"Wir sind der Auffassung, dass die Grundversorgung auch von einer Fernsehanstalt geleistet werden könnte", sagte Seehofer in einem Interview mit der "Bild am Sonntag".  Er wolle dies auch im neuen Grundsatzprogramm der CSU verankern. Der Hauptgrund für diesen Schritt seien die Doppelstrukturen, die mit einer Zusammenlegung von ARD und ZDF beseitigt werden sollen. Diese Aussage passt ins Bild, denn #Seehofer kritisierte in letzter Zeit immer öfter den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dabei scheint er aber dem "Zuckerbrot und Peitsche - Prinzip" zu folgen. Am Anfang des Jahres bezeichnete er das (von ihm so oft kristierte) ZDF als „Aushängeschild für erstklassigen Journalismus“ und beklagte sich im gleichen Atemzug über die Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks (BR). 

Was bringt ein Zusammenschluss?

Das Zusammenlegen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks scheint fast unmöglich.

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So würden zwar auf langfristige Sicht Kosten gespart und Doppelstrukturen beseitigt werden, aber unzählige Arbeitsplätze würden verloren gehen. Außerdem würde die Programmvielfalt leiden und neue Shows und Sendungen hätten weniger Chancen, sich im deutschen Fernsehmarkt zu etablieren. Auch der Fakt, dass sich die ARD und das ZDF deutlich unterscheiden spricht gegen einen konsequenten Zusammenschluss. Die Meinungsvielfalt im deutschen Fernsehmarkt muss bewahrt werden. Aber warum möchte Horst Seehofer das dann? Darüber kann man nur spekulieren. Ein entscheidender Punkt könnte aber die Kritik sein, die ihn immer häufiger trifft. Für viele Satire-Sendungen ist Horst Seehofer alias "Pirouetten-Horst" (aufgrund seiner schnellen Meinungsänderungen) zur verbalen Zielscheibe geworden. Die Diskussion über die Zusammenlegung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stützt sogar die These des "Pirouetten-Horst".

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Im Frühjahr wurde nämlich öffentlich, dass Horst Seehofer seine Aufgabe im Verwaltungsrat des ZDF vernachlässigt. In vier von sechs Sitzungen sei der Stuhl von Horst Seehofer leer geblieben.

Wie geht es jetzt weiter?

Es wird (auch auf langfristige Sicht) sicherlich nicht zu einer vollständigen Zusammenlegung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kommen. Dazu sind die Hürden zu hoch und die Gegenargumente zu gravierend. Das findet auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Frank Überall. "Ein solcher Vorstoß würde auf jeden Fall zu einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht führen", sagte Überall der Deutschen-Presse-Agentur (dpa) am Sonntag. Trotzdem könnte diese Debatte einen Denkanstoß ins Rollen bringen und zu einer erhöhten Zusammenarbeit von ARD und ZDF führen. Zwei verschiedene Sender mit einer hohen Programmvariabilität, aber dem gemeinsamen Bildungsauftrag. Denn beide Sender haben mit dem Ärger der Bevölkerung zu kämpfen. Viele Menschen halten nämlich die GEZ - und damit die finanzielle Grundlage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks - für überflüssig.

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Mit qualitativ hochwertigen Sendungen und einer unabhängigen (!) und breiten Berichterstattung könnte sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in dieser Krisenzeit klar distanzieren und wieder zu altem Ruhm zurück finden. Das funktioniert nicht mit einer versteiften Zusammenlegung, sondern mit einer flexiblen Zusammenarbeit von ARD und ZDF. #TV