Die Produktionsfirma von Newtopia, Talpa, kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Wie Blasting News berichtete, sollen Kandidaten aus professionellen Agenturen eingekauft worden sein. Was ist dran an den Vorwürfen? Wir trafen zwei Talpa-Mitarbeiter, darunter auch unsere bereits bekannte Informantin. Um sie vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu schützen, geben wir ihnen die Decknamen Marco und Anja.



Kate spielt den Zuschauern kein Drehbuch vor



Marco und Anja, wir haben hier 17 TV-Engagements von Kate in den letzten 24 Monaten recherchiert und das nur bei drei Agenturen. Vox, Kabel 1, Sixx, RTL, regionale TV Sender, Sat.1, noch mal Sat.1 - euch nicht mal eingeschlossen. War das bekannt?



Marco: Lass mich anders anfangen.

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Nur weil ein Pionier schon häufig im #Fernsehen war, muss er nicht unglaubwürdig sein. Es war uns bekannt. Aber so läuft die Branche. In den 90ern ist man vielleicht noch mit einem Notizblock losgezogen und hat im Einkaufscenter Leute angesprochen und gefragt, ob sie Lust haben ins Fernsehen zu kommen. Man ist sogar zu Talkshowgästen noch zu Vorgesprächen, bis zu 600 Kilometer weit, gereist. Das kann man heute nicht mehr bezahlen und hat dafür weder die Zeit, noch das Personal.



Kate ist also eingekauft worden?



Anja: Einkaufen würde ich nicht sagen. Denn wir haben Kate keine Anweisung gegeben und gesagt: So, du machst jetzt bestimmte Dinge in der Sendung. Sie hatte und hat kein Drehbuch. Aber was Marco sagen will ist, dass wir geeignete Bewerber auch über Agenturen finden müssen.



Castingagenturen sind auch für Newtopia wichtig



Ab wann ist man denn geeignet?



Anja: Die meisten Leute in Castingagenturen sind Normalos.

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Menschen, die nie im TV waren. Wohin sollen sich denn Leute auch wenden, wenn sie Lust haben, das Fernsehen von morgen mitzugestalten? Sollen die beim Pförtner von Sat.1 anrufen? Sie googeln Begriffe wie den Namen der Sendung und "Bewerbung" oder so. Schwups, sie landen bei Namen von Agenturen. Diese Agenturen sind für die Produktionsfirmen fast schon überlebenswichtig. Bewerber über Agenturen kommen von überall aus Deutschland. Es ist dabei spannend zu sehen, wer alles Lust hat, bei Projekten mitzuwirken. Diesen Leuten geben wir die Chance.



Marco: Und diese Menschen haben oft ihre einzige Fernseherfahrung darin, dass sie mal für eine Sekunde durch das Bild, als Komparse, gelaufen sind. Fernsehen funktioniert heute gemeinsam mit Agenturen. Gerade zum Start einer neuen Sendung.



Eine eurer Agentur bewirbt fast schon drohend, dass nur ein gutes Casting über den Erfolg der Sendung entscheidet.



Anja: Die müssen sich auch verkaufen, aber haben doch letztlich nicht unrecht.



Kate ist erfahren im Reality TV




Aber Kate ihre Kartei zählt sämtliche TV-Erfahrung unverholen auf. Sehr erfahren im Reality TV, steht da zum Beispiel.



Marco: Kann man aber auch anders betrachten.

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Kate weiß, dass man sich eben bei solchen Formaten nicht verstellen kann. Wir haben eine spannende Frau gesucht und sind bei Kate aufmerksam geworden. Warum kann denn eine Frau, die bei Datingshows mit gemacht hatte, nicht auch Newtopia mit gestalten?



Weil diese Frau sich dafür bezahlen lässt, das zu sagen, was der Sender wünscht. Sie ist Model und bei Kabel 1 eine Kontrolleurin.



Anja: Kann ich nicht beurteilen, weil ich die Sendungen nicht gesehen habe. Wir haben sie bei Talpa nicht bezahlt für eine Rolle oder dafür, was sie sagen soll.



