Alles nur Fake! Die saufen da drin nur noch! Und die Kandidaten sind doch alle gekauft. Newtopia wurde mit vielen Vorwürfen überzogen. Die Kandidaten der Show müssen nach wie vor einiges an Kritik einstecken. Zeit die Pioniere endlich persönlich kennenzulernen. So machte ich mich als Besucherin auf den Weg nach Newtopia. Die Anmeldung erfolgte vorher über ein Redaktionsbüro von Talpa in Berlin.

Wer sucht, findet irgendwann Newtopia

Das Navi in meinem Auto sagte mir zur Newtopia-Adresse: „Ihr Ziel befindet sich auf der rechten Seite“ - aber da war nur Wald. Die neue Welt von Sat.1 liegt offenbar an einer nicht digitalisierten Straße.

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Eine Einwohnerin auf dem Fahrrad verriet mir, doch ein Stück weiter zu fahren, dann käme ich an. So war es dann auch. Es gibt zwei Sicherheitsschleusen, die man passieren muss, um überhaupt in die Nähe der Pioniere zu kommen. Zunächst das Haupttor mit einer Schranke. Das ist die reguläre Hausadresse von Talpa, die schon hier von Security bewacht wird. Das Personal ist überaus freundlich. Aber wer nicht auf der Liste steht, kommt trotzdem nicht rein. Ich war angemeldet und fuhr durch einen Waldstück auf das Produktionsgelände rauf. Dann nahm das Team von Talpa die anderen Besucher und mich in Empfang. Auch hier waren die Mitarbeiter hilfsbereit und sehr höflich. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gehabt, dass man nicht willkommen war. Vor mir waren schon Leute aus Hessen und Wolfsburg angekommen.

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Später kam sogar noch eine Frau aus Belgien, sie fuhr über sieben Stunden nach Newtopia und nahm sich sogar ein Hotel, damit sie nicht in der Nacht zurück fahren musste. Das sind echte Fans.

Vaddi und Enrico umarmen mich

Nach einer Stunde Wartezeit, wurden wir in Richtung Newtopia-Tor gebracht. Wir wurden etwa 30 Meter vor dem Tor vom Talpa-Personal verabschiedet. „Ab hier sind die Pioniere für euch verantwortlich.“ Auf dem Gelände mischten sich lediglich zwei Securityleute unter die Gäste, aber dies nur zum Schutz der Pioniere und als unsere Ansprechpartner. Vaddi und Enrico nahmen uns in Empfang. Enrico wirkte wie im #Fernsehen: norddeutscher Charme und mit treffendem Witz. Er ist ein eher kleinerer Mann, schätze ihn mal so auf 1,75 Meter. Alle umarmten uns. Dann kamen Nils und Kate. Auch sie umarmten uns.

Newtopia wäre mir viel zu klein

Ich dachte, warum knuddeln die uns alle ab? Das war aber keine Show. Man sollte es wirklich glauben, dass die Pioniere froh waren, mal andere Leute um sich zu haben.

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Monatelang sehen sie keine Familie, keinen Partner. Da tun Menschen von der Außenwelt sehr gut. Ich war etwas erschreckt darüber, dass alles viel kleiner in der Realität wirkt, als zu Hause am TV-Gerät oder Livestream. In der Kameraperspektive sieht zum Beispiel das Eingangstor viel größer aus, Wege und die Rasenflächen wirken im Fernsehen viel weitläufiger. Nils führte uns zum Teich, der in der Realität ebenfalls deutlich kleiner wirkte. Vika, Anne, Julica und Kate sorgten am Getränkestand für unser Wohl. Patric, Yasmin, Martin und Pia brutzelten die Bratwürste.

Schwätzchen mit dem großen Vaddi

Was mir auffiel war, dass die Teilnehmer der Sat.1-Show stets sehr nahbar waren. Man konnte einfach hingehen, ihnen die Hand schütteln und drauf los quatschen. Vaddi kam sogar auf mich zu und fragte neugierig, wo ich denn her komme. Im Gespräch verriet er mir, dass er in jedem Fall bis zum 28.02.2016 in Newtopia drin bleiben möchte. Auch wenn die Show verlängert werden würde, dann wäre es Zeit für ihn zu gehen. Talpa hatte mir vorher untersagt, Informationen aus Medien weiterzugeben. Deshalb sagte ich Vaddi nicht, dass Sat.1 eher die Show wegen mauen Quoten auf dem Kicker hat. Ich umschrieb Vaddi aber voller Hoffnung, dass da draußen viele Menschen große Fans von ihm sind und ich dazu gehöre. Vaddi lächelte. Übrigens, Vaddi ist zwei Köpfe größer als ich (1,68 Meter), würde ihn auf knapp 1,90 Meter schätzen. Ein großer Kerl.

