Borris Brandt, seines Zeichens langjähriger Geschäftsführer von Endemol Deutschland (2001-2008) und ausgewiesener TV-Experte. Der 55-Jährige Hamburger stand Holger Guderitz Rede und Antwort. Lesen Sie heute Teil 1 des Gesprächs.

 

Holger Guderitz: Borris, welche Socken hast du heute an?

Borris Brandt: Happy Socks, Limited Edition, Japanese Spring, ein Geschenk einer Freundin aus Köln, der ehemaligen VIVA-Macherin Esther.

Die Frage kommt nicht von ungefähr. Du bist auf Facebook sehr aktiv, postest täglich Fotos aus deinem Leben, dazu die beliebten Filmchen aus „Hochformatfilmhausen“. Du bist auch nach deinem Rückzug aus dem TV-Geschäft immer noch sehr kommunikativ. Vermisst du das Buisness?

Jein! Ich vermisse die aktive, schnelle, teamgeistgetragene, kreative, mutige und vor allem Inhalts- und ideengetriebene Zeit. Eine Idee haben, begeisterte, mutige, kreative Supporter finden, gemeinsam entwickeln und produzieren und dann Erfolge und Niederlagen feiern, analysieren oder eben betrauern. Wunderbar.

Wie kam es denn eigentlich zu der Idee "Hochformatfilmhausen"?

Hochformatfilmhausen ist eine Idee aus meiner Präsentation für Axel Springer vor 6 Jahren...es ging darum zu zeigen, wie man in der Zukunft als Zeitung und als Verlag die Medien verbindet und Onlinewertigkeit,  Anfassbarkeit und Individualität produziert. Eben mit Gesichtern und die sind im Hochformat. Die hohen Herren in Berlin haben erst gestaunt, dann verstanden und sich dann alles von den Verschlimmbesserern zwei Etagen tiefer wieder ausreden lassen. Dann hab ich mit Hochformatfilmhausen angefangen und siehe da , keine drei Jahre später haben sie es dann doch umgesetzt. Gute Ideen sind immer der natürliche Feind mieser Manager. Übrigens gab es auch eine weitere Idee zum Thema Bewegtbildevent , die ich für die entwickelt habe: The White Room...

"The White Room"... das erinnert mich spontan tatsächlich etwas an eine Sache bei "#Big Brother ". Aber zu dem Thema kommen wir noch. Was verbirgt sich denn hinter der Bezeichnung "The White Room"?

Das ist ein Reality Spektakel was deren Online Abonnentenzahl verdoppelt hätte. Auch hier wurde es von oben in den Bereich gegeben, die dann aus einer total eigenständigen Weltneuheit eine ordinäre Datingshow machen wollten, um ein "me too" Datingportal der völlig uninspirierten Art zu pushen, was sie zu verantworten hatten. Wahnsinn. Ich ärgere mich heute noch darüber, mit welcher Überzeugung total ahnungslose, völlig unerfahrene Bewegtbild und Unterhaltungslaien da handeln durften. Politik und keine Zeit für professionelle Führung schlägt Inhalt und das bei DEM Laden für Inhalte. Aber, mein Trost, genau wie beim Hochformatbewegtbild werden sie es irgendwann merken,- oder beim Fachmann fragen.

"Mensch Gottschalk war kein Abholfernsehen"

Viele kennen dich ja noch aus deiner Zeit bei Endemol, dem Macher großer Events und Sendereihen wie „Big Brother“. Das du quasi der Vater von Big Brother Deutschland bist, ist ein offenes Geheimnis. Verfolgst du die deutsche TV-Szene noch?

Ja, oft unter Schmerzen und beim Quotenraten werde ich zunehmend schwächer. Ich verstehe weder diese ganzen völlig lieb und herzlosen Schnellschüsse, noch das verschwinden des Handwerks. Nehmen wir die neue Gottschalk Show. Haufenweise Experten und ein Top-Moderator am Start. Sie haben eine feine Startidee, cold opening und Tatorttäter verraten, sie haben gute Themen und eine Stunde läuft tiptop. Aber dann: Ideenlose Klischeethemen, altes Zeug, Langeweile und vor allem ab 21:45 Uhr, also wenn 8 Mio. Zuschauer nach dem Tatort noch mal zappen, gar kein Abholerfernsehen. Ich sitz dann fassungslos vor der Kiste. Oder dieser völlig sinnlose Joko und Klaas Hype. Nette Jungs, aber seit Jahren nur eine Aneinanderreihung von Effekten ohne jegliche Entwicklung und Ziel. Keine klaren Rollen, keine Storylines, nix.

 

Lesen Sie morgen im zweiten Teil:Das macht Borris Brandt heute, warum er die neuen Shows von ARD und ZDF nicht gut beurteilt und: Big Brother - Eine persönliche Abrechnung. #Fernsehen #Newtopia