Es war ein unfassbarer Vorfall: Eine fiktive Figur im #Internet hat zwei 12-jährige Mädchen, Morgan und Anissa, am 31. Mai 2014 in Waukesha, Wisconsin in Amerika dazu gebracht einen grausamen Mordversuch an ihrer Freundin zu verüben. Durch 19 Messerstiche schwer verletzt, hatten sie das Opfer in einem Waldstück liegen lassen. Das Opfer schleppte sich bis zu einem Radweg und überlebte. Noch 45 Tage ist auf Sky eine außergewöhnliche Dokumentation zu dem Fall zu sehen: „Beware the #Slenderman

Darin kommen fast alle Beteiligten zu Wort: Die jungen Täterinnen, ihre Eltern, ihr Umfeld, Richter, Staatsanwälte und Verteidiger, alte Fotos und Videoaufnahmen runden das Bild ab.

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Ganz besonders erschütternd und für Psychiater und Psychologen der ganzen Welt sicher ein unfassbar wertvolles Dokument sind die Aufnahmen der Mädchen bei ihrer polizeilichen Vernehmung unmittelbar nach der Tat.

Slenderman: Die böse dunkle Gestalt im Hintergrund

Im Internet gibt es eine fiktive Figur namens „Slenderman“, ein große, dünne, schwarze Gestalt, die einerseits