Am 10. Oktober 2015 wurden bei RTLII die Popstars 2015 verkündet: Es sind Alena, Sabrina, Pati und Selina. Sie sind die neue Band LEANDAH, die bei Universalmusic unter Vertrag sind. Der ungünstige Sendeplatz am Vorabend war einem Quotendesaster geschuldet. Es war einst der ganz große Wurf für RTLII, glaubte man zumindest. "Popstars 2015" sollte dem negativen Image von Gesangshows - Dank Dieter Bohlen und seinem Mainstreamzirkus DSDS - wieder Niveau geben. Und wenn das jemand kann, dann doch wohl die Mutter aller Castingshows. Denn "Popstars" startete im Jahr 2000 mit einem überwältigenden Erfolg auf RTLII. Nach ihr folgten unzählige Shows dieser Art.

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Erfolgreiche Girlbands

Die Gewinnerband "No Angels", aus der ersten "Popstars"-Staffel im Jahr 2000, war eine der erfolgreichsten Mädchenbands in Deutschland. Auch "Monrose", die die 5. Staffel in 2006 für sich gewannen, hatten bis zu ihrer Trennung einen unglaublichen Erfolg und verdienten Millionen. Kein DSDS-Gewinner konnte je einen solchen Erfolg überhaupt nur im Ansatz vorweisen. Doch die Luft ist raus. Die Deutschen sind ermüdet vom Casting. Die Quoten fallen bei allen Shows. Nur bei RTLII ging der Absturz rasant. Nach nur drei Folgen reagiert man auf das Quotendilemma. Dabei ist die Produktionsfirma Brainpool daran nicht ganz unschuldig.

An der Jury lag das Desaster nicht

Zwar hat man mit Stefanie Heinzmann, selbst eine Entdeckung bei Stefan Raab in der Sendung "tv total", durchaus ein gutes Händchen gehabt.

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Heinzmann wirkte kompetent und war auf Augenhöhe mit den Kandidatinnen. Auch Miss Platnum ist zur Zeit nicht nur eine erfolgreiche Künstlerin, sie war mit ihrer direkten und sachlichen Beurteilung wichtig in der Jury. Und mit Bella Garcia holte man eine knallharte Tanzlehrerin, die schon an ihrer Berliner Tanzschule so manches heutige Talent performt hat.

Stargäste kamen nicht wegen der Kandidaten

Nein, das Problem war die fehlende Unterhaltung. Der Zuschauer wartete über eine Stunde, bis endlich mal die Auftritte kamen. Zwar hatte man prominiente Künstler zu Gast, wie Sarah Connor oder die kanadische Sängerin Carly Rae Jepsen. Doch statt diese Sängerinnen in die Sendung einzubinden, zum Beispiel als Gastjuror oder Coach, bewarben sie eher ihre Platte. Das ist okay, wenn mit dem Management nix anderes vereinbart worden ist. Nur was war der Mehrwert der Besuche für die Show? Es gab keinen.

Akademie war ein hässlicher Bau im Chemiepark

Dann versuchte man immer und immer wieder einen Zickenkrieg zu entfachen, der aber keiner war.

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"Wird die Gruppe daran zerbrechen?" oder "Werden heute die Mädchen versagen?" waren laufende Kommentare aus dem Off. Sorry, Zickenterror bleibt Heidi Klum und ihren Germanys next Topmodels überlassen. Zumal der "Streit" völlig belanglos war, aber über zwei Folgen ausgebreitet wurde. Auch veränderte sich die Location nie. Die vermeintliche Akademie war ein selten hässlicher Bau im Chemiepark Knapsack in Hürth (Nordrhein-Westfalen). Popstars-Flair kommt in so einer Gegend nicht auf. Und so zogen sich die Sendungen zäh dahin. Das wollte keiner mehr sehen. 

Bitter: Kein Live-Finale mehr

Die Quoten sanken zuletzt auf einen Marktanteil von 3 Prozent. Für RTLII sind solche Zahlen in der Zielgruppe indiskutabel. Und so wurden die "Popstars" am Samstagnachmittag schnell versendet und das Finale nicht mehr live übertragen, sondern eine Aufzeichnung gezeigt. Eine Neuauflage ist wohl ausgeschlossen. Nach 15 Jahren wird es "Popstars" nicht mehr in Deutschland geben. Nun muss man sehen, ob LEANDAH noch Potenzial daraus ziehen können. Ruhe in Frieden, liebe Castingshow.

Der neue Song "Tage wie Juwelen" von LEANDAH in voller Länge:

Fotos: Universalmusic, RTLII

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