Es gibt Kandidaten, die tun einem fast leid, wenn sie zwei Minuten im Kakerlaken-Bad zur Dschungelprüfung ausharren müssen. Und es gibt Kakerlaken, die es nicht verdient haben, nur eine Minute mit Helena Fürst verweilen zu müssen. Die 41-jährige Fürst soll Kandidatin bei "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" sein. Sie passt in das Format wie keine andere. Sogar die Bundesagentur für Arbeit, der die Jobcenter unterstehen, wünscht sich aus tiefster Schadenfreude, dass die selbsternannte Anwältin der Armen am besten gleich im Urwald bleibt. Ever.

Helena gnadenlos gerecht

Die staatlich geprüfte Betriebswirtin Helena Fürst hat im Jahr 2008 beruflich den falschen Weg gewählt. Irgendwie frohlockte das schnelle Geld von Sat.1 und sie gab sich für das Format "Gnadenlos gerecht" her. Die Doku-Soap verdrehte wissentlich falsch den Alltag von Jobcenter-Ermittlern, die angeblich gern Sozialschmarotzer und faule HartzIV-Bezieher observierten. Helena filmte heimlich mit ihrer Videokamera, wie ein "Hartzi" in seiner Freizeit BMW fährt oder sich eine arme Familie die Einbauküche wohl nur durch Beschiss besorgen konnte (Quelle: Best Of "Gnadenlos gerecht"/ProSiebenSat.1). Die widerliche Hetzjagd auf Menschen kam bei Sat.1 von den Quoten her gut an, allerdings nicht im Jobcenter Offenbach, für das Frau Fürst arbeitete. Denn die dämliche Soap stellte Mitarbeiter wie Spitzel dar. Helena fand's cool, wenn zum Ende der Sendung David Bowies "Heroes" im Abspann gespielt wurde (Quelle: "Gnadenlos gerecht").

Superweib: Sie rannte jede Automatik-Tür ein

Dann wechselte Helena Fürst die Arbeitsstelle und war fortan die Anwältin der Armen bei RTL. Sie wurde die Frau für das Grobe (Bild 2). Das Jobcenter ahnte, dass sie ihre Ex-Mitarbeiterin wohl nicht so schnell loswerden würde. Und so kam es. Fürst rannte mit Kamera-Teams unangemeldet die Automatik-Türen im ostdeutschen Jobcenter Märkisch-Oderland ein. Dort schrie sie rum, dass die völlig überlasteten Amtsträger mit Absicht diese Mutter mit Kindern hungern ließen. Kameraschwenk auf die überforderte Mutter. Und immer wieder war Helena im Bild und sah dabei viel besser aus. Irgendwann kam RTL auf die Idee, das Format auszubauen und in "Kämpferin aus Leidenschaft" zu taufen. Damit konnte die Bloßstellung auf alles und jeden ausgeweitet werden - Unterhaltsverweigerer und prügelnde Ex-Freunde. Helena hielt rücksichtslos die Kamera drauf.

Gemecker wie in der Jobcenter-Eingangszone

Inzwischen zeigte sich RTL reumütig. Man stellte 2015 die Sendungen mit Helena Fürst wegen mauen Quoten ein und lud die Trash-Anwältin, wohl unter einem Vorwand, in den Dschungel ein. Dir sei verziehen, liebes RTL. Gut gemacht. Die Gage für Fürst dürfte zwar überdurchschnittlich sein. Aber dafür bekommen die Zuschauer nun die Chance, sich an Frau Fürst zu rächen und sie in die fiesesten Prüfungen zu wählen. Wenn's schlecht wird, dann am besten täglich. Und wahrscheinlich wird Helena Fürst, so ist sie halt, auch bei Sonja, Daniel und Dr. Bob wie in der Eingangszone vom Jobcenter meckern: "So schon mal gar nicht! Ich komme wieder..." Genau, zur nächsten Dschungelprüfung nämlich.

Foto: RTL Stream / Montage+Text Blasting News #Dschungelcamp #Fernsehen