Wer nicht bis zum 13. Januar 2017 auf die deutsche Synchronfassung warten möchte, kann schon jetzt Staffel 2 von „The Man in the High Castle“ auf #Amazon.de angucken. Allerdings sind die zehn Folgen der 2. Staffel nur in der englischen Originalfassung verfügbar; wer möchte, kann die deutschen Untertitel einschalten.

The Man in the High Castle Staffel 2: Schneller, spannender, gute Effekte

Seit dem 16. Dezember kann die zweite Staffel bereits in Deutschland, Österreich, Japan, Großbritannien und den USA angeschaut werden, allerdings nur in der englischen Originalsprache.

Musste die erste Staffel, bis vor Kurzem weltweit die erfolgreichste unter den Amazon Original Serien, in die vielen Charaktere einführen, kann die zweite Staffel zügig in die Handlung einsteigen.

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Dadurch wirkt Staffel 2 um einiges schneller. Auch werden die Spannungsbögen länger gehalten, obwohl relativ früh enthüllt wird, wer denn nun „The Man in the High Castle“ wirklich ist.

Auch die Spezialeffekte werden gut dosiert angewendet, wie zum Beispiel beim Drogentrip des Joe Blake. Ortskundigen fällt jedoch auf, dass einige bekannte Nachkriegs-Bauten in den Film-Montagen chronologisch unpassend wirken. So wurde zwar der DDR-Fernsehturm, erbaut 1969, aus der Großaufnahme von Berlin ausradiert. Das Bundes-Kanzleramt (im Berliner Volksmund: Waschmaschine), fertiggebaut im Jahr 2001, wurde jedoch nicht retuschiert; vielleicht eine Anspielung auf die faschistoide Architektur von Merkels Regierungssitz, der von Kritikern wegen seiner schieren Größe und damit übertriebenen Machtdemonstration auch als „zweite Reichskanzlei“ betitelt wurde.

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Schicksalsfrage zunächst Hauptthema in der 2. Staffel von The Man in the High Castle

Lange dominiert in der 2. Staffel von „The Man in the High Castle“ die Frage, ob man das Schicksal ändern kann. Nach und nach wird aber deutlich, dass es die Vielschichtigkeit von Wertfragen ist, die die Macher am meisten interessiert. Sie zeigen charakterliche Unterschiede bei den Protagonisten auf, je nachdem, wo diese ihre Wertpräferenzen gefestigt haben: auf der zwischenmenschlichen Ebene (zwei-Personen-Verhältnis), der Gruppenebene (Organisation, Familie) oder der gesellschaftlichen Ebene (kommunizierte Ideologie).

Kritik am Eskapismus der Nachkriegsjahre

Auch Staffel 2 von „The Man in the High Castle“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Philip K. Dick aus dem Jahr 1962. Zur Vorlagentreue sagt Amazon.de: „Eine der Executive Producer der Serie ist Dicks Tochter Isa Hackett Dick. Sie verwaltet das literarische Erbe ihres Vaters und stellt sicher, dass die Serie im Sinne dieses Vermächtnisses gedreht wird.

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Dabei behalten sich die Macher kreative Anpassungen vor. Die Geschichte in The Man in the High Castle basiert auf der Romanvorlage von Philip K. Dick. Sie unterscheidet sich dabei aber in einigen Punkten. Z.B. verteilt der ‚Mann im hohen Schloss‘ in der Romanvorlage Bücher. In der Serie sind es Filmrollen.“

In beiden Fällen erzählen aber die Bücher bzw. Filmrollen eine Version der Geschichte, die von der gegenwärtigen Welt abweicht. Die Reisen zwischen zwei verschiedenen „Realitäten“ können als Kritik am Eskapismus (Realitätsflucht) der Nachkriegsjahre verstanden werden. Ob Spirituelle, Ideologen oder Traumatisierte, sie alle wollen etwas verdrängen. Die einen den Verlust der Vorkriegs-Werte, die anderen den Tod von Nahestehenden durch zweiten Weltkrieg oder Zwangsherrschaft. Dazu fliehen Nostalgiker, Nazis und Geschockte in eine Welt, die es schon lange nicht mehr gibt, ja so nie gegeben hat. Ähnliches erlebt man heute, wenn Menschen sich durch den perfekt auf sie eingestellten Algorithmus immer nur die Nachrichten anzeigen lassen, die in ihr verzerrtes Weltbild passen. Ob sie sich nun aus Angst oder zur Kompensation eigener Minderwertigkeitskomplexe auf das Schicksal von Fremden stürzen; mit Hilfe von Fake-News, Übertreibungen und irreführenden Verallgemeinerungen flüchten diese Menschen in eine Scheinwelt, die zur Gefahr für die reale Welt wird. #Filmkritik #Fernsehserien