Mit Udo Jürgens ist ein Künstler von uns gegangen, der die letzten fünfzig Jahre der deutschsprachigen populären #Musik entscheidend geprägt hat. Einem breiten Publikum sind vor allem seine Megaseller bekannt, die aber auch im Laufe der Jahre anspruchsvoller wurden. Auch Udo Jürgens „Hitparadensmusik“ hat sich stetig weiterentwickelt. Von Gassenhauern wie „Anuschka“ über „Ein ehrenwehrtes Haus“ bis „Ich war noch niemals in New York“ zeigt sich eine klare Orientierung hin zur Tradition des französischen Chansons. Die wahren Perlen sind aber meist verborgen und schwer zu finden – auch bei Udo Jürgens.





„Mercie Cherie“ - der Grand Prix Sieg als Durchbruch

Udo Jürgens ließ nicht locker – schon als junger Künstler. Der wunderbare Titel „Warum nur, warum“ reichte beim Grand Prix 1964 zum 6.

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Platz, das nicht minder starke „Sag ihr, ich lass' sie grüßen“ brachte 1965 Platz vier ein. „Merci cherie“ war dann 1966 der Durchbruch – Platz eins für ein Chanson allererster Güte. „Was ich Dir sagen will“ (1967) setzte diese Tradition fort. Aus dieser Zeit stammt auch das für viele Udo-Fans schönste Lied seiner frühen Jahre. „Indra“ ist eine Art Liebessymphonie, eine der ersten Titel der Popmusik, der sich an symphonischen Grundsätzen orientiert.





Griechischer Wein

Udo war dem intensiven Genuss niemals abgeneigt, ein weiteres Idol jener Zeit war ihm ähnlich. Der Rennfahrer Jochen Rindt war der österreichische Sportler, der puncto Popularität mit den Skistars mithalten konnte. Ihm widmete Udo den Titel „Der Champion“ 1971. Es folgte eine Zeit in der es um Udo, zumindest hitparadentechnisch, stiller wurde.

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1974 der Megaseller „Griechischer Wein“ - Udo war wieder da – und wie. „Ein ehrenwertes Haus“ lehnt sich an die immer stärker werdende Liedermachergeneration an – lockere Botschaften mit ernstem Hintergrund. Für die viel zu früh bei einem Autounfall tödlich verunglückte Alexandra schrieb Udo den Titel „Illusionen“ - Alexandra's Version wurde zum Klassiker. „Geschieden“ ist ein autobiographisches Lied 1974 das ebenfalls zu Udos besten Kompositionen gehört. 1976 bringt Udo mit „Meine Lieder 2“ eines seiner stärksten Alben heraus. „Der Zirkus darf nicht sterben“ ist ein flammender Appell für das Überleben der klassischen Schausteller- und Artistentradition. Die Vorstellung der deutschen Fußballnationalmannschaft in Argentinien war nicht berauschend und viele Fans haben Cordoba aus ihrem Gedächtnis verdrängt, Udos „Buenos dias Argentina“ bleibt unvergessen. Udo hält die Klasse. „Einmal wenn Du gehst“, ein Duett mit Judy Cheeks, ist ein Highlight der späten Siebziger Jahre.





5 Minuten vor 12

In den Jahren ab 1980 drängt sich, langsam aber sicher, der Umweltschutzgedanke in Gesellschaft und Politik.

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„5 Minuten vor 12“ ist Udos klassisches Statement zu diesem Thema. Mit Tochter Jenny nimmt er den Titel „Liebe ohne Leiden“ auf. Es wird ein wenig stiller um Udo – auch seine Alben werden stiller. Ein bereits 1982, als B-Seite einer Single erschienener Titel „Ich war noch niemals in New York“ wird für Udo zur neuen Kennmelodie. In der großartigen Filmbiographie „Der Mann mit dem Fagott“ findet Udo den Weg auf die große Leinwand, nachdem er ja in seinen jungen Jahren bereits in einigen harmlosen Komödien mitgespielt und natürlich auch gesungen hat. Das Tribute Album 2014 „Mitten im Leben“ und die Geburtstagsgala wird zur bewegenden Dokumentation, wie stark Udo die gesamte deutschsprachige Populärmusik in den letzten Jahrzehnten geprägt hat. Sein letztes Konzert in Zürich 2014 begann er mit dem Titel „Die Welt braucht Lieder“ - dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Foto: flickr.com Hubert Burda Media