Was ist der „Stein der Weisen“?

Spätestens seit Joanne K. Rowlings erfolgreichem Fantasyroman hat jeder was von dem sagenumwobenen „Stein der Weisen“ gehört. Der Sage nach sollte der Besitzer dieses magischen Gegenstandes nicht nur über Reichtum verfügen, sondern auch Herr über Leben und Tod sein. Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter diesem Mythos?

Das Elixier des ewigen Lebens

Lapis philosophorum ist die lateinische Entsprechung für den Stein der Weisen. Damit bezeichneten die Alchemisten des Mittelalters die sogenannte Ultima Materia (Azoth), eine Art flüssiges Elixier, mit dessen Hilfe der Adept (Eingeweihter der esoterischen Geheimlehren) in der Lage sein sollte Gold aus jedweder Materie herzustellen und obendrein Jugend und ewiges Leben zu erlangen.

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Natürlich konnte diese physikalische Transformation in der Wirklichkeit nie stattfinden. Aber in der Wahrheit ging es für diese Universalgelehrten gar nicht um das Erlangen von irdischen Reichtümern, sondern um die Häufung ihrer wissenschaftlichen Kenntnisse und um die Erkenntnis der letzten Wahrheit - Gott. Hinter der Wunschvorstellung Gold aus einfachen Materien wie Stein und Eisen erschaffen zu können, steckte eine tiefere Symbolik. Das noch „unfertige“ mit Schwächen und Fehlern behaftetes menschliches Wesen (analog zum groben, schwerfälligen Stein) soll sich durch schrittweise moralische Entwicklung, infolge der Sublimation dieser Schwächen und Anhäufung spiritueller Kenntnisse, verfeinern und zur Erleuchtung gelangen: Also die Transmutation des Grobstofflichen zum Feinstofflichen. Damit war das eigentliche Ziel gesetzt.

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Nur durch die langsame Adaption der hohen göttlichen Ethik kann der Mensch je in der Lage sein, sich aus dem Reinkarnationszyklus zu lösen, seinen Geist zu befreien und damit nun wirklich der wahrhaftige Besitzer des ewigen Lebens werden.

Das Missverständnis um die Bedeutung des Zaubertrankes

Allerdings befanden sich die Alchemisten in einer ständigen Zwickmühle. Einerseits waren diese frühen Wissenschaftler auf die Unterstützung der mächtigen Geldgeber angewiesen, um ihre Experimente in gut ausgerüsteten Labors ausführen zu können. Andererseits verloren viele „Magier“ durch den Irrglauben ihrer mäzenatischer Förderer ihr Leben, wenn irgendwann die Geduld der Herrschaften platzte; da diese ja felsenfest davon überzeugt waren, durch die Zauberkünste noch mehr Reichtum anhäufen zu können. Schnell veränderte sich dann das anfängliche Wohlwollen eines Mäzens, wenn die heiß erwarteten Resultate nicht demonstrierbar wurden, in bösartige Verleumdung. Aus dem hochgeschätzten Gelehrten wurde dann der falsche Hexer, ein Diener dämonischer Kräfte, der seine Laufbahn schließlich auf dem Scheiterhaufen beenden musste.

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Aus den experimentellen Forschungen, die für die Eingeweihten auch als Tarnung dienten, entstanden die späteren naturwissenschaftlichen Disziplinen. Der wahre Alchemist jedoch blieb stets ein Esoteriker, der sein universelles spirituelles Wissen an einen kleinen Kreis von Schülern weitergab. Um nur eine der herausragenden Gestalten dieser Ära zu benennen, soll der Graf von Saint Germain erwähnt werden, um dessen Person sich die meisten Legenden bildeten.

Buchempfehlung für alle Magie-Interessierte

Wer nach dieser kleinen Einführung die Lust verspürt, tiefer in diesen mystischen Stoff eintauchen zu wollen, dem möchte ich den Roman „Der Rote Löwe“ von Maria Szepes empfehlen. Die spannende Geschichte über den Werdegang eines Alchemisten führt den Leser nicht nur in verschiedene historische Epochen, sondern sie gibt auch eine Einweihung in die Geheimnisse der esoterischen Grundbegriffe und Praktiken. #panorama #Buch #Harry Potter