Es gibt sie also doch, diese Momente, in denen sich die Dinge zum Besseren zu wenden scheinen. Alles fügt sich zusammen und Stück für Stück entsteht ein Bild, das man eigentlich schon immer von sich gehabt hat. In demselben Schema versucht Vince Gilligan, der mit seiner Kult-Serie "Breaking Bad" ganz neue Maßstäbe fürs Dramedy-Genre setzte, einer der Nebenfiguren seines Antihelden-Epos ein völlig neuwertiges Profil zu verschaffen. Ob dieses Unterfangen von Erfolg gekrönt sein wird, werden die nächsten Wochen entscheiden. Doch eines lässt sich über "Better call Saul" nach dem vielbeachteten Staffelauftakt sagen: Der kleine "BB"-Bruder braucht sich vor den großen Fußstapfen seines Vorgängers weder stilistisch, noch plottechnisch zu verstecken.

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"It's showtime, folks!"



Warum auch? Auch hier haben wir wieder die gleichen Voraussetzungen, die schon Chemie-Koryphäe Walter White sowohl in den Abgrund brachten, als ihm auch die Möglichkeit verschafften, der Welt sein verkanntes Genie zu präsentieren. In diesem Fall geht es aber um den eher glücklosen Pflichtverteidiger Jimmy McGill und seiner Wandlung zu der schillernd zwielichtigen Persönlichkeit Saul Goodman, dessen moralische Integrität ähnlich locker sitzt, wie sein loses, allerdings messerscharfes Mundwerk. Während Jimmy allerdings noch einen Restfunken an Rechtsempfinden, sein Eigen zu nennen scheint, weiß der Serienfreund, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein kann und man wieder gespannt Zeuge der nächsten "Heisenbergisierung" werden wird.



"I think we're heading in the wrong direction."



Doch wo werden diesmal die Turning Points angelegt? Werden die alten Bekannten aus der Mutterserie eine Schlüsselrolle dabei einnehmen? Die Vermutung liegt nahe.

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Denn nichts scheint den, in der kargen Wüstenlandschaft New Mexicos verlassenen, Protagonisten von seiner, perfekt in der Totalen eingefangenen Agonie, sowohl monetärer als auch persönlicher Art, zu erlösen. Bis er sich entschließt, nicht mehr nach herkömmlichen Spielregeln zu agieren und sich auf einen Pfad der Selbstentäußerung und Manipulation begibt, der ihm Tür und Tor der Unterwelt zu öffnen scheint. Dass ihm dabei einige spätere Größen des organisierten Verbrechens, die uns schon bei "Breaking Bad" entzücken durften, etwas Starthilfe erweisen, sollte nicht zu abwegig erscheinen.



Und auch hier ist es wieder der schwarze Humor, der mit dieser unverwechselbaren Mischung aus lockerem Wortwitz und zündender Situationskomik einhergeht, es dabei gleichzeitig schafft, den Zuschauer völlig vorbehaltlos in seinen Bann zu ziehen. Ganz unabhängig, ob man die Hauptfigur sympatisch findet oder nicht, die Dinge nehmen ihren Lauf. Und was bleibt dem geneigten Zuschauer zu tun? Zurücklehnen und sich auf eine weitere Achterbahn der Skurrilitäten freuen. #Fernsehserien #Fernsehen