So führte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, in ihre Jahrestagung 2016 ein. Genau einen Tag später begann ein Prozess gegen den Fahrdienstleiter, der im Februar 2016 das Zugunglück in Bad Aibling verursachte. Zwölf Menschen starben, 89 wurden verletzt. Er hatte – trotz Verbot – im Dienst das Online-Rollenspiel „Dungeon Hunter 5“ auf seinem Handy gespielt, berichteten die Süddeutsche Zeitung und andere Medien. Zu seinem Umgang mit Computerspielen wolle sich der Angeklagte nicht äußern, hieß es. Ermittlern zufolge habe der 40-jährige Mann „nahezu in jeder Schicht auf seinem Handy gespielt“.

Internetabhängigkeit ist eine ernstzunehmende Störung

Der Lübecker Suchtforscher Hans-Jürgen Rumpf weiß, was im #Internet süchtig macht: Online-Spiele, soziale Netzwerke und virtuelle Beziehungen, zwanghaftes Recherchieren / Nutzen / Kaufen sowie Erotik und Pornographie. „Am schlimmsten wirkt sich der Gebrauch des Smartphones beim Autofahren aus. Zahlen aus den USA gehen davon aus, dass ein Viertel aller Unfälle deshalb passieren“, warnt er und betonte: „Internetabhängigkeit ist eine ernstzunehmende Störung.“ Sie tritt bei etwa ein bis zwei Prozent der Menschen auf. In jüngeren Altersgruppen ist die Zahl der Betroffenen mit klinisch relevanten Beeinträchtigungen höher.

Wer ist am meisten gefährdet?

Obwohl es dazu noch relativ wenige Studien gibt, liegen einige Forschungserkenntnisse, zum Teil mit internationalen Vergleichsdaten, vor. Jugendliches Alter, Arbeitslosigkeit, Migrationshintergrund sowie bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und frühere psychische Auffälligkeiten, aber auch eine durch ungünstige Erziehungsstile belastete Beziehung zu den Eltern gelten als Risikofaktoren für Internetbezogene Störungen. Geringverdiener, Ledige und Alleinlebende sind ebenfalls gefährdet. Begünstigend wirken auch soziale Ängstlichkeit, ein reduzierter Selbstwert und eine erhöhte Impulsivität.

Kann man Internetabhängigkeit vorbeugen?

Dazu gibt es noch zu wenige wissenschaftliche Erkenntnisse. Dass die Prävention gestärkt und erforscht werden muss, wünscht sich Suchtforscher Rumpf im Namen der von ihm geleiteten Expertengruppe des Drogen- und Suchtrates. Bisher ist die Wirksamkeit vorhandener Programme zu wenig wissenschaftlich belegt. Die Forscher bezeichnen die Versorgungslage von Präventionsangeboten als defizitär. Um bei Bedarf frühzeitig beraten und helfen zu können, sind zudem methodisch einheitliche diagnostische Standards nötig. „Wir wissen noch nicht, ob wir eine einheitliche Diagnostik durchführen können oder ob wir für soziale Netzwerke, Pornographie und anderes verschiedene Instrumente brauchen“, umriss Rumpf die Herausforderungen.

Ideen zum Schutz vor Internetabhängigkeit liegen vor

Suchtexperten empfehlen vor allem, Minderjährige zu schützen, beispielsweise durch die Altersbewertung von Spielen. Zudem sollten Spiele auf ein mögliches Suchtpotenzial geprüft werden und solche Spiele sollten nicht beworben werden. Viele Eltern wissen nicht, dass die deklarierten Altersfreigaben auf den Produkten keine pädagogischen Empfehlungen darstellen, sondern einzig eine Aussage zur Verkaufsfreigabe treffen. Warnhinweise und technische Lösungen für nutzerseitige Selbstbeschränkungen sollen enthalten sein. Ebenso soll die Industrie transparent darauf hinweisen, wenn Geldausgaben fällig werden können und auf 1-Klick-Käufe verzichten. Ebenso hilfreich wäre ein Verzicht negative Konsequenzen im Spiel. Bezüglich des Verhaltens profitieren Kinder, wenn sie Selbstvertrauen stärken und den Umgang mit Misserfolgen und Stress lernen.

(wird fortgesetzt)

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