„Wenn du nach Wasser gefragt hättest, oder nach etwas zu Essen, wenn du sie angesprochen hättest, sie hätten dich umgebracht einfach so.“ Das sagt der junge Mann aus Eritrea in die Kamera. Und es ist nur eine von vielen Geschichten, die Fishatsyon Hailu auf seiner Flucht von Eritrea nach Libyen und von dort nach Europa erlebt hat. Jetzt ist er angekommen und weiß, wie froh er sein kann, dass er lebt. Aber er weiß nicht, was jetzt passiert. Schlafen, Essen, Deutsch Unterricht, versuchen die Familie zu erreichen, Essen, Warten, Schlafen. So sehen die Tage von Fishatsyon Hailu aus Eritrea und Ghafar Faizyar aus Afghanistan gerade aus. Sie beide warten auf das weitere Verfahren ihres Asylantrags. Und beide begleitet die Hamburger Filmemacherin Carolin Genreith bei ihrer Ankunft im bayrischen Chiemgau. 

Zwei scheinbar unvereinbare Welten prallen aufeinander Die 50 Flüchtlinge, die in dem 5000 Seelen Dorf untergekommen sind, haben Geschichten zu erzählen, aber es gibt nur Wenige, die sich dafür interessieren, das zeigt der Film. Dabei haben sie Geschichten erlebt, die in diesem von Tradition geprägten Dorf niemand kennt. Da ist der 68-jährige Bauer, der gerne Urlaub auf den Malediven macht, der den Hof seiner Eltern weiter führt und im gleichen Haus lebt, in dem er geboren wurde. Was die Menschen erlebt haben, da ist sich auch das Dorf einig, ist völlig unvorstellbar. Und trotzdem bleiben diese beiden Welten, das traditionsreiche kleine bayrische Dorf und die Flüchtlinge, die von weit herkommen, einander fremd.

Die Dorfbewohner sind sich uneinig, wie mit den „Neuen“ umzugehen ist.

Ghafar Faizyar war in Afghanistan ein bekannter Filmemacher. Hier in Bayern ist er einer von den "Schwarzafrikanern", die „auf einmal da waren“, wie die junge Annemarie Bachmayer sagt, die zwar schon immer im Trachtenverein war, aber nicht mehr genau weiß, warum man Fronleichnam feiert. Was man jetzt tun sollte, da sind sich die Dorfbewohner uneinig. Mo, eine Junggebliebene mit Kraft und Ausdauer, versucht zu helfen wo sie kann. Andere befürchten von denen ausgenutzt zu werden, die nicht aus Kriegsgebieten kommen. Der Film schwankt hin und wieder zwischen oberflächlicher „sag doch mal was du denkst“- Mentalität und unter die Haut gehenden Geschichten von der Flucht, von den Familien zu Hause und der Frage, ob dieses kleine Dorf eines Tages mal zu Hause werden kann.

75 Minuten aus einem Dorf voller Tradition. 75 Minuten Heimweh.

Carolin Genreith hat es geschafft, eine Geschichte zu erzählen, die so in der öffentlichen Wahrnehmung und in der andauernden politischen Debatte nicht vorkommt. Es ist eine Geschichte, die einen erstaunen, aber auch Hoffnung schöpfen und an traurigen Schicksalen teilhaben lässt. Es sind 75 Minuten Momentaufnahme aus einem kleinen Dorf, in dem das „Preisplattln“ noch immer eine große Tradition ist. Aber auch Ghafar Faizyar und Fishatsyon Hailu können dem etwas abgewinnen und erinnern sich an die Traditionen der Heimat, die gar nicht so unterschiedlich seien. „Wenn ich das sehe, bekomme ich Heimweh.“ sagt Fishatsyon Hailu während sich die Tänzerin mit ihrer traditionellen Tracht unzählige Male um ihre eigene Achse dreht.

Am Ende hofft man, dass Ghafar Faizyar und Fishatsyon Hailu eines Tages wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Doch so lange das nicht möglich ist, wünscht man den beiden, dass sie hier in Deutschland ihre neue Heimat finden.

Die Doku „das Golddorf“ wurde am 27.7.2015 um 23 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist noch bis zum 3.8.2015 in der ARD Mediathek verfügbar.

 Foto: Heribert Pohl Lizenz: CC BY-SA 2.0 #Fernsehserien #Krieg #Terrorismus