Ach, was waren das noch für Zeiten. Damals vor 13 Jahren, als die erste Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" lief, hingen bis zu 12 Millionen Zuschauer am Fernseher. Daniel Küblböck, der schräge Vogel aus dem bayerischen Eggenfelden, traf keinen Ton und legte sich deswegen mit der ganzen Nation an. Unvergesslich bleibt sein Satz an die kritische Jury: "Der Wald wäre stumm, wenn nur die begabtesten Vöglein singen dürften." Er brach in Tränen aus, als seine Freundin Gracia, auch Kandidatin, von den Zuschauern gefeuert wurde. Der Heulkrampf ließ ein überfordertes Moderatorenduo auflaufen. Live! Der Saal rief "Buuuuhhhh, Beschiss!". Der Rauswurf einer Gracia brachte RTL um 0:10 Uhr nicht mehr unter Kontrolle.

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Über 5 Millionen Menschen waren da noch am TV-Gerät. Immer noch live!

Songquiz: Ähm, Lieder der DSDS-Sieger?

Und danach? Küblböck wurde Millionär, die Show zum Einheitsbrei. Entscheidungshows wurden zuletzt vom Parkplatz(!) in Köln-Ossendorf übertragen. Kandidaten waren immer derselbe Verschnitt, konnten meist mal einen Ton treffen, aber genützt hat es ihnen kaum. Songquiz: Nenne spontan einen DSDS-Superstar, von dem Du im letzten halben Jahr einen Song gehört hast? Eben. Nicht mal die Jury hält sich lange am Bildschirm. Nur der Dieter ist und bleibt der Star. Dieter, Dieter! Doch dann passierte es: RTL hat dem Poptitan wohl die letzten Quoten der 12. Staffel um die Ohren gehauen. Deshalb verkauft uns Dieter die 13. Staffel unter Motto: Musik, die keine Grenzen mehr kennt.

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Dass sich dem gemeinen Zuschauer einfach nur bei den stets gleichen Coverversionen der Magen umdrehte und deshalb Änderungen nötig waren, verschweigt Bohlen. Die Heuchelei nahm aber Paradiesvogel Walter Zauner aus Wien beim Wort. Walter - mit Künstlernamen "Voldo" - ist nicht nur ein netter "ich bin mal hier der Dragqueen-Verschnitt für die aktuelle Staffel". Nö! Voldo ist einer, dem nichts peinlich ist - und das auch noch sehr gut.

Lieber nicht jugendfrei als Ohrenschmerz

Seine Hommage an Marilyn Manson ist köstlich (Titelbild). Das Video wurde vor vier Jahren wahrscheinlich im Keller eines Mehrfamilienhauses gedreht, die Kleidung aus einem Erotikversand günstig erworben und die Perücke... naja. Aber es ist ein Erstwerk, ohne Geld für die Produktion und eine Verbeugung vor einem Künstler. Voldo trifft mehr Töne, als Dieter sie in allen Modern Talking-Songs zusammen je getroffen hatte. Die Musik von Voldo funktioniert auf jeder Party mit und ohne Dragqueen, bleibt unterhaltsamer als der Quark von Severino Seeger (Gewinner 12.

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Staffel) oder der Ohrenschmerz von Mehrzad Marashi (Gewinner 7. Staffel), deren Markenzeichen ein Herrenhut war. Bei Voldo ist es nackte Haut, wilde Küsse und frivole Posen. Voldo ist die Rettung für die RTL Castingshow. Weil endlich einmal ein Individualist daher kommt.

Mr Poptitan war schon mal schlagfertiger

Der nächste Shitstorm ist dem armen Voldo sicher. Doofe gibt's halt immer. Aber seine Auftritte (Bild 2) sind genial. Dieter fand es eher lustig und außergewöhnlich. Gähn! Moderator Oliver Geissen, der erst in den Eventshows das Sagen hat, hätte nach dem Gehopse und Gesang irgendeine Zote raus gehauen. Darauf hätte Voldo Geissen mit Sicherheit einen Anmachspruch an den Kopf gehauen. Bohlen aber ist einem Kunstobjekt wie Voldo nicht mehr gewachsen oder kann es einfach nicht mehr sehen. Wurscht! Man nimmt dem Kandidaten den Zirkus ab. Voldo wird wohl nie Superstar werden. Die RTL-Show kann Voldo aber in Sachen Bekanntheit nützlich sein. Es geht um Unterhaltung und Quote. Also, Voldo, heiz' der Show richtig ein. Weiter in dem RTL-Castingspektakel ist der Wiener Boy in Drag schon mal. Soll ja nicht wieder langweilig werden bei #DSDS. Come on, Baby!

"Deutschland sucht den Superstar" startet am 2. Januar 2016, um 20:15 Uhr bei RTL.

Foto: Voldo Videostream, RTL/Stefan Gregorowius #Fernsehen #Dieter Bohlen