Von Twitter hat es sich bereits herumgesprochen, dass dort eigentlich jeder zweite Account ein Fakeprofil sein soll. Genaues weiß man nicht. Jedenfalls war es auffällig, wie viele neue seltsame Profile seit Jahresanfang #Facebook fluten.

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Eingenartige Profilbilder, keine Freunde, keine Chronikeinträge - melden sich aber besonders auf kritischen Foren sofort vehement zu Wort.

bots made 2014 half the web's traffic

Besonders wenn man irgendwo AfD postet - und sei es nachts um halb drei - dann sind diese Leute sofort zur Stelle. Oder sind es Bots? Die reagieren blitzschnell auf bestimmte Schlagwörter. Das wird lustig, wenn #Bot auf Bot trifft und sich digitale Duelle liefern. Aber daran erkennt man bisher den Bot, dass er nicht wirklich argumentiert, sondern offensichtlich eine Troll-Vorgabenliste abarbeitet - und zwar alle diese Profile auffällig gleich!

Facebook zu Jahresbeginn mit Fakeprofilen geflutet?

Der ganze Bohei um Hass- und Hetze sowie #Fakenews hat offensichtlich dazu geführt, dass man nun von bestimmter Seite aus das Web überflutet. Genial - aber auch lustig. Unterm Strich dann jedoch auch wieder langweilig!

Einen Webbot kann man bald kaum noch entlarven.

In Redaktionen, die etwa Artikel zum Börsengeschehen schreiben, wird bereits ein Schreibalgorithmus eingesetzt, der die entsprechenden Artikel automatisch schreibt. Das hat man weiterentwickelt und ganze Nachrichtenportale werden automatisch generiert. Eine unheimliche Entwicklung, die aber erschreckend andeutet, was uns die Industrie 4.0 bringen kann.

Niner Gridiron“ ist ein so ein automatisch erstelltes Newsportal für Fans der San Francisco 49ers. So wie man ihnen heute nach ihren Surfgewohnheiten die passende Werbung einspielt, so werden bereits entsprechende Artikel "auf den Mann" geschrieben! Da besteht natürlich schon die Gefahr, dass man in der immer gleichen eigenen Soße in eine Selbsbestätigungblase gerät.

Interessant ist das alles für Portale, bei welchen es nur auf die Werbeclicks ankommt, der Content dabei fast nur Beiwerk ist. Bereits heute gibt es Anbieter, die automatisierte Webportale für Jedermann anbieten. Für eine kleine Gebühr gibt man entsprechende Suchwörter an, deren aktueller Inhalt dann aus dem Web gezogen wird. Je nach Preislage kann man eigenen Content und Werbung hinzufügen.

Ich habe verschiedene Anbieter getestet und war überrascht, dass man tatsächlich interessante Artikel zu seinen Lieblingsthemen angeboten bekommt. Ob man damit Geld verdienen kann, wie manche versuchen, glaube ich nicht.

In London erscheint „The Long Good Read“ in gedruckter Form, die ein Algorithmus zusammenstellt. Allerdings nur in kleiner Auflage. Auch die angesehene britische Zeitung The Guardian wagt so ein robotisches Experiment in den USA: die monatlich erscheinende Zeitung #Open001. Die Inhalte werden nicht von der Redaktion bestimmt, sondern von einem Algorithmus. Die Artikel werden nach dem Ranking der Beiträge in Social Networks wie Facebook und Twitter aus dem Web gezogen.

Jedenfalls müssen sich richtige Journalisten und Redakteure keine Sorgen machen. Denn so wie ich zwischen Currywurst und Rinderbraten wählen kann, so wird man selbst entscheiden, wo und was man liest. Die Aufmerksamkeit im Web liegt ohnehin bei nur noch 8 Sekunden, dann wird weiter geclickt. Solche Leute greifen sicher mehr zur digitalen Currywurst.

Diese Zeilen wurden jedenfalls von keinem Bot geschrieben. Und da Sie noch lesen, haben Sie es sicher bemerkt ;-)