Der offizielle Startschuss der Topothek der Stadtgemeinde Wiener Neustadt erfolgte im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Stadtarchiv. Das Projekt geht auf eine Idee von Mag. Alexander Schatek zurück, der anhand der bereits aktiven Gemeinden das System anschaulich erklärte.

Laut Wikipedia ist eine Topothek eine virtuelle Sammlung von Bildern, Karten, Video- und Audioaufzeichnungen mit genauer Verortung, Datierung und Verschlagwortung. „Ich hatte eine Menge an Fotos, die ich gerne in einer Datenbank erfassen wollte, damit ich sie leicht wiederfinden kann,“ so Mag. Schatek. Daraus entstand dann in seiner Firma die Idee der Topothek, bei der die Fotos einerseits beschlagwortet, andererseits auch der Kamerastandort und der Blickwinkel in einer Landkarte eingezeichnet werden. Und es hat sich gezeigt, dass diese Art der Fotokatalogisierung auch für andere Anwender ideal ist, um historisches Material zu sichern.

Freier Zugang zu historischen Quellen

Seit kurzem ist die Topothek ein Teil der Archivplattform „International Centre of Archival Research (ICARUS)“, der weltweit 175 Archive angehören. Dies und die Kooperation der Topothek mit regionalen und lokalen Organisationen (Dorf- & Stadterneuerung Niederösterreich, Landesarchiv Niederösterreich, Oberösterreichischer Museenverbund u.v.m.) sind die Grundlage für den freien Zugang zu den lokalen historischen Quellen.

Ziel ist, historisch relevantes Material, das sich im Privatbesitz befindet, zu digitalisieren und so sichtbar und für ein interessiertes Publikum zugänglich gemacht werden. Dabei geht es auch um scheinbar belanglose Fotos, bei denen für den Fachkundigen historisch wertvolle Details zu erkennen sind. „Im Zweifelsfalle lieber prüfen lassen“, meinte Dr. Gerhard Geissl, der Leiter des Stadtarchivs Wiener Neustadt, „denn vieles, was man als wertlos erachtet, ist für Historiker eine Goldgrube.“ Abgesehen davon bekomme man die Fotos nach der Digitalisierung ja wieder zurück.

Freiwillige Mitarbeiter

Die Arbeit, die dies ermöglicht, erfolgt über CrowdSourcing, wird also von Freiwilligen geleistet. Daher ist die Bedienung der Topothek ganz bewusst so einfach wie nur möglich gehalten. Dabei wurde aber Wert darauf gelegt, dass die Einträge die europäische Norm erfüllen. Dadurch können diese Daten in jedes Archivinformationssystem eingespielt werden.

Was relevant für eine Aufnahme in die Topothek ist, liegt in der individuellen Einschätzung der freiwilligen Helfer, Topothekare genannt: die alte Straßenführung, oder ein Baum vor dem Gasthaus.

„Mit einer Topothek finden die Besucher alle Ergebnisse zu Suchabfragen wie „Alle Einträge zu Hauptstraße 18 aus den Jahren 1930–1955“ oder „Dirndl im Bezirk Wiener Neustadt-Land in den Jahren 1950–1955“ per Mausklick“, erklärte Mag. Schatek.

Zur Zeit sind in der Topothek 51 Gemeinden aus Niederösterreich, 15 Gemeinden und zwei Regionen aus Oberösterreich und zwei Gemeinden aus dem Burgenland vertreten. Das Bundesland Wien selbst hat fünf Topotheken.

Auch jenseits der Landesgrenzen gibt es Interesse an dieser österreichischen Plattform: Aus Deutschland sind derzeit zwei Einträge (Granitzentrum und Metten), weitere zwei aus der Tschechischen Republik und eine Topothek aus Kroatien zu finden. Und es kommen immer wieder neue Gemeinden dazu. #Internet #Österreich