Verfangen wir uns im Netz? Haben wir noch Kontrolle über unsere Daten? Der Journalist und Datenschutzaktivist Joachim Jakobs gibt in seinem im Vorjahr erschienenen #Buch „Vernetzte Gesellschaft. Vernetzte Bedrohungen – Wie uns die künstliche Intelligenz herausfordert“ einen Einblick in eine Welt, die sich so schnell verändert, dass viele Menschen angesichts der komplexen Zusammenhänge kapitulieren. Doch gebotene Vorsicht gegen Arglosigkeit und Ignoranz einzutauschen, kann fatale Folgen haben.

Datenschutzskandale füllen zahlreiche Seiten des 352-Seiten-dicken Taschenbuchs, das mit Fachkenntnis und Akribie (die aufgeführten 971 Quellennachweise beanspruchen ein Drittel des Werkes) recherchiert wurde. „Die Bundesregierung ist nicht in der Lage, ihre eigenen Spitzel zu schützen. Wenn sie nicht einmal die schützen kann, die die Bürger schützen sollen, wie will sie da sichere Konzepte für 80 Millionen Deutsche erstellen und diese noch dazu von ebenjener Sicherheit überzeugen?“, fragt Jakobs und spielt auf Geheimdienstpannen an. Dabei appelliert er: „Finger weg von Dingen, die wir nicht verstehen!“

Ist es wirklich erst 75 Jahre her, dass Konrad Zuse den weltweit ersten, voll funktionsfähigen, Digitalrechner vorstellte? Die technischen Möglichkeiten im Wandel der Zeit sind beeindruckend. Aber sie rufen Wünsche hervor. Ungern werden wir daran erinnert, dass sich Maschinen mehr Details merken als Menschen. #Internet, Profilbildung, elektronische Ausweise, Kartenleser, Online-Banking. Wir sind gläsern. Geheimnisse werden schneller öffentlich. Schäden durch Datenkriminalität lassen sich in Milliarden Euro beziffern.

Jakobs nennt konkrete Beispiele. Stichwort USB-Sticks: „Angreifer könnten sich stets auf die menschliche Dummheit verlassen“, meint ein Sicherheitsunternehmen. „Paranoia zahlt sich aus!“, lobte ein Security-Berater, als ein Industriespezialist eine mit einem Trojaner infizierte Mail bemerkte, bevor ein Schaden verursacht wurde. Über WLAN-Netze in Luxus-Hotels wurden Angehörige bestimmter Berufe ausspioniert. Für digitale Erpressungen seien Gesundheitsdienstleister besonders anfällig. Die Datensammelwut von Geheimdiensten über investigativ arbeitende Journalisten kennt international kaum Grenzen. Rechtsverständnis hin oder her. Beunruhigend, dass auch Deutschland auf der weltweiten Liste zur Pressefreiheit keinen Musterplatz einnimmt.

Virtuelles Theater nennt Joachim Jakobs die Nutzung von so genannten Sockenpuppen. Darunter versteht man unter Pseudonymen angelegte Konten in sozialen Netzwerken, mit denen Cyberkrieger manipulieren und riesige Schäden, nicht nur materieller Art, anrichten können. Zudem nehme so gut wie jedes Land am globalen Spionage-Wettrüsten teil.

„Wir sind unfähig, angemessen mit den Daten unserer Mitmenschen umzugehen und gefährden uns alle gegenseitig“, warnt der Autor. Ein Endzeitszenario beschwört der Industriekaufmann und Diplom-Betriebswirt (FH) dennoch nicht. Er erläutert ein Notfallkonzept im Fall von Datenverlusten oder -missbrauch, empfiehlt Alternativen im praktischen Umgang. So sollten Algorithmen und künstliche Intelligenz nicht wie Götter der Neuzeit verehrt werden. Wer nicht lernt, sie zu hinterfragen, könnte das teuer bezahlen. Das liest sich flüssig und spannend wie ein Krimi. Leider aus dem wahren Leben.

Klicksafe.de, die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, hat den Safer Internet Day 2016 unter das Motto „Extrem im Netz“ gestellt. Neben Gewaltvideos, Hass-Botschaften, rechtsextremen Aktivitäten, Sexting und Cybermobbing, soll auch „extrem Überraschendes, Mutiges und Lustiges“ zur Sprache kommen.

Foto: Buchcover | Cividale Verlag #Kriminalität