Vika ist die Supernanny von Newtopia

Viccy und Vika mischten sich auffallend oft unter das Volk. Sie suchten sichtlich den Kontakt zu ihren Gästen. An Vika fand ich sehr bemerkenswert, dass sie sich um ein Kind, einen kleinen Jungen, der auch zu Gast war, intensiv kümmerte. Sie kitzelte ihn und spielte mit ihm in der Hängematte. Das waren rührende Momente und zeigten eine ganz andere Vika. Sie wünsche sich auch Kinder, sagte sie, doch ihr fehle der passende Mann. Vika hatte bisher das Image einer Schminkpuppe. Ich sehe sie seit dem persönlichen Treffen mit ganz anderen Augen. Sie ist eine gepflegte Frau, die ein sehr großes Herz für Kinder hat.

Yasmin gibt Einblicke in ihr Schlafzimmer

Viccy war ebenfalls fixiert auf die kleinen Zuschauer und lud das Kind zum Schaukeln in die Scheune ein. Dort trafen zwei Besucherinnen auch auf Anne, die real genauso wie im Fernsehen war. Ein wenig Ghettosprache, ziemlich laute Klappe, aber eine – sorry jetzt – coole Sau. „Los setzt euch mit euren Ärschen hier drauf, jetzt wird geschaukelt.“ Anne will man nicht zur Feindin haben, aber gern als Kumpel. Yasmin zeigte derweil ihr Schlafgemach. Auch die Scheune wirkte für mich dabei sehr klein. Bisher dachte ich als Zuschauer immer, dass sich doch jeder mal in seine Ecke zurückziehen kann. Dem ist definitiv nicht so. Man hörte jedes Geräusch in dieser Scheune. Privatsphäre gibt es dort nicht. „Das ist oft nicht einfach. Man muss sich hier mit den Mitbewohnern immer auseinandersetzen“, erzählte Yasmin. Mein Eindruck war, dass vieles in Yasmin vorging und sie sich momentan eher defensiv verhält. Für mich ist Yasmin nach meinem Gespräch mit ihr eine starke Frau, die versucht das Experiment für sich als Erfahrung zu nutzen. Übrigens, gestern Abend hatte Britta zu Viccy im Livestream gesagt, sie solle doch etwas leiser sein, da Vika schon schlafe und morgens früh raus müsse. Ich kann nun verstehen warum es ständig Diskussionen zu diesem Thema gab. Glaubt mir, man hört alles, wirklich alles in dieser Scheune. Schlimm für jemand, der Ruhe sucht.

Pia gibt guten Freunden gern ein Küsschen

Auch Pia überraschte mich positiv. Das Model aus einer Agentur, die noch nicht mal die Show kannte, hieß es über sie. Tatsächlich ist sie ein Model und sieht real auch wunderschön aus. Sie ist eine sehr große Frau, hatte eine makellose Haut und duftete besonders gut. Pia gab mir einen Kuss auf die Wange. Dabei dachte ich immer, sie wäre schüchtern. Sie half bei Martin am Bratwurst-Stand, der undankbarste Job. Pia machte das aber nichts aus. Mein Eindruck: Pia ist schon ein etwas zurückhaltender Mensch, versucht aber auf Menschen zuzugehen. Das Küsschen auf der Wange war zaghaft, aber eine sehr menschliche Geste gewesen. Ihr fiel es am Anfang sehr schwer, sich einzuleben, erzählte sie. Aber sie wolle das durchziehen. Derk hingegen ist quasi mit Newtopia schon eins. Er bleibe bis zum Schluss, komme was da wolle. Toll fand ich an ihm, dass er immer schaute, ob es den Gästen gut ging.

