Bald ist es soweit! Der 60. Eurovision Song Contest steht vor der Tür und zwar wortwörtlich. Zum zweiten Mal soll der Songcontest nun in Wien ausgetragen werden, nach dem Conchita Wurst mit ihrem Song "Rise Like a Phoenix" im letzten Jahr in Kopenhagen den Song Contest nach 48 Jahren wieder für Österreich entschieden hat. Eines steht jetzt schon fest - er wird auch dieses Jahr ein Fest der Gefühle werden. Am 23. Mai ist es schließlich dann soweit, wenn in die Wiener Stadthalle zum Songcontest eingeladen wird.

Eine Castingshow als Teilnehmerschmiede

Nachdem Conchita Wurst die Titelverteidigung für Österreich nicht antreten wollte, war klar: es muss ein Act her, der sich mit dem Rest Europas messen kann.

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Seit der Teilnahme und dem Sieg Udo Jürgens mit "Merci Cherie", feierte Österreich beim Song Contest nur mäßigen Erfolg. Dies mag sich jetzt vielleicht ändern, denn auch der Modus der Auswahl der eigenen Vertreter hat sich seither stark verändert. In diesem Jahr fragte man sich, wie man den Titelverteidiger besser ermitteln könnte, als durch einen eigenen Castingbewerb nach Vorbild des Lieblingsnachbarn Deutschlands. Deutschland hatte sich schon seit 2010 diesem Format zugewandt unter Leitung des deutschen Fernsehgurus Stefan Raab, der bei den erfolgreichsten Kandidaten der vergangenen Jahre für Deutschland immer wieder die Finger mit im Spiel hatte. 2010 ging daraus auch die deutsche Siegerin Lena Meyer -Landrut mit dem Song "Satellite" hervor. Schon im Vorfeld wird also die Teilnehmerauswahl der einzelnen Nationen zu ihren eigenen kleinen Songcontests voller Emotionen und Qualitäten.

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Das führt auch in Österreich in diesem Jahr zu der eigenen Fernsehshow, "Wer singt für Österreich". Die Jury setzt sich zusammen aus den Musikern der eigenen Reihen wie Wiens stadtbekannten Rapper Nazar, Anna F., österreichische Singer-Songwriterin und irgendwo muss man auch noch mitbekommen haben, dass die deutschen Musiker "The BossHoss" sich gern mal als Juroren für Castingshows hergeben, wie etwa für "The Voice of Germany", denn auch die waren mit an Bord.

Zwischen glücklichen Gewinnern und (ent)täuschenden Siegern

Österreich musste zwischen sechs Acts auswählen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Von "Zoe" mit ihrem englisch-französischem Chanson, der Indie-Band "Dawa", über den Experimentalelektro Sound von "Johann Sebastian Bass" oder "Folkshilfe", das Cross-over-Trio das aus folkkulturellen Elementen einen jungen, fetzigen Sound kreierten, bis hin zu den Rockmusikern "The Makemakes" mit internationalem Flair. Aus dieser überraschenden jungen Vielfalt setzten sich die "Makemakes" nach mehreren Sendungen und dem Zuschauer-Voting im Finale durch.

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"The Makemakes" treten mit der selbst geschriebenen Ballade "I 'm Yours" an, die auf jeden Fall Potenzial in den internationalen Charts hat, vielleicht weil der Song gleichzeitig an so viele Lieder erinnert, man ihn aber einfach nicht einordnen kann, weil er doch seine eigene besondere Note hat. Die "Makemakes" zeigen sich selbstbewusst: "Jetzt, da wir die Mitbewerber gesehen haben: Da geht sich sicher ein Top-Ten-Platz aus." Optimistisch und motiviert begeben sich die "Makemakes" auf den Vorbereitungsmarathon.

Mit "Unser Song für Österreich" sollte ein ähnliches Format auch in Deutschland deren Teilnehmer bestimmen, aber es sollte anders kommen. In der letzten Show traten 8 Acts gegeneinander an, die wie in Österreich eine ganze Palette an Facetten aufwiesen. In der Stichwahl standen sich schließlich die zwei Favoriten Andreas Kümmert und Ann Sophie gegenüber. Andreas Kümmert setzte sich im Zuschauervoting durch, lehnte dann aber auf der Bühne seine Teilnahme am Song Contest ab. Der Rummel soll dem 28-jährigen Gewinner einfach zu viel geworden sein. Dabei würde man meinen er hätte es doch besser wissen sollen, schließlich gewinnt er als der groß umjubelte "Rocketman" 2013 die Castingshow "The Voice of Germany". Damals schon wollte er wohl vorzeitig aussteigen, soll aber aufgrund der Verträge an die Show gebunden gewesen sein. So wird nun Ann Sophie mit gemischten Gefühlen als ewigzweite nun als Vertreterin Deutschlands ausgesandt.

Der Musiker als Produkt der Unterhaltungsindustrie?

So zeigt sich die unvermeidliche Problematik hinter dem Showbiz, den Casting-Effekten, dem Eurovision Song Contest selbst, die einen nicht vergessen lassen darf, dass die Künstler selbst Menschen sind, die aber durch das Showbiz letzen Endes auch zum Produkt werden. Dies wird auch den "Makemakes" klar werden. Anschließend an der Entscheidung und somit der sicheren Teilnahme am Song Contest, nach dem wochenlangen Kampf um diesen, sagen die jungen Herren in einem Interview: "Wenn's geht, werden wir ein paar Tage zur Entspannung auf der Almhütte verbringen. Wir haben uns noch nie durch irgendwas aus der Ruhe bringen lassen." Sehr schnell wird ihnen aber klar gemacht, dass es mit der Almhütte wohl nichts wird. Auf die "Makemakes" wartet bis zum Songcontest der nächste Marathon. Für die nächsten zwei Monate werden sie wohl ihr Leben, so wie sie es gewohnt sind, nicht wiederfinden.

Foto: SRF Schweizer Radio und Fernsehen #Musik