Wieder ist ein streitbarer Geist von uns gegangen. Wie sein Verlag mitteilt, starb Günter Grass am Montagmorgen im Alter von 87 Jahren in einer Lübecker Klinik. Der Mann, der sich auch während eines Interviews gern mal ein Pfeifchen anzündete, legte sich als Querdenker gesellschaftspolitisch ins Zeug. Für Aufsehen sorgte er, als er sich mit Oskar Lafontaine nach dessen Rücktritt vom SPD-Vorsitz anlegte und ihm "Charakterlosigkeit ohnegleichen" vorwarf. Lafontaine revanchierte sich später mit Bemerkungen über Grass' lange Zeit verheimlichte Mitgliedschaft in der Waffen-SS während des zweiten Weltkriegs. Grass solle sich zu Charakterfragen nicht mehr äußern, hatte Lafontaine gefordert, nachdem dieser 2006 zugegeben hatte, dass er mit 17 Jahren der Waffen-SS angehört hatte.

Die Blechtrommel bescherte Grass seinen weltweiten Durchbruch

Das Werk von Grass umfasst die, Anfang der 1960er Jahre erschienene "Danziger Trilogie" mit dem Roman "Die Blechtrommel" (1959), der Novelle "Katz und Maus" (1961) und dem Roman "Hundejahre" (1963). Fast ein halbes Jahrhundert später schrieb Grass seine "Trilogie der Erinnerung" mit den autobiografischen Bänden "Beim Häuten der Zwiebel" (2006), "Die Box" (2008) und "Grimms Wörter" (2010). Für die Blechtrommel, die sich über drei Millionen Mal verkaufte und in 24 Sprachen übersetzt wurde, wurde ihm 1999 auch der Literaturnobelpreis zugesprochen.

Die Blechtrommel-Verfilmung erhielt einen Oscar

Erinnern wir uns nicht alle an den dramaturgisch unübertroffenen Film mit David Bennent in der Hauptrolle als zwergwüchsigen Oskar Matzerath. Als Oskars Vater Alfred in die NSDAP eintritt, versteckt sich Oskar bei einer Massenveranstaltung unter dem Rednerpult. Der kleine Mann beginnt, einen Walzertakt zu trommeln, auf den schließlich auch die Musikkapelle einstimmt, woraufhin das Volk zu tanzen beginnt. Ein unvergessener filmischer Augenblick. Das Werk entstand 1979 unter der Regie von Volker Schlöndorff und wurde 1980 als erster deutscher Film als bester fremdsprachiger Film mit einem Oscar ausgezeichnet.

Grass war studierter Maler und Bildhauer

Günter Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren, wo er auch zur Schule ging. 1947/1948 absolvierte er eine Steinmetzlehre in Düsseldorf und studierte dann von 1948 bis 1952 Grafik und Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie. Im Jahre 2014 wurden sechs seiner Grafiken in Hamburg bei einer Benefiz-Gala zugunsten verfolgter Autoren versteigert. Teuerstes Bild war die Grafik «Worüber ich schreibe», eine Butt-Darstellung für 2.700 Euro. Die Auktion war Höhepunkt der Feier der deutschen Autorenvereinigung PEN zu ihrem 90-jährigen Bestehen. Grass hatte seine Werke für die Auktion kostenlos zur Verfügung gestellt.

Zum Abschluss ein treffendes Zitat über den Literaten: "Günter Grass war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller und Inbegriff des engagierten Autors. Sein Werk entblättert die Schichten unserer Vergangenheit." (Zeit online, 13.

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April 2015)

Bildquelle: "Grass" von Florian K - Bild:Grass.jpg. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

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