Fernsehsendungen funktionieren nur mit Agenturen




Warum nehmt ihr nicht Personen aus den vielen Bewerbungen, die euch angeblich erreichen?



Anja: Wir müssen schon aus einer Vielzahl verschiedener Menschen auswählen. Wir können das aus 300 Emails pro Tag machen. Oder wir machen das aus 300 Emails und einer Unterstützung von Castingagenturen, die nichts anderes zeigen, als Bewerbungen von Menschen, die gern im TV mitwirken würden. Die Auswahl wird für uns umfangreicher und aufregender. Das bleibt wichtig für uns. Denn wir müssen im Blick behalten, dass wir noch eine vielfältige Sendung für den Zuschauer täglich abliefern können.



Aber versteht ihr nicht, dass das bei den Fans einfach wieder als Fake ankommt?



Marco: Wir faken nicht. Wir tun das, was im Fernsehen normal ist. Wer bei "Voice of Germany" mitmachen will, kommt auch über eine Agentur dahin. Wer zu "Big Brother" möchte, geht am besten über eine Agentur. Egal wo, du kommst oft schon heute nicht mehr an Agenturen vorbei. Diese machen auch eine gute Arbeit - für uns, aber vor allem für die Bewerber. Denn nur wer vermittelt, verdient Geld. Agenturen wollen dich also unbedingt ins Fernsehen bringen. Und mit diesem Hintergrund, sollte man unsere Arbeit endlich auch richtig darstellen und nicht nur die negativen Dinge beleuchten. Ich muss mich hier auch mal schützend vor meinen Kolleginnen und Kollegen stellen.



Kate ist keine Rampensau, sondern ein Vorbild



Bitte, Du hast das Wort!



Marco: Talpa produziert viele gute Shows. Wir betrügen dabei nicht oder faken dem Zuschauer etwas vor. Wir tragen dazu bei, dass Menschen sehr gut unterhalten werden. Passieren Fehler, wird umgehend die Lehre daraus gezogen. Verstößt Personal gegen unsere Grundsätze, trägt der oder die Betroffene die Konsequenzen. Und zum Thema Agenturen: Oft suchen wir weiterhin die Leute selber, schreiben in Netzwerken oder auf der Internetseite Gesuche aus. Darin schreiben wir, dass das Alter egal ist, dass die TV-Erfahrung unerheblich ist. Egal ob dick oder dünn. Talpa macht Fernsehen für alle Zuschauer, mit allen Zuschauern. Wir sammeln also einen großen Pool an Interessenten. Dann suchen wir daraus spannende Menschen, die entsprechend zur geplanten Show passen. Klar, bei Newtopia ist es mal der Handwerker gewesen, der Student darf nicht fehlen, das aufgeweckte Mädchen kommt immer gut an, der erfahrende Mann, der im Fall von Newtopia, die Rolle als Vati übernimmt. Talpa geht es dabei nicht darum, die Auswahl der Kandidaten nach TV-Präsenz vorzunehmen. Nie ging es darum. Es geht auch nicht darum, dass Kandidaten nur eine Chance haben, wenn sie viele Erfahrungen in den Medien haben. Bei Kate war es nun einmal so, dass sie zuvor häufig im TV war. Macht das aus ihr einen anderen Menschen? Nein. Und sie ist der Liebling der Zuschauer geworden. Trotz ihrer schlimmen TV-Vergangenheit. (lacht)



Anja: Und wenn sich jemand jeden Tag für andere Mitmenschen abrackert, im Garten die harte Erde umgräbt, nur weil er angeblich ins Fernsehen wollte, dann hat er es auch verdient, ins Fernsehen zu kommen. Kate ist ein Mensch, der das Herz am rechten Fleck hat, sehr fleißig im Camp ist. Sie ist ein Vorbild und keine Rampensau.



Prüft ihr in Zukunft, ob jemand schon häufiger im TV gewesen ist?



Marco: Das macht ihr ja schon. (lacht)



Wir bedanken uns für das Gespräch!