Als Till Schweiger etwas Gutes tun wollte, bekam er den geballten Hass des Webs zu spüren. Nicht nur ihm geht es so. Wie ist es um unsere Demokratie bestellt?

Das Thema Meinungsfreiheit ist ein zweischneidiges Schwert. Wer im #Internet offen Stellung bezieht, muss stets mit gehässigen Kommentaren bis hin zu Beleidigungen oder im schlimmsten Fall Morddrohungen rechnen. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.

Shitstorm - die Empörungsdemokratie des digitalen Zeitalters

So sieht es zumindest der Tübinger Professor Bernhard Pörksen im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Hierin würden sich große gesellschaftliche Fragen spiegeln. Aber gab es die nicht zu jedem Zeitalter? Sollen um Toleranz bemühte Menschen den Shitstorm jetzt als Naturgegebenheit hinnehmen und in die Defensive drängen lassen? Auch Prominente bleiben nicht vom Shitstorm verschont. Das mag auch daran liegen, dass sie viele Fans haben und dem Postenden eine gewisse Zahl an Lesern sicher ist.

Kürzlich erging es Schauspieler und Regisseur Till Schweiger „an den Kragen“, als er auf seiner Webseite für eine Spendenaktion des "Hamburger Abendblatts" warb. In kürzester Zeit sammelten sich hier etliche Kommentare, die nicht nur größtenteils unter der Gürtellinie waren, sie waren schlichtweg ausländerfeindlich und von extremer Aggressivität geprägt. Das wiederum veranlasste Schweiger, wütend zurückzuschlagen und er antwortete mit diesem Satz:

“Oh Mann - ich habs befürchtet! Ihr seid zum Kotzen! Wirklich! Verpisst euch von meiner Seite, empathieloses Pack! Mir wird schlecht!!!“

Glücklicherweise war die Spendenaktion schließlich doch sehr erfolgreich und die Redaktion wurde mit Gütern regelrecht überrannt. Man konnte mehrere LKW-Ladungen Spenden für Flüchtlinge packen.

Der ungebremste Zorn lässt die meisten hilflos zurück

Auch als Kabarettist Dieter Nuhr in seiner Sendung eine ironische Bemerkung über Griechenland machte, hagelte es wüste Kritik und eine Empörungswelle brach über ihn herein. Nuhrs Ironie sollte man auch immer als solche verstehen. Ironie lebt eben von der Übertreibung. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" reagierte er mit einer ebenfalls drastischen Antwort, in der die Anonymität des Internets kritisiert, denn die bedeute für ihn "einen zivilisatorischen Rückschritt in Richtung Faschismus und Mittelalter, Pogrom und Hexenverbrennung". Das brachte wiederum die Verteidiger des Internets auf den Plan, die ihm Verallgemeinerung vorwarfen.

Die Anonymität des Netzes bringt die negativen Eigenschaften ans Licht

Das Internet kitzelt gerade die besonders negativen Eigenschaften der User hervor, das sind Publikumsverachtung und ungehemmte Aggressionen, das jedenfalls erklärte Professor Bernhard Pörksen. Beim Thema Flüchtlingsunterkünfte und Asyl kochen die Gemüter hoch und schnell wird aus einer diffusen Angst ein Feindbild konstruiert. Nicht ohne Grund bleiben mittlerweile auf vielen Nachrichten Webseiten sämtliche Kommentarfunktionen (nicht nur zum Thema Flüchtlinge) geschlossen.

Das Internet bringt wohl nur vermeintliche Freiheit, denn wer eine Meinung äußert, die manchem Leser nicht passt, und sei sie auch noch so sachlich formuliert, muss mit verbaler Verfolgung und Drohungen rechnen. Schöne neue Webwelt!

Bild: gdcgraphics - CC BY 2.0 via Wikimedia Commons #Facebook #Rassismus