Hallo Menowin,

bevor Du ins „Promi Big Brother“-Haus gezogen bist, habe ich Dir schnell noch diese Zeilen geschrieben. Sag mal, was musste ich da im Sat.1 Interview sehen? Du möchtest also endlich, dass man den wahren Menowin kennenlernt und man soll Dich nicht immer nur als asozialen Schläger sehen, der bloß gut singt. Zugegeben, Deine Zeit im Gefängnis verfolgt Dich immer noch auf Schritt und Tritt. Man sollte sie wirklich endlich vergessen machen. Bloß warum lässt Du dann diese Pressefotos, wie in unserem Artikelfoto, von Dir machen? Gefällt Dir das so mit Handschellen und hinter einer Gefängniszelle, dazu ein charmantes Lächeln?

Die Leute vertrauen Dir nicht mehr

Ich meine: Die schlimme Zeit im Knast verkauft sich doch noch ganz gut und bleibt mit der Marke Menowin Fröhlich konsequent verbunden. Nur bist Du nicht verurteilt worden, weil Du schwere Typen in Notwehr zu doll verprügelt hast.

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Du bist wegen schwerer Körperverletzung verurteilt, bist aus Deinem Hafturlaub nicht zurück gekehrt, dann untergetaucht und hast noch gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Deswegen vertrauen Dir viele Menschen einfach nicht mehr.

Hör' auf Dir ein Image verpassen zu wollen

Asozial sollte man Dich nun wirklich nicht nennen. Du bist ein guter Vater, zahlst Deine Steuern und berührst Deine Fans mit der Musik. Du bist offenbar wirklich resozialisiert. Aber Menowin, Deine Straftaten bleiben nun einmal die Bürde, die Du ein Leben lang zu tragen hast. Man würde darüber auch nicht wirklich mehr sprechen, wenn Du Dich nicht weiterhin - neben der Musik - so stark in die Öffentlichkeit begeben würdest. Du willst gemocht werden und die Vergangenheit komplett vergessen machen. Das funktioniert aber nicht.

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Es wird Dir nicht gelingen, dass Image zu verändern. Nicht so. Böse Kommentare auf Facebook kann man löschen oder Trash-Shows in Sat.1 absagen. Beides fällt Dir schwer.

Isabell war Opfer in der Straßenbahn

Lass mich Dir daher eine Geschichte erzählen, um Deine Selbstzweifel zu zerstreuen. Ich bin seit 2010 Mitglied im Weisser Ring e.V.. Dieser setzt sich für Opfer von Verbrechen ein. Vor vier Jahren habe ich Isabell kennengelernt. Die 23-Jährige wurde Opfer einer Gewalttat, in einer Berliner Straßenbahn. Heute leidet sie immer noch an Depressionen und Ängsten. Sie geht nicht mehr aus dem Haus, kauert in ihrer Wohnung, nimmt Medikamente ein. Gewalttäter denken sehr häufig, mit einer Entschuldigung und Reue muss es doch irgendwann getan sein. Menowin, wird es nie. Glaube es mir.

Gewalttaten kosten viele Jahre danach noch

Dann sind da Kosten für Behandlungen: Psychotherapien und Tageskliniken verschlingen tausende Euro im Jahr. Bei Isabell kommen noch rund 200 Euro zusätzlich an Medikamenten dazu.

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Jeden Monat, seit fast vier Jahren. Und die seelische Belastung - darüber reden wir besser erst gar nicht. Opfer wie Isabell verstehen Deine Sorgen, als vermeintlicher Schläger auf Lebzeiten gebrandmarkt zu sein, nicht. Das kannst Du nicht wissen. Denn Menschen wie Isabell würden Dich nie öffentlich anprangern. Menschen wie Isabell posten auch nicht ihren Frust auf Deiner Facebookseite. Und sie schreien ihre Unzufriedenheit nie in Interviews heraus, so wie Du es machst. Opfer wie Isabell werden einfach mit der Zeit vergessen. So läuft das.

Du bist kein schlechter Mensch, nur vielen egal

Ein bisschen Zurückhaltung würde Dir, Menowin, deshalb sehr gut tun. Auch solche Bemerkungen, dass Du Dich mit allen in der TV-Show gut verstehen willst, begeistern Deinen Bewährungshelfer, aber nicht die Zuschauer. Die Menschen am Bildschirm wollen auch nicht wissen, wer Du wirklich bist. Weil, ja weil Du ihnen völlig egal bist. Das macht Dich nicht zu einem schlechten Menschen, nur einer muss es Dir mal so deutlich sagen. Mach damit einfach Deinen Frieden! Du hast nach Deiner Knastzeit eine weitere Chance bekommen. Isabell nach ihrem Überfall nicht mehr. Denk' mal kurz drüber nach.

Mit besten Grüßen

Herzlichst Marcel

Foto: Sat.1, Arne Weychardt #Fernsehen