Im Jahr 1982 gab der achtzehnjährige Lorenzo Petrocca seinem inneren Drang nach und sattelte vom Box-Sport in die #Musik um. Er kaufte sich eine E-Gitarre und konnte Schritt-für-Schritt bis heute, seine Karriere als international renommierter Gitarrist aufbauen. Seine Anfänge machte er in italienischen Bands, welche sich auf Tanzmusik spezialisiert hatten. Auch in der amerikanischen Clubszene von Süddeutschland war Lorenzo Petrocca im Bereich Soul und Funk ein gern gesehener und gern gehörter Musiker. Schließlich fand er seine musikalische Heimat im Jazz und erhielt sogar im Jahr 2001 die Ehrenbürgerschaft der amerikanischen Jazzstadt New Orleans.
 
Dabei war Lorenzo Petrocca während seiner Jugend ein vielversprechender Boxer und wurde 1981 in seiner Gewichtsklasse sogar württembergischer Meister. Während dieser Zeit war die Musik kein Thema für ihn. Sein älterer Bruder Raffaele hatte sich seinerzeit bei einer Boxschule angemeldet, war dort aber nie erschienen. Lorenzo nahm einfach den Boxer-Ausweis seines Bruders und ging als Raffaele zur Boxschule. "Rocky" und Bruce Lee hatten eben ihren Einfluss.
 
Der damals fünfzehnjährige Lorenzo Petrocca hatte zusammen mit seiner Familie seine ursprüngliche Heimat Italien verlassen und baute seine Zukunft in seiner zweiten Heimat Baden-Württemberg auf. Italien bleibt für Lorenzo Petrocca immer die ursprüngliche Heimat und sehnsüchtig denkt er heute an seine große Verwandtschaft dort und seine Freunde aus der Kindheit - er denkt gerne ans Essen und ans Ionische Meer im kalabrischen Crotone. Dennoch lebt er in Stuttgart und liebt es natürlich. Bei bestimmten Themen wechseln seine Sympathien von einem Land zum anderen Land, und umgekehrt.
 
Es war anfangs nicht zu erwarten, dass Lorenzo Petrocca einer der renommiertesten Jazz-Gitarristen Europas werden sollte. Rückblickend kann Lorenzo Petrocca stolz eine lange Liste von Künstlern aufzählen, mit denen er schon zusammen auf der Bühne stand: u.a. mit Al Martino, Anne-Sophie Mutter, Max Greger jr., Bill Ramsey und Paul Kuhn. Glücklich kann Lorenzo auf seine über 33-jährige Karriere im Musikgeschäft zurückblicken. Er konnte mit dem, was er am liebsten macht - mit der Musik -, viele Menschen und vier Kontinente kennen lernen. Beim Internationalen Bandwettbewerb 1998 in Vienne (Frankreich) erreichte Lorenzo Petrocca den zweiten Platz. Im Jahr 2011 erhielt er für sein Album "My Music" den Preis "Archtop-Germany CD des Jahres", beste Jazzgitarren-CD Deutschlands. Neben zehn eigenen CD-Produktionen war er bis zum heutigen Tag auch an über 30 Produktionen als Gastmusiker beteiligt.
 
Und auch jetzt hat sich Lorenzo Petrocca noch einiges vorgenommen: Mit seinen eigenen beiden Bands "Lorenzo Petrocca Organ Trio" und "Lorenzo Petrocca Quartett" ist er nicht nur in Deutschland unterwegs. Des Weiteren ist er u.a. in den Bands "Round about Italy", "Fauzia Maria Beg - Fancy Miss Nancy", "Ulla Haesen Band", "Anne Czichowsky Trio", "Max De Aloe Quartet", "Barbara Bürkle - Swingin' Woods" , "We remember Charles Swing Band" und "Olymp All Stars" als Gastmusiker aktiv. Lorenzo Petrocca ist stets dankbar mit bekannten oder weniger bekannten Musikern zusammenzuarbeiten. Ein Traum wäre es für ihn, zusammen mit dem Saxofonisten Phil Woods zu spielen.
 
Seitdem sich die Situation um den Jazz zusehends verschlechtert, ist Lorenzo Petrocca sehr dankbar, dass noch idealistische Veranstalter spielenden Musikern und dem Jazz ein Forum bieten. Dennoch beobachtet auch Lorenzo Petrocca mit großer Sorge in welche Richtung sich die Musik im allgemeinen künftig bewegen wird. Die heutige Musik scheint sich von Qualitätsansprüchen zu entfernen und stattdessen wird nur ein gewisser Schein, ein mediales Image, erschaffen und vermittelt. Zum Glück ist der Jazz von solchen Machenschaften kaum betroffen. Falls sich jedoch die Jazzbranche derart negativ entwickeln würde, könnte sich Lorenzo Petrocca in einem möglichen Zukunftsszenario durchaus vorstellen, in Italien als Fischer zu leben.

Was wäre wirklich wichtig für Musiker? Einerseits ist es wichtig, einen möglichst hohen Qualitätsstandard aufzubauen und zu halten und dass andererseits qualitätsbewusste Zuhörer zu Konzerten gehen und entsprechende CDs kaufen. Es sollten auch weniger TV-Gesangswettbewerbe verfolgt werden und stattdessen zu Gunsten der Live-Konzerte darauf verzichtet werden. Von Jazzkritikern wäre in diesem Zusammenhang größere konstruktive Kompetenz in ihren Urteilen und von Veranstaltern größerer Respekt für Musiker zu erwarten. Auch Musiker könnten sich mehr für die akuten Probleme der Veranstalter interessieren.

Lorenzo Petrocca ist weiterhin ein aktiver Verfechter für eine gesunde, europäische Jazzszene; ein Komet am europäischen Jazzhimmel.

Bildquelle: Axel Leidecker

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