Am Freitagabend hatte die örtliche Polizei noch Probleme die rund 10 000 Schaulustigen, die Fotos und Videos von dem berühmten französischen UNESCO-Weltkulturerbe-Klosterfelsen in der Normandie machen wollten, zurückzuhalten. Die Bewohner der Küstenorte wurden zu Vorsicht und Rücksichtsnahme aufgefordert. Eine bekannte Redensart auf dem Klosterberg in der Normandie lautet nicht umsonst, dass die Flut "mit der Geschwindigkeit eines Pferdes im Galopp" ankommt.

In den frühen Morgenstunden erwartete die Zuschauer dann ein Spektakel der besonderen Art: die mit Spannung erwartete sogenannte "Jahrhundert-Tide" traf ein. Auf Grund einer bestimmten Sonne-Mond-Konstellation, welche auch für die jüngste Sonnenfinsternis von großer Bedeutung war, ergab sich ein Tidenhub von 14 Metern.

Werbung
Werbung

Mit anderen Worten, die Differenz zwischen Ebbe und Flut entsprach der Größe eines vierstöckigen Gebäudes.

In der Folge wurde Mont-Saint-Michel komplett vom Festland abgeschnitten. Der Flut-Experte Nicolas Pouvreau, von der französischen Meeresbehörde SHOM, erklärt diesen Effekt folgendermaßen: "Die Flut ist ein Ausdruck der Gesetze der Schwerkraft in dem von Erde, Sonne und Mond gebildeten System. Die Antwort des Meeres auf die Kraft, die die Flut auslöst, nimmt die Form einer Welle an, die in diffuser Art und Weise über die Ozeane hinweg ausgelöst wird."

Nach der "Jahrhundertflut" in Mont-Saint-Michel werden weltweit in verschiedenen Küstenorten in Großbritannien, Kanada und Australien ähnliche Naturspektakel folgen. Zur Krönung des Ganzen soll in der Bucht von Fundy an der kanadischen Atlantikküste der höchste Tidenhub mit ca.

Werbung

16 Metern zu bewundern sein.

Die nächste "Jahrhundert-Tide" wird voraussichtlich erst wieder in 18 Jahren zu bestaunen sein, am 3. März 2033. Die letzte "Jahrhundertflut" hingegen fand am 10. März 1997 statt. Heute morgen maß man in Frankreich den höchsten, je gemessenen Flut-Koeffizienten, wie die Meeresbehörde SHOM mitteilte. Schon ein Koeffizient von über 110 gilt als sehr selten und kommt nur an zwei Prozent aller Tage vor. Bereits am 21. Februar hatte es eine besonders hohe Flut gegeben, eine weitere wird am 29. September folgen. Beide werden aber wahrscheinlich nicht an das heutige Naturphänomen herankommen.