Das eisige tausend-Seelen-Dorf Teriberka in der russischen Arktis am Barentssee, stellt den epochalen Schauplatz dar, in dem uns gezeigt wird, wie eine Staatsgewalt als stille Lawine aus Stacheldrähten über den kleinen Bürger rollen kann. In diesem Fall trifft es die Patchwork-Familie rund um Kolia. Dieser repariert Autos, seine neue Frau Lilia, arbeitet, wie die meisten Frauen dort, in einer Fischfabrik, während Roma, der Sohn aus einer vorangegangenen Beziehung in der Anfangsphase der Pubertät steckt und in die Schule geht.

In der nur scheinbar friedlichen Umgebung herrscht der Grundton eines Umbruches, trotz der eindrucksvoll sublimen Natur die es umgibt.

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Gleich zu Beginn erhält Kolia einen wichtigen Besuch, sein Freund aus Armeezeiten Dimitri, der mittlerweile angesehener Anwalt in Moskau ist, kommt um mit ihm gemeinsam in den Kampf gegen die vorherrschende Autorität, Bürgermeister Schelewjat zu ziehen. Dieser hat sich in den Kopf gesetzt, just an dem Ort, wo das von Generationen in Kolias Besitz stehende Haus seiner Vorfahren steht, etwas Neues entstehen zu lassen. Somit soll Kolia sein ganzes Hab und Gut, gegen eine unverhältnismäßig geringe Abfindung geben, verkündet von einer seelenlosen Richterin, die in High-Speed-Geschwindigkeit den Beschluss gegen den Einspruch Kolias vorträgt. Dass es sich hierbei nicht bloß um eine unpersönliche Enteignung handelt ist schnell klar, Schelewjat findet sichtlich Gefallen daran, jeden Aufmüpfigen seine Macht spüren zu lassen, ebenso Dimitri, der vergebens versucht, ihn mit seiner Gangstergeschichte zu erpressen.

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Zwischen Strömen aus Vodka auf beiden Fronten, gipfelt die Geschichte in Kolias erster Handgreiflichkeit gegen Dimitri und Lilia, die er während eines Familienausfluges zusammen ertappt. Kolia wird bei der Abgabe eines weiteren Dokumentes gegenüber Beamten unhöflich und sofort eingesperrt, Dimitri, von den Schlägern Schelewjats unter psychischem Terror windelweich geprügelt und Lilia verschwindet. Zurück bleibt der trotzige Roma, dessen Zukunft sich eine Freundin Lilias annimmt. Der Untergang des Protagonisten steht von Anfang an fest, wie in einem antiken griechischen Drama. Dennoch tut er dies auf höchst heroische Weise, ohne auch nur einen Schritt von dem ihm Zustehenden zu weichen. Die Spannung und die schwarze Magie von Leviathan gehen vielmehr von der urtümlichen Gewalt aus, mit der die Geschichte den armen Kolia in einen immer tiefer gähnenden Abgrund reißt, ohne damit zu "spoilern", schreibt die Zeit.

Dabei reflektiert der Film nicht nur über den aktuellen Zustand Russlands, sondern ebenso über die große Geschichte, von der Zarenzeit bis in die Sowjetunion, von der schon immer stattgefundenen Unterdrückung des Einzelnen, von Ewigkeit zu Ewigkeit herrscht das russische Reich über seine Bürger.

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Das Grundthema eines zentralisierten Systems lässt sich hierbei auch fernab von Russland verstehen, wenn auch nicht in demselben Ausmaß nachempfinden. Selbst einige Lacher macht Swjaginzew, trotz der Ausweglosigkeit in seinem, an Thomas Hobbes gleichnamige Schrift angelehnten Epos, möglich. Trotz des Drehbuchpreises in Cannes 2014 und einem Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film 2015, fand er an Russlands Spitze eher wenig Begeisterte, so wurde selbst vom Kulturminister Kritik geäußert, er erkenne seine Landsleute in diesen ständig betrunkenen, mit Schimpfwörtern um sich werfenden Figuren nicht wieder. Dafür wurden in den russischen Kinos die Schimpfworte leiser gemacht und der Film überhaupt erst als "ab 18" eingestuft. In europäischen Breiten findet das Publikum sichtlich gefallen an der harten Abrechnung mit dem "großen Bruder" und ist als Kampfansage an jede Autorität ein Vorbild für jeden freien Individuellen sowie ein vortreffliches Ostergeschenk. Ab jetzt im #Kino. #Wladimir Putin