Als Stefan Raab sich von der Fernsehbühne verabschiedete ahnten viele: Diese Lücke wird ProSieben nicht so schnell schließen können. Allein der Versuch ist aller Ehren wert, sollte man meinen. Oder auch nicht…

Das Konzept des ,,Auswärtsspiels‘‘ ist schnell erklärt. Über 5300 Kandidaten hatten sich laut Sender für eine Teilnahme beworben. Immerhin gab es 100.000 Euro zugewinnen. Das große Los zog Markus Berthes aus dem 4500-Seelen-Ort Wöllstein in Rheinhessen. Gedreht wurde nicht im Studio, sondern beim Kandidaten zu Hause. Und der wusste natürlich vorher nix. Die Ehefrau saß sicher rein zufällig mit Fönfrisur und Blaser und voll geschminkt vor dem Fernseher in dem tadellos aufgeräumten Haus. Aber geschenkt! Es sitzen eben doch nicht alle Menschen abends in Jogginghose vor der Glotze. Geschenkt auch, dass wohl der eine oder andere Zuschauer vor dem Fernseher ein gewisser Neid überkam, beim Anblick des hochmodernen Wohnhauses der Familie. ,,Das ist doch ein Palast‘‘ bemerkte Kommentator Frank Buschmann.  So wirklich nötig haben die Kandidaten die Kohle eher nicht, hat sich da wohl manch einer gedacht.

Schwerer als da alles wiegt, was in den darauffolgenden 250 Sendeminuten folgte. Das blanke Chaos und eine Stimmung irgendwo zwischen Familienfeier und Big Brother-Sendung. Die Moderatoren Palina Rojinski, die von irgendeinem Kostümbildner in ein Abendkleid mit XXL-Ausschnitt gepresst wurde und #Elton, der gewohnt tapsig und gelegentlich unorientiert durch die Gegend lief. Müssen Moderatoren wirklich mit verblüffter Mine vor dem Großbildfernseher der Gastfamilie stehen bleiben und voller Begeisterung rufen ,,guck mal, wir sind im Fernsehen‘‘. Musste Frau Rojinski wirklich alle fünf Minuten erwähnen, was für ein riesiger Aufwand für die Sendung betrieben wurde? Und muss ein Moderator vor Begeisterung quietschen wie ein Kleinkind, wenn er feststellt, dass der Sender doch tatsächlich eine Seilkamera mitgebracht hat?

Die Moderatoren als Chaos-Trupp

Moderatoren sollen eigentlich durch die Sendung zu führen. Heißt: Die Spiele in Ruhe erklären und ganz allgemein für eine gewisse Ruhe und Ordnung zu sorgen. Nichts von alledem gelang dem Moderatoren-Duo in diesem Fall. Stattdessen quatschten permanent alle durcheinander. Die Moderatoren redeten entweder gar nicht oder beide gleichzeitig und die Spiele wurden zwar irgendwie erklärt, aber dank mangelnder Souveränität hörte keiner richtig zu.

Fast zur Nebensache wurde, dass der Kandidat in  neun verschiedenen Spielen gegen jeweils einen Prominenten antrat, Lilly Becker, Thore Schölermann oder Guido Cantz. Der Familienvater gewann einen Fernseher, einen Reise-Gutschein, einen Musical-Besuch, einen Motorroller, sieben Fahrräder, eine Spielekonsole und jede Woche einen Kasten Bier frei Haus. Und natürlich die 100.000 Euro.

Das Fernsehpublikum hatte offenbar genügend Zeit nebenbei in den sozialen Medien fleißig das Geschehen zu kommentieren. „Guido Cantz wird gleich verkünden, dass das #Auswärtsspiel nur ein Streich von Verstehen Sie Spaß? Ist“, vermutet einer. „Irgendwo sitzt Stefan Raab und schaltet jetzt zum #Supertalent“, meint ein anderer. „Es ist ein Experiment!“ reagiert Frank Buschmann via Twitter auf.

Appell an die Senderchefs

Ja, und genauso hat die Sendung leider auch gewirkt.

Liebe Senderchefs: Mal so ganz allgemein gesprochen. Mut zu neuen Konzepten in allen Ehren, aber bitte: könnt ihr in Zukunft qualifizierte Moderatoren für eure Sendungen buchen?! Menschen, die mit Souveränität und intelligentem Witz durch eine Sendung führen und das Chaos in den Griff bekommen, statt es zu vergrößern? Hört auf ständig weibliche Moderatorinnen in turmhohe High Heels und hautenge Kleider zu quetschen. Das lenkt auch nicht von mangelndem Moderationstalent ab. Und Lieber Stefan Raab: Wir vermissen dich! #ProSieben #Das AUswärtsspiel