Es war ein Schock für Sat.1, für die Zuschauer und die Fans der Sendung "Newtopia". Was wollte die sichtlich angetrunkene Jacqueline B. (Siehe Foto), langjährige Talpa-Mitarbeiterin und Executive Producerin der Sendung wirklich, in der Nacht zum vergangenen Montag? Der Ablauf: Um 2 Uhr ist die sehr erfahrene und sonst gewissenhafte Mitarbeiterin in die Scheune mit einem Bierkasten gekommen. Dort beklagte die Produzentin gegenüber den Kandidaten, den Druck der Zuschauer - von ihr "Junkie" genannt - und des Senders, sowie die Ansage, dass bei "Newtopia" endlich wieder etwas Großes passieren müsse. Dumm nur, dass dieses Gespräch von einer Livestream-Kamera "versehentlich" übertragen wurde.

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B. weiter: Man hätte sich schon Pläne für die Kandidaten ausgedacht. Offenbar, damit es endlich aufwärts geht mit den Quoten.

Blasting News hatte bereits am 7. April 2015 durch eine Informantin von Talpa in Erfahrung bringen können, dass Sat.1 ohnehin den Stecker, wegen miesen Quoten, ziehen will. Das wurde sofort dementiert. Wir erreichten gestern Abend erneut unsere Quelle. Die Mitarbeiterin bestätigte uns noch einmal an Eides statt, dass es definitiv Druck von Sat.1 gäbe und man durchaus regelmäßig die Einstellung erwähnt habe. Das macht auch Sinn, fährt Sat.1, eine auf gewinnorientierte Aktiengesellschaft, erhebliche Verluste mit der Sendung ein, täglich. Produktionskosten hoch, Werbeeinnahmen mangels Quoten niedrig. Man muss nun wirlich nicht im Finanzvorstand von ProSiebenSat.1 sitzen, um zu erkennen, dass diese kostenintensive Sendung zwingend die Einschaltquoten nach oben bekommen muss, und zwar zackig.

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Hat Jacqueline B. deshalb so gehandelt? Es liegt nahe, dass die Produktion erheblichen Einfluss auf den Verlauf im Camp nehmen muss, weil sonst das Aus droht. Die Firma will das alles aber so nicht zugeben. Talpa gibt hierzu folgende Erklärung ab:

Die 15 Pioniere in Newtopia sind vollständig selbst dafür verantwortlich, wie sie ihr Leben gestalten. Was wir als Zuschauer in den Live-Streams (...) sehen, ist echt. In jeder Reality-Show werden die Teilnehmer von den Producern der Show beraten und betreut. Dies geschieht in Newtopia (...) sehr zurückhaltend. Die Producer nehmen diese Möglichkeit zu Zeiten wahr, in denen die Kameras abgeschaltet sind, z.B. während Wartungsarbeiten. Wir von Talpa Germany bedauern, was gestern Nacht in Newtopia passiert ist. Der Vorfall wird untersucht und, falls notwendig, werden angemessene Schritte unternommen.

Nur erklärt das nicht, warum die Mitarbeiterin B. angetrunken schon zu den Pionieren kam. Was ist da passiert? Verzweiflung? Frust? Wut? Auch handelte es sich bei dem 50 Minuten-Gespräch nicht um eine technische Wartung von Kameras.

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Hier hat eine Person, die die Sendung in einer Führungsposition verantwortet, erhebliche Kritik geübt, sich über den Auftraggeber, die Zuschauer und Umstände sehr unmissverständlich ausgelassen und war angetrunken. Schon dafür wären Otto-Normalangestellte fristlos gekündigt worden.

Es ist zwar Talpa auch anzurechnen, dass man den Vorfall untersuchen will. Nur zweifeln hier - nicht ganz grundlos - die Fans. Denn aus München, dem Sitz der ProSiebenSat.1 AG, gibt es die üblichen Durchhalteparolen: "Eine Absetzung der Sendung wird es aber nicht geben, denn Sat.1 glaubt weiterhin an das Format und unsere Pioniere!" Wer's noch glaubt.

Foto: Montage Bild Presse Sat.1; Twitter.

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