Nein, wir haben uns nicht vertan. Richtig ist: Offiziell startete Sat.1 den Ableger der niederländischen TV-Show Utopia erst am 23. Februar 2015, um 19 Uhr. Hier ging #Newtopia auf Sendung. Der Einzug der Kandidaten war jedoch schon eine Woche davor. Heute genau vor einem Jahr, am 17. Februar, zogen 15 Bewohner auf ein Stück Land im brandenburgischen Ort Zeesen, bei Königs Wusterhausen (in der Nähe von Berlin).

Eine Woche früher On Air

An diesem 17. Februar gingen die Kameras On Air. Das war wichtig, um den Zuschauer vor dem eigentlichen Start mit viel Bildmaterial anzufüttern. "Akte 2015" oder das "Sat.1-Frühstücksfernsehen" berichteten bereits vorab aus Newtopia und über die Idee, eine neue Gesellschaftsform zu gründen.

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Das interessierte auch die Zuschauer. Denn zunächst startete das Format mit einem ordentlichen Marktanteil, kratzte sogar an der 20 Prozent Marke. Für Sat.1 ein grandioser Wert.

Verlust im Sat.1 Vorabend, Zuwachs auf Facebook

Doch schnell verlor die Show bis zu eine Million Zuschauer, was ärgerlich, aber nicht ungewöhnlich bei neuen TV-Sendungen ist. Das Problem: Die Quote sackte immer weiter ab und pendelte sich bei 6 Prozent Marktanteil ein. Zu wenig. Die neue Welt schien nicht jeden wirklich zu reizen. Mag es einerseits daran gelegen haben, dass sich die Protagonisten mehr um den Einkauf bei REWE scherten und ihr 5.000 Euro Startkapital auf den Kopf klopften? War die neue Welt eigentlich nur ein Pfadfinderlager? Andererseits erlebte die Show eine unfassbare Eigendynamik auf Facebook.

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Fangruppen entstanden und auch der kostenpflichtige Livestream wurde 24 Stunden in Fangruppen dokumentiert.

Der Eingriff von Talpa in den Verlauf der Sendung

Doch das reichte nicht, um die teuren Kosten der Produktion zu refinanzieren. Und so machten die Verantwortlichen der Produktionsfirma Talpa einen folgenschweren Fehler. Sie griffen in das Format ein, gaben Anweisungen und versuchten den Verlauf der Sendung - mit Blick auf die sinkende Quote - zu beeinflussen. Das Ganze wurde "aus Versehen" im Livestream übertragen. Die Presse richtete über die TV-Show, was den damaligen Sat.1 Geschäftsführer Nicolas Paalzow unter Druck setzte. Auch Werbekunden nahmen Abstand von dem Format. Der größte Mobilfunkkonzern Deutschlands, Telefonica, bestätigte uns damals, die Sendung in Zukunft zu meiden. 

Nachbeben: Jeder Ersatz für Newtopia ein Desaster

Am 24. Juli 2015 ließ Paalzow das Format einstellen, nur eine Woche vorher gab er dies der Produktion bekannt. Auch die nachfolgenden Sendungen floppten, fuhren noch miesere Quoten ein.

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Selbst die Dailysoap "Mila" lief zu ihren besten Zeiten schlimmer, als Newtopia zu seinen schlechtesten Zeiten. "Mila" wurde auch abgesetzt. Paalzow trat zurück, da er den Sat.1-Vorabend nicht in den Griff bekam. Die ehemaligen Pioniere der Show zeichneten sich besonders durch den Umgang mit den Fans aus. Denn neben Treffen mit den Zuschauern, ließen die Kandidaten ihre Anhänger weiterhin an ihrem Alltag teilhaben. Auf Facebook entstanden Freundschaften zwischen Fans und Protagonisten. Viele halten heute noch.

Gleich nebenan: Utopia in den Niederlanden ein Hit

Im Ausland läuft Utopia nach wie vor überaus erfolgreich. Die neue Welt in den Niederlanden ist durchaus kommerzieller geworden. So werden Musikevents mit angesagten DJs veranstaltet und täglich gibt es Touristenführungen über das Gelände. Letztlich aber dient es dem Einkommen der Bewohner dort. Liebeleien entstanden, richtige Paare auch. Und wer weiß, dass erste Utopia-Kind lässt nicht mehr lange auf sich warten. In Deutschland hat man das Format endgültig aufgegeben. Die Idee von Newtopia auch. Und trotzdem sorgte Newtopia, neben Big Brother, wie kein anderes Reality-Format im letzten Jahr für große Aufmerksamkeit. Ruhe in Frieden, liebes Newtopia.

Foto: Sat.1

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