Befragt wurden 962 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren. Zehn Prozent der Zehn- und Elfjährigen waren in sozialen Netzwerken aktiv. 42 Prozent waren es bei den 12- bis13-Jährigen, 65 Prozent bei den 14- bis 15-Jährigen und 85 Prozent bei den 16- bis 18-Jährigen. Am beliebtesten war WhatsApp, gefolgt von Facebook, Skype und Google+. Kurznachrichten sind bei Kindern und Jugendlichen wichtiger als Telefonate.

Abholen, wo die User sind

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rief bereits 2011 das Online-Portal der Net-Piloten ins Leben. Unter dem Motto „Durchklick mit Durchblick“ können 14- bis 18-Jährige prüfen, ob sie im doppelten Wortsinn „schon ins Netz gegangen“ sind. Hintergedanke war, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sich ohnehin viele Stunden der Woche tummeln. Seit dem Start machten 133.015 User den Selbsttest zu Computer- und Internetsucht. Davon waren 67 Prozent männlich und 33 Prozent weiblich. Das Durchschnittsalter lag bei 15 Jahren. Bei den Ego-Shooter-Spielern hatten die Experten in 36 Prozent der Fälle Grund, rot zu sehen, zehn Prozent der Spieler hielten sie für suchtgefährdet. Actionspiele lagen bezüglich ihres Suchtpotenzials auf Platz 2. Bestand Alarmstufe 1, wurde das vierwöchige Beratungsprogramm „Das andere Leben“ angeboten. 571 jugendliche Internetnutzer ließen sich darauf ein. „Relativ wenige“, bedauerte BzgA-Suchtpräventionsexpertin Michaela Goecke. Um noch mehr Sensibilität in der Zielgruppe zu bewirken, wurden während der letzten zwei Jahre 400 Achtklässler aus Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen besonders geschult. Die Peers gaben ihr Wissen zu maßvollem Computerspiel- und Internetgebrauch an 4.000 Schüler der 6. Klassenstufe weiter.

Erste Hilfe im Netz scheint zu klappen

Dr. Bert te Wildt vom Universitätsklinikum der Ruhruniversität Bochum hat zwischen Juli 2012 und August 2016 bei 416 Personen (Altersdurchschnitt 27 Jahre) Internetabhängigkeit diagnostiziert. Bei der Hälfte der Patienten wurde außerdem eine depressive Störung festgestellt. Knapp ein Viertel hatte Angstsymptome und 17 Prozent waren durch belastende Erlebnisse in der Vergangenheit beeinträchtigt. Anfang September 2016 startete der Psychiater mit dem ersten Online-Ambulanz-Service für Internetsüchtige, kurz OASIS. 120 Betroffene aus ganz Deutschland können in das Projekt einbezogen werden. In Webcam-basierten Gesprächen wird die Diagnose gestellt und danach eine individuelle Therapieempfehlung ausgesprochen. Ziel ist, therapiebedürftigen Menschen eine wohnortnahe Behandlung zu vermitteln. Nach acht Wochen zog te Wildt eine positive Zwischenbilanz: „Es sieht so aus, als würde es klappen.“ Fast immer erschienen die Patienten tatsächlich zu den Online-Konferenzen mit dem Doktor. Fast die Hälfte erfuhr – wenig überraschend – im #Internet von OASIS. Viele sind exzessive Online-Spieler und Online-Sex-Nutzer.

Online-Therapien noch keine Krankenkassenleistung

Online-Therapien sind in Deutschland noch nicht Bestandteil der Regelversorgung und daher nur im Forschungskontext erlaubt. Auch OASIS-Initiator te Wildt gibt zu: „Online ist keine ideale Lösung, aber ich hätte nicht gedacht, dass sich der Kontakt so leicht herstellen lässt.“ So schrieb ihm ein 23-Jähriger, dass er überrascht war, dass ihm nur wenige Sitzungen halfen, seinen Internetkonsum zu überdenken und sogar zu reduzieren.

Bundesweite Beratungs- und Hilfsangebote lassen sich auf der Website des Fachverbandes Medienabhängigkeit finden. Als virtuelle Selbsthilfegruppe für exzessive Mediennutzer aller Altersgruppen und deren Angehörige versteht sich das Projekt webC@RE aus Hessen. Geeignet auch für Schichtarbeiter oder Menschen aus ländlichen Regionen mit internetbezogenen Störungen. An Jugendliche und deren Angehörige richten sich die Angebote ESCapade der Drogenhilfe Köln oder Lost in Space der Caritas Suchthilfe Berlin.

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