Ende August erwartet die 25.000-Einwohner Stadt Schleswig in Deutschlands Norden zum fünften Mal einen gigantischen Ansturm von Musikfans. Das Festival "Baltic Open Air" wartet seit jeher mit einem attraktiven Line-Up international bekannter und erfolgreicher Bands auf und wird auch dieses Mal Zehntausende begeistern: Uriah Heep, die Folkrock-Band Schandmaul und die Rammstein-Cover-Band Völkerball dürften nur einige der zahlreichen Publikumsmagneten sein.

Frei.Wild-Auftritt stellt Toleranz auf den Prüfstand

Für Aufsehen sorgt derweil wieder die Südtiroler Deutschrock-Band Frei.Wild. Für ihre politisch inkorrekten Texte und ihren brachialen Sound bekannt, wird die Band mit besonders treuer Fangemeinde sicherlich ebenfalls einige tausend zusätzliche Besucher anziehen - zum Ärger der Lokalpolitik und politisch links stehender Bands.

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Egal wo die Band auftritt: Sie ist jedesmal ein Gradmesser musikalischer und politischer Toleranz in der Musikszene. Bei der Echo-Nominierung der Band 2013 kündigten zahlreiche Künstler an, nicht auftreten zu wollen, weil sie die politischen Positionen von Frei.Wild nicht teilten. Die Veranstalter zogen daraufhin die Nominierung von Frei.Wild zurück - entgegen der eigenen Nominierungsregeln, die lediglich auf die Verkaufszahlen abstellen. 2014 sagten die Südtiroler von sich aus die Teilnahme aus Protest ab; dieses Jahr waren sie nun zwei Mal nominiert, nahmen auch teil, gewannen aber nicht.

Die Lokalpolitik ist außer Rand und Band 

Nun versucht vor allem die Lokalpolitik einen Auftritt zu verhindern. Der Bürgermeister von Schleswig, Arthur Christiansen fordert ein neues Sicherheitskonzept vom Veranstalter, da er die Frei.Wild-Fans offenbar für gefährlich hält.

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Die Band stünde der "Willkommenskultur" der Stadt entgegen und könne "gerne in Südtirol bleiben". Stephan Dose, SPD-Stadtrat im Kulturausschuss, hält die ganze Band für "rechtsradikal" und will die Stadtverwaltung dazu bewegen, den Auftritt der Band zu verbieten. "Empört" zeigten sich auch die Grünen, die sich schon über den ebenfalls angekündigten Auftritt von Kevin Russell, der ehemals Sänger der "Böhsen Onkelz" war, echauffiert hatten.

Demokratietheoretisch fragwürdiges Verhalten der Stadtverwaltung

Strategie der Stadtverwaltung scheint nunmehr zu sein, die Sicherheitskosten für das Festival in die Höhe zu treiben und diese dann auf den Veranstalter umzulegen, damit dieser in Zukunft auf die Einladung politisch nicht erwünschter Bands verzichtet: Ein mehr als problematisches Verhalten, was weniger etwas über die Gefährlichkeit der Deutsch-Rocker, als über das Demokratieverständnis mancher Politiker aussagt.

Bands sind toleranter als Politiker 

Einen ähnlichen Streit hatte es auch beim Out & Loud Festival in Franken Anfang dieses Jahres gegeben: Einige Bands sagten auch dort ihre Auftritte aus Protest ab.

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Auf ihre freigewordenen Plätze brach danach jedoch ein regelrechter Run aus: Vielen Bands haben mittlerweile wohl akzeptiert, dass Meinungs- und Kunstfreiheit auch in der Musikszene gelten - und auch für eine Südtiroler Deutschrock-Band.

Bildquelle: „FW Bandshoot STILL 1“ von Frei.Wild - Kingleo92. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons. #Musik