Ich bin ja normalerweise sehr tolerant. Aber wenn man mir als Deutschem meine Ehre nimmt, indem man meine Sprache in den Dreck zieht, dann stellt sich tief in mir drin mein innerer Duden quer.

Wenn ich höre, wie gewaltsam Dative Positionen erhalten, die ihnen im Leben nicht zustehen, überkommen mich Schwindelgefühle. Wenn dies dann noch in schriftlicher Form festgehalten wird, suche ich nur noch das Weite. Bei all den „wie“s, die das „als“ zum evolutionären Aussterben drängen, vergeht mir die Freude am Leben. Und jetzt ist es ja auch schon so weit gekommen, dass Lehrer meinen, mich mithilfe grammatikalischer Mittel an den Rand des Wahnsinns treiben zu müssen.

Werbung
Werbung

Selbst Deutschlehrer, die doch eigentlich die Aufgabe und Berufung haben, Schüler in der Anwendung deutscher Sätze zu unterrichten, beteiligen sich an dieser Ausrottung unschuldiger und wehrloser Genitive.

Nun aber zum Thema „Imperativ”: Häufig musste ich mit Entsetzen etwas feststellen, was meine große Begeisterung von einer Sekunde auf die nächste gen Asthenosphäre absinken lässt.

Eine riesige Erschütterung ereilt mich bei Aufforderungen wie: „Lese den Text.“

Ich lese. Aber du liest. Er/Sie/Es liest auch. Und wenn du gar eine Art Befehl auszudrücken versuchst, dann lies dir doch bitte mal den Duden durch! Man sagt, er lese sich ganz gut.

Das größte Problem, das ich mit „Lese den Text.“ oder „Gebe eine Adresse ein.“ habe, ist, dass mein Aggressionspotential bei primatenartigen Imperativkonstuktionen leicht in physikalisch bis zur Oberstufe nicht erfassbare Höhen steigt, weil mein innerer Duden einen Großteil des Klein- wie auch des Großhirns unter Kontrolle hat.

Werbung

Auch die totale Wahrscheinlichkeit hormonell bedingter Reaktionen auf solch unwürdigen Sprachgebrauch steigt bei Verwendung grammatikalischer Quantenphänomene irrationaler Art stark monoton:

Der Imperativ des Verbs „lesen“ ist nicht „lese“, sondern „lies“!

Der Imperativ des Verbs „geben“ ist auch nicht „gebe“, sondern das einsilbige und durchaus nachvollziehbare Wort „gib“!

Und es gibt noch so viele andere Verben, die brutal denaturiert und hingerichtet werden. Von „helfe“ über „ess“, „fress“, „mess“, „sprech“, und nicht zu vergessen „werf“ … man vergebe mir diesen Satz!

An diese Erklärung meiner derzeitigen Stimmung und deren Kausalität(en) schließe ich den Wunsch und die verzweifelte Bitte an, diese Ausdrücke (eigentlich darf man so etwas nicht einmal als „Ausdruck“ bezeichnen) einfach im Mund zu lassen. Schweigen ist eben doch manchmal Gold. Es muss doch etwas gegen den Niedergang unserer schönen Sprache getan werden, und ich stehe für meine Rechte der Selbstbestimmung und der grammatikalischen Unversehrtheit auf.

Werbung

Dabei beziehe ich mich gar nicht so sehr auf die kleinen orthografischen Schwächen, die manch ein Text beinhaltet, denn ich weiß sehr wohl, wie einfach sich in einem unbedachten Moment ein Buchstabe an falsche Stellen begeben kann. Aber wenn in einzeiligen Aufforderungen, die sich einsam und verlassen mitten im Bildschirm sonnen, mindestens zwei mal kurz hintereinander das jeweils erste Wort den Leser geradezu anspringt, dann denke ich doch, dass dort durchaus mehr Aufmerksamkeit gefordert werden kann.

BITTE!!! Im Namen der #PEGIDA - Patriotische Einheimische Gegen Inversion Deutscher Ausdrücke (basierend auf grammatikalischen Ur-Traditionen)

Tim Buktu  #Schule