"Germanys next Topmodel by #Heidi Klum" wurde gestern, am 14.05.2015, während des Finales abgebrochen. Der Grund war eine telefonische Bombendrohung. Und was tun wir Journalisten? Wir machen daraus ein Drama. Ein Mann, der sich in der Werbepause Heidi Klum näherte, ein Supermodel was sofort an einen geheimen Ort gebracht wurde und junge Mädchen, die vor der SAP-Arena frieren mussten, weil ihre Jacken noch drin waren. Dann nicht zu vergessen, der Hallenbetreiber, der erst die Jury rettete und angeblich notgedrungen die 10 000 Zuschauer in Mannheim. Wenn's denn sein muss.

Es sind dramatische Beschreibungen eines fast Terroranschlag auf unsere Heidi und seltsame Schilderungen der Szenen vor Ort.

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Nur kleine Bildunterschriften verraten die Wahrheit: "alle blieben ruhig", war unter einem Bild zu lesen. Und nichts anderes zeigte auch das Bild. Leider. Eine große Zeitung stellte wohl deshalb seinen Reporter in Szene, knallharter Blick, verdeckt ermittelnd um die Ecke geschaut und der wahre Held vor Ort (Artikelfoto). Der außerdem perfekt frisierte Pressevertreter, der alles gesehen hat und die völlig chaotischen Szenen beschreiben konnte. Deutschland hielt den Atem an und konnte letzte Nacht nicht mehr schlafen. Danke, liebe Presse für die authentischen Berichte vor Ort.

Es wäre auch viel zu langweilig, wenn man sich einfach mal beim Hallenbetreiber bedanken würde. Es ist ihm nämlich gelungen, innerhalb von 15 Minuten, tausende Menschen in Sicherheit zu bringen. Die Mitarbeiter der SAP-Arena müssten eigentlich das Bundesverdienstkreuz bekommen.

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Kein einziger Mensch war noch in der Arena, sondern alle auf dem Parkplatz. Alle lebten. Darauf berichtete die Presse von chaotischen Szenen. Klar, dass es nicht immer geordnet läuft, bei 10 000 Menschen. Trotzdem verhielten sich auch die Mannheimer und die Besucher vor Ort absolut vorbildlich. Auch dafür ein großes Lob. Ihr wart super gelassen, liebe Mannheimer! Damit habt ihr der Polizei sehr geholfen.

Und es war, das wird auch die Polizei bestätigen, im höchsten Maße professionell, dass der Hallenbetreiber nicht sagte "Liebe Zuschauer, eine Bombe soll hier in einem Koffer sein, verlassen Sie bitte ruhig die Halle." Stattdessen versuchte man zunächst erst einmal alle Menschen aus der SAP-Arena zu evakuieren. In der Presse schrieben einige Blätter nun aber von fliehenden Menschen, von verzweifelten Szenen, Leute, die ihre Jacken für immer zurück lassen mussten. Draußen froren sie deshalb. Bloß, liebe Journalisten, die Rettungskräfte waren vor Ort ausreichend mit vielen Helfern anwesend, hätten frierenden Menschen sofort geholfen.

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Warum habt ihr, wenn ihr schon, liebe Kollegen, vor Ort frierende Mädchen gesehen habt, nicht den Rettungsdienst Bescheid gegeben?

Dann gab es Meldungen von Schwächeanfällen von Zuschauern. Keine Toten. Puuh, das ging noch mal gut. Abschließend hieß es dann in einem Liveticker ganz klein in einer Meldung: "Augenzeugenberichten zu Folge haben sich Sender und Produktion nach der Bombendrohung vorbildlich verhalten." Und genau dieser Satz ist alles Wesentliche, was man zu diesem GNTM Finale in Mannheim abschließend sagen sollte. Wir Journalisten müssen erkennen, dass gerade solche Sätze, nämlich das alles vorbildlich verlief, durchaus auch gute Schlagzeilen sind. Da muss man nicht ständig gezielt panisch reagieren, so wie gestern Abend zwischen 21.09 Uhr und 02.07 Uhr bei dutzenden Livetickern. #Fernsehen