Während Ski- und Snowboardfahrer dem #Wintersport frönen, müssen andere hart dafür arbeiten. Denn, was des einen Freud, ist des anderen Leid, müsste man meinen. Doch für Josef Bramböck ist es genau umgekehrt. Der 23-Jährige ist Pistenraupenfahrer am Stümpfling in den Bayerischen Voralpen und hat seinen Traumjob gefunden: "Als Kind bin ich mit meinem Onkel und später bei meinem Bruder mitgefahren." Doch musste er noch warten bis er 21 Jahre alt wurde, denn das ist das gesetzlich vorgeschriebene Alter dafür. Dem Skifahren hat er abgeschworen, seitdem er sich einmal den Fuß dabei gebrochen hat.

Der Skitourismus in den #Alpen boomt, und schon direkt hinter der nahegelegenen Ortschaft Spitzingsee sichtet man Warnschilder, die auf die Pistenraupen aufmerksam machen.

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Minus zwei Grad zeigt das Thermometer heute, an einem Tag Ende Februar, an. Josef beginnt seinen Dienst um 17 Uhr; zu der Zeit werden keine Skifahrer mehr mit den Liften nach oben gefahren. Um in den PistenBully W600 der Firma Kässbohrer zu kommen, muss er auf die Ketten der Pistenraupe klettern, die Türe zur Kabine des roten Fahrzeugs öffnet sich nach hinten.

Mit Helene Fischer durch den Schnee

Bald ist es im Innern warm, und er zündet sich zunächst eine Zigarette an. Helene Fischer schallte aus dem Radio mit dem sehr lauten Motorengeräusch um die Wette. Drei Sonnenbrillen hängen über dem Fahrersitz. Es geht los, und acht Xenonscheinwerfer vorne und sechs hinten kommen zum Einsatz. "Vorne die Schaufel beseitigt den groben Schnee, während die Fräse am hinteren Teil des Kettenfahrzeugs den Schnee glättet."

Mit dem großen Armaturenbrett wirkt der Pistenbully wie eine Mischung aus Auto und Nintendo-Spiel für Erwachsene, die riesige Windschutzscheibe ist aus Panzerglas.

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Ein Zähler zeigt die Stunden an, ein anderer den Literverbrauch und ein Dritter die Drehzahl. Der Hebel mit den zehn Knöpfen, den Josef mit seiner rechten Hand bedient, scheint aus einem Star-Wars-Raumschiff zu kommen. Lässig wie ein Cowboy legt Josef nach einiger Zeit seine Füße hoch. Die Geschwindigkeit kann er fest einstellen, und mit seiner linken Hand mittels zwei Hebeln die Richtung kontrollieren. Für die Ausbildung zum Pistenraupenfahrer braucht man keinen Führerschein. "Eine Woche dauert die Einarbeitungszeit, doch braucht man mindestens ein Jahr bis man die Schneekatze beherrscht", konstatiert er. Die Wintersaison dauert von Mitte Dezember bis März, im Sommer ist er LKW-Fahrer. Sechs Tage in Folge arbeitet er und hat danach drei Tage frei. Was man vor allem braucht für den Job sind starke Nerven und eine Begeisterung für Technik. Frauen gibt es wenige in diesem Beruf.

Um den 1506m hohen Stümpfling zu bezwingen sind 450 PS und 1500 Umdrehungen pro Minute nötig. Der Verbrauch von 28,6l pro Stunde ist enorm.

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Josef ist routiniert und kennt auch die einzelnen Bäume, an die er die Seilwinde er Pistenwalze befestigt. Leonardo da Vinci hätte Freude an so einer Konstruktion: ein 1-Kilometer langes Stahlseil mit 4,5 Tonnen Zugkraft unterstützt das Fahrzeug, denn so eine Steilpiste am Stümpfling kann schon mal 37 Grad haben. "Man muss schon ein Perfektionist sein", so Josef, denn eine Piste muss bis zu zehn mal geglättet werden. Je nachdem, ob der Schnee sehr kalt oder fluffig oder schwer und unbeweglich ist, hat das Auswirkungen auf die Ebenheit der Piste. Da die Witterungsverhältnisse heute nicht optimal sind, werden leichte Wasserflecken zu sehen sein. Doch beschwert hat sich bislang kein Skifahrer darüber. Ein Navi gibt es nicht, und am Anfang ist es mal vorgekommen, dass er sich verfahren hat. Im schlimmsten Fall kann er sich über CB-Funk mit anderen Fahrern verständigen, und ein Mechaniker im Notdienst ist auch in 10 km Entfernung.

Acht geben auf lebensmüde Skifahrer

Um 18 Uhr beginnt die Dämmerung. In unmittelbarer Nähe ist vor ihm plötzlich ein Skifahrer aufgetaucht! "Diesen Tourenskifahrern ist ihr Leben egal", ärgert er sich und betätigt die Warnhupe. Damit es zu keiner Kollision mit den Wintersportlern kommt, stellt er immer wieder entlang der Route Schilder auf mit einer Warnlichtanlage auf, die er später wieder einsammelt. "Achtung Lebensgefahr" Pistengerät im Einsatz", steht da drauf. Auch heute fährt er an einer der vielen Schneemaschinen vorbei. "Hier merkt man die globale Erwärmung, denn 90 Prozent sind bereits Kunstschnee", gibt er sich nachdenklich.

Um kurz nach acht kommt es unerwartet zu einem Schneesturm. Er beschließt, das Fahrzeug an der Talstation zu parken. Um 4 Uhr morgens will er in dieser Nacht seine Schicht weiter fortführen, - bis 7 oder 8 Uhr. Im Aufenthaltsraum kann er bis dahin Kaffee trinken und am Computer die Wettervorhersage abrufen. "Es bringt einfach nichts, die Pisten zu Glätten, wenn dann später wieder fünf Zentimeter Schnee drauf liegt". #Tourismus