Die großen Erfolge von Freddy Quinn“ - das war die Lieblingsplatte von Oma – und damit auch von mir in Kindertagen. Mit „Die großen Erfolge von Wencke Myhre“ hielt dann bei uns die nächste Plattenspielergeneration Einzug. Der war sofort spielbereit und ein absolutes High-Tech Gerät. Die Kosten für das schwarze Gold waren enorm. Eine Langspielplatte kostete so 160 österreichische Schilling. Ja Leute – es gab eine Währung vor dem Euro. 160 Schilling entsprechen etwa 12 Euro, eine Single kam auf etwa vier Euro. Der Plattenspieler wurde kurz darauf mobil. Zum elften Geburtstag gab es einen Kofferplattenspieler. Der Musikgeschmack entwickelte sich „weiter“. Marianne Rosenberg, die Sweet, Albert Hammond, Suzie Quatro. Ja, es wurde rockig in meinem Zimmer – verständnisloses Kopfschütteln vom Oma.

Die Revolution hält Einzug

Die Kompaktkassette – oder später Musikkassette, hielt Einzug. Wahnsinn! Jetzt konnte man selbst Musik vom Radio aufnehmen. High-Tech mäßig mit Kabelverbindung oder „russisch“, indem man einfach ein Mikro vor dem Lautsprecher des Radios platzierte. Die Revolution hatte aber noch Kinderkrankheiten. Der sogenannte Bandsalat war der größte Feind des Musikkassetten-Fetischisten. Die fragile Mechanik des Rekorders und vor allem der Kassette, führte früher oder später zu einer teilweisen Zerstörung der wertvollen Aufnahmen. Der Supergau kündigte sich ähnlich an wie in der Urzeit der Plattenspieler. Ein Ton, als ob anstatt mit 33 Umdrehungen nur mit 15 Umdrehungen abgespielt wird. Dann folgte ein knisterndes Geräusch und schon quoll das Magnetband aus dem Rekorder heraus. Besonders gefährdet waren Kassetten mit zwei Stunden Spielzeit – die sogenannten C120. Oft konnte man noch einen Teil der Kassette retten – die zerknitterten Stellen des Bandes waren aber verloren. Wenn allerdings eine Kassette derart "angeschlagen" war, war ihr endgültiger Tod nahe. Trotzdem: die Musikkassette war die Geburt einer neuen Musik-Epoche. Bald gab es auch eine große Anzahl von bespielten Kassetten, die Klangpuristen blieben aber natürlich der Schallplatte treu.

Das Ende der analogen Ära und deren Wiedergeburt

Man konnte machen was man will – leise Musikpassagen wurden bei der Langspielplatte durch den „Kratzerrhythmus“ untermalt. Manchmal kam auch ein „schtscht“ dazu, wenn die Nadel des Plattenspielers über einen Fingerabdruck huschte. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen – der erste CD-Player war angekündigt. Ende 1982 war es dann soweit – die digitale Ära brach herein. Es gab CD-Spieler, aber noch kaum CD's. Zunächst gab es vor allem Klassik. So wurde mir, aus markttechnischen Gründen, ein Musikstil erschlossen, den ich bislang links liegen ließ. Die CD übernahm das Kommando – das ist ja allgemein bekannt. „Hey, wenn jemand wirklich noch CD's hört, der Typ ist aber wirklich von gestern – die Zukunft gehört der Schallplatte!“ Sinngemäßer Originalton fünfzehnjähriger Musikfreak, März 2015 - so ganz habe ich ihn nicht verstanden. Damit schließt sich der Kreis, ähnlich wie in der Mode. Auch der Minirock wird nie sterben.