Zunächst die Fakten: Steffen kündigt für den 21. Juni 2015 vor laufenden Kameras Newtopias "Nationalfeiertag" an. Dann nämlich wäre Vaddi, so wird er von allen genannt, einen Monat clean. Das muss gefeiert werden. Newtopia soll deshalb am 21. Juni 2015 in den Vollrausch verfallen. Und Sat.1 hält die Kamera drauf. Endlich mal was los im Camp. Vaddi (61) feiert dann einen Monat abstinent gewesen zu sein. Was war passiert? Am 21. Mai nämlich beschlossen die Pioniere zu sparen und den Alkoholkonsum und das Rauchen einzuschränken. Es war ein lauter Gedanke am Lagerfeuer. Vaddi war von diesem Vorschlag erstmal nicht so begeistert, da ihm das Feierabend-Bier beim Zigarettchen heilig ist.

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Vor Wut warf er die Bierkästen in den Teich und meinte, er wolle nicht mehr trinken und rauchen. Einen Monat zumindest.



Körperlicher Entzug von Vaddi erfolgreich abgeschlossen



Nun wäre Vaddi, der ja schon in seinem Spitznamen die Vorbildfunktion beinhaltet, ein Held. Tatsächlich raucht er bis heute nicht mehr und rührte auch kein Bier an. Dafür hat man ihm Respekt zu zollen. Selbst wenn andere vor ihm rauchen, hält Vaddi tapfer durch, rührt keine Zigarette an. Damit ist Vaddis Körper bereits nicht mehr süchtig nach Nikotin. Der körperliche Entzug von Zigaretten ist nach sieben Tagen abgeschlossen. Wer jetzt wieder dem Rauchen verfällt, dann nicht wegen dem körperlichen Verlangen, sondern ein rein psychisches Verlangen. Wow, mit 61 Jahren das Rauchen aufgehört. Warum nicht weiter so, Vaddi? Genau das wäre doch ein gutes Beispiel aus der neuen Welt und wirklich ein Erfolg aus Newtopia.

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Aufruf im Vorabendprogramm bedenklich



Doch Vaddi kündigt in der Sendung an: "Am 21. Juni saufen wir hier bis zum Umfallen und geben uns die Kante. Das wird der Nationalfeiertag. Dann habe ich einen Monat durchgehalten." Und genau hier ist das Desaster. Zunächst strahlte Sat.1 diesen Aufruf noch einmal in seiner regulären Vorabend-Sendung ungekürzt aus. Warum? Und Newtopia ist kein Film ab 18 Jahren, nach 23 Uhr, auf ProSieben, wo man meinetwegen Schnapsleichen zeigen kann. Es ist das wichtigste TV-Projekt, nach wie vor, für die ProSiebenSat.1 AG, das auf Sat.1 um 19 Uhr läuft. Die Zuschauer, meist Jugendliche. Für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind solche Darstellungen und Aufrufe in Reality-Formaten alles andere als amüsant. Die Behörde startete erst am 19. Mai, also nur zwei Tage vor Vaddis "Projekt", seine neue Kampagne für "Kenn dein Limit!".



Statt Saufgelage, Kampagne "Kenn dein Limit!" unterstützen



"Mit der Kampagne "Alkohol? Kenn dein Limit!" bestärken wir Jugendliche in ihrem veranwortungsbewussten Verhalten, um Freund- und Partnerschaften nicht durch einen unkritischen Umgang mit Alkohol aufs Spiel zu setzen", erklärt Dr.

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Heidrun Thaiss, Leiterin bei der BZgA. Die Kampagnen zeigen auch Wirkung, das belegen Zahlen der Behörde. Komasaufen ist um 12,8 Prozent im Jahr 2013 gegenüber 2012 bei jungen Menschen im Alter von 10 bis 19 Jahren zurück gegangen.



Nun ist Vaddi nicht dran Schuld, wenn die aktuelle Kampagne scheitern würde, aber genau solche Sätze, vor einem Millionenpublikum, sind bedenklich. Denn noch einmal: Es wurde kein Witz gemacht, sondern konkret zwei mal zu einem ausschweifenden Saufgelage aufgerufen und das jubelnd befürwortet. Vaddi wurde als cool dargestellt für seine Saufidee. Es wurde nicht kritisch hinterfragt. Das ist und bleibt unverantwortlich.

Statt Wodka von Rewe, BZgA unterstützen



Vielleicht sollte Newtopia, statt wieder mal den Lieferservice vom Rewe-Markt in Königs Wusterhausen anzurufen und Wodka für den 21. Juni zu ordern, die Leute der BZgA einladen und das Projekt unterstützen. Das wäre wirklich sinnvoll. Aber Vaddi hält an seinem Vorhaben fest. In einem Monat ist Schluß, dann wird gefeiert und gesoffen. Hierzu Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung: "Tausende werden jedes Jahr mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert. Darunter sehr viele Erwachsene, die eigentlich Vorbild sein sollten."



Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.



Hinweis für Hilfesuchende: Wenn Sie Hilfe bei einem Alkoholproblem benötigen oder Fragen zur Alkoholsucht, dem Missbrauch von Alkohol haben, erreichen Sie täglich vertraulich das BZgA-Infotelefon unter: 0221 892031 

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