"GoT" ist brutal und löst viele Diskussionen aus. Die Vergewaltigung in "Unbowed, Unbent, Unbroken", hat vielen Fans sehr aufs Gemüt geschlagen, um nicht zu sagen traumatisiert. Der darauf folgende Shitstorm in den sozialen Medien war unvorstellbar, ging quer durch alle Bevölkerungsschichten und erreichte sogar die amerikanische Politik, denn auch Kongressabgeordnete haben der Serie "Game of Thrones" in aller Öffentlichkeit abgeschworen. Was in der Diskussion fehlt, ist aber eine Differenzierung des, in der Serie geschehenen. Was bleibt, ist ein schlechter Nachgeschmack und eine Polarisierung der Fangemeinde, wie sie noch selten von einer Serie erreicht wurde.

Lenkt Vergewaltigungsdiskussion bei "Game of Thrones" von der Realität ab?

Zuallererst muss einmal festgestellt werden, dass es sich nicht um die Realität, sondern um einen Fernsehfilm handelt. Es ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten, dass Vergewaltigungen in Kriegsgebieten oder vielleicht sogar in der unmittelbaren Nachbarschaft, die wirklich passieren und der Realität entsprechen, zwischen einem Biss von der Wurstsemmel und einem Schluck Bier aus der Flasche abgehandelt werden, weil dem Grauen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Entrüstung, dass dann so etwas in der eigenen Lieblingsserie "Game of Thrones" passiert, in der man mit seinen Charakteren mitfiebert und emotionell verbunden ist, zeigt, dass man psychisch zwar gesund ist, die Aufmerksamkeit aber auch in Richtung Elend und Not in der realen Welt, erweitern sollte.

Gleiches Engagement wie bei "Game of Thrones" auch in der Realität zeigen

In Zeiten, in denen Sozialbudgets, die unter anderem auch Opfern von realen Vergewaltigungen zu Gute kommen, massiv gekürzt werden, Frauenhäuser aufgrund nicht mehr vorhandener Mittel geschlossen werden und Vergewaltigungen in Flüchtlingslagern an der Tagesordnung stehen, wäre es doch wert, dass eigene Engagement nicht nur an die Fernsehserie "Game of Thrones" zu verschwenden, sondern eventuell auch Einrichtungen, die sich Vergewaltigungsopfern widmen, mehr Unterstützung zukommen zu lassen.

Der Sinn, der Vergewaltigung von Sansa Stark, für die zukünftige Filmhandlung ist nicht ersichtlich

Berechtigt scheint sicherlich die Frage nach dem Sinn der Vergewaltigungsszene und in dieser Hinsicht offenbart sich im Kern die ganze Problematik von "Game of Thrones". Die Filme und die Bücher weichen bereits so weit voneinander ab, dass es zu massiven Irritationen führt. Die Vergewaltigungsszene kommt im Buch zwar vor, passiert aber jemand anderem. Außer einer neuen Dimension von Gewalt, fügt die Szene dem Film aber leider nichts hinzu, denn ob sich durch die Vergewaltigung von Sansa Stark ein epochaler Handlungsstrang ergeben wird, ist mehr als fraglich. Aber wer weiß, niemand der Schauspieler kann sicher sein in der nächsten Staffel noch zu leben.

Foto: Suzi Pratt - CC-BY-SA 2.0 - flickr.com #Fernsehserien