Kate und ihr Garten Eden

Kate zeigte uns Besuchern ihren Garten. Was ich dann erblickte, wurde so im Livestream nie richtig sichtbar. Kein Unkraut, die Erde perfekt geharkt, die Kräuter in Reih und Glied gesetzt. So einen perfekten Garten habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Und ich bin auf dem Land groß geworden. Kate erzählte mir, dass der Garten ihr Rückzugsort sei und sie die Arbeit dort ablenke. Sie verbringe oft sieben Stunden darin. Kartoffeln, Radieschen, Möhren, Salatköpfe, Lauchzwiebeln - es gebe kein Gemüse, was bei Kate nicht angebaut werden würde. Kate, das Model und die TV-Queen, wie Medien berichteten. Auch wir. Und das stimmte auch. Aber es gibt noch die andere Kate: Eine Frau, die dafür sorgt, dass stets frisches Gemüse aus dem Garten auf den Tisch kommt. Und dafür arbeitet Kate sieben Tage die Woche in Vollzeit. Respekt! Hilfe bekommt Kate von Britta. Die Hamburgerin war auch freundlich zu uns. Was ihre Ziele sind, verriet sie aber nicht.

Julica rappt dreist Werbung von sich

Auch während dem "Open-Steg"-Event war eine tolle Atmosphäre. Die Pioniere saßen mit uns zusammen am Teich und rappten einen witzigen Song. Julica machte dabei wieder Werbung für sich. Sie rappte, dass sie für Fitness und vegane Ernährung stehe. Also wirklich: Julica lässt keine Gelegenheit aus, um für sich zu werben. Gibt es auch Kritik? Leider ja. Das Suchtproblem scheint außer Kontrolle zu bleiben. Enrico verriet uns, dass man mit dem Rauchen aufhören wollte. „Was wäre ich sonst für ein Vorbild für meine Tochter.“ Nils wurde wohl schon wieder schwach und qualmt munter vor sich hin. „Von wegen ein Mann, ein Wort. Dem werde ich noch was erzählen“, schimpfte Enrico über Nils. Nur noch er und Julica wären die neuen Nichtraucher. Sorry, Enrico, aber Julica rauchte bereits schon bei den anderen Pionieren wieder mit, als wir Gäste noch auf dem Gelände waren. Alkohol war wieder überall zu sehen und auch zu riechen. Hier sollte Talpa, meiner Meinung nach, wirklich mehr aufpassen. Vaddi, so lieb er auch ist, hatte schon eine Fahne, die man roch. Nicht dolle, aber schon wahrnehmbar. Aus meiner Sicht wird zu viel Alkohol getrunken. Das ist ein Vorwurf, den ich wirklich bestätigen muss.

Kuriose Fakten und Fazit

Ein paar Eckdaten noch. Patric sollte vielleicht nicht mehr am Grill stehen. Die Würste waren ziemlich schwarz. Der Teich sei 1,80 Meter tief, man kann darin deshalb ohne Bedenken reinspringen. Es ist auch kein richtiger Teich, sondern ein Swimmingpool wurde zwischen Schilf eingelassen. Der Teich ist nicht wirklich groß und vergleichbar mit einem kleinen Gartenpool. Geldbeträge, die man ausgegeben hat in Newtopia, zum Beispiel für Getränke oder auf dem Markt, muss man im Anschluss des Besuches bei der Produktionsfirma melden. Denn das Finanzamt würde auch die Einnahmen der Pioniere prüfen. Es dürfen keine Fanfotos gemacht werden, was viele Besucher traurig stimmte.

Mein abschließender Eindruck: Ich habe mich sehr wohl gefühlt in Newtopia. Ich sehe die eigentliche Herausforderung bei diesem Experiment darin, dass 15 Menschen auf engsten Raum, ohne Rückzugsmöglichkeit, miteinander klar kommen müssen – 24 Stunden am Tag. Das zu schaffen, ist nicht einfach. Den besten Eindruck hatte ich persönlich von Vika bekommen, weil sie sich überaus aufgeschlossen zu allen Besuchern gegeben hatte und sich mit so viel Hingabe um die kleinsten Besucher gekümmert hatte. Auch Kate bescheinige ich abschließend, dass sie die Grundidee von Newtopia bereits perfekt umgesetzt hat. Denn sie versorgt die Gemeinschaft nachhaltig und gesund mit ihrem Gemüse aus ihrem Garten - und nicht mit Holland-Gemüse vom Edeka in Königs Wusterhausen. Da spielt es für mich keine Rolle mehr, wo sie mal im TV zu sehen war. Ich komme gern wieder nach Newtopia und sehe die neue Welt seit heute mit anderen Augen.