Mein lieber Achim,

als ich heute die Nachricht von Deinem Tod erfahren habe, kamen neben tiefer Trauer sofort Kindheitserinnerungen hoch. Ich weiß noch, wie mir meine Oma erzählt hat, dass Du damals aus der DDR geflohen, aber dann wieder zurück gekommen bist. Das war in den 70er Jahren. Als Republikflüchtling musstet Du kurze Zeit ins Gefängnis. Deiner Popularität hat das nie geschadet. Wir schauten nach Deiner Freilassung oft Deine Auftritte mit Nina Hagen, später Deine Konzerte. Den Durchbruch hast Du als DDR-Staatsfeind erst zu Wendezeiten erfahren. 1989 startete Deine gleichnamige Hitparade beim DFF und später im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).

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Man musste die Volksmusik nicht mögen, um Dich zu lieben.

Freundschaft mit Oliver Kalkhofe

Und Du konntest über Dich lachen. Als Dich Oliver Kalkhofe in seiner Satire "Kalkhofes Mattscheibe" persifliert hatte, warst Du entzückt darüber. Kalkhofes Späße waren derbe, aber Du nahmst es mit Humor. Euch verbindete bis zu Deinem Tod eine Freundschaft. Das war es, was die alten Ossis, wie ich einer bin, aber auch die Menschen in den alten Bundesländer an Dir lieben gelernt haben. Du hast Dich trotz Erfolg nie wichtig genommen. Du warst Dir nie zu fein, zu Eröffnungen von Einkaufszentren zu fahren. Nicht weil Du es nötig hattest, sondern weil Dir der Kontakt zur Fanbase immer wichtiger war. Roter Teppich war nix für Dich. Du warst ein Typ zum Anfassen, für das Volk, für die Fans. 

Für den MDR zu alt - Dir war's egal

2006 hat der MDR Deine Show eingestellt.

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Man wollte hipper werden und setzte den Stammzuschauern den dynamischen Florian Silbereisen vor die Nase. Du hast sowas nicht diskriminierend aufgenommen. Für den MDR zu alt, aber Dir war das egal. Der MDR konnte nie wieder den Erfolg einfahren, den er mit Dir hatte. Siehste. Du hast Deinen MDR-Ruhestand genossen, hast Dich bei RTL "Let's Dance" köstlich amüsiert und das Tanzbein geschwungen, warst gern in Talkshows zu Gast oder hast in anderen Unterhaltungssendungen für viele Lacher gesorgt. Ich bin mit Dir groß geworden und war immer ein Fan von Dir.

Mein letztes Treffen mit Dir in Bernau

Zuletzt haben wir uns in Bernau, einer Stadt bei Berlin, getroffen. Du warst dort zu Besuch in den Bahnhofspassagen. Du hast für uns gesungen und wir haben danach noch kurz gequatscht. Damals habe ich Dich gefragt, ob Du denn ohne die große TV-Bühne glücklich wärst. Du hast gemeint, Du bist zwar eine Rampensau, aber die große Bühne war Dir nie wichtig. Du wolltest einfach nur die Leute unterhalten. Und das hast Du geschafft, bis zum letzten Tag in Deinem Leben. Ich danke Dir für die gute Unterhaltung. Rock' den Himmel da oben. Du wirst hier unten fehlen...

Dein Marcel

Oliver Kalkofe und Achim Mentzel verbindete eine gute Freundschaft:

Foto: WDR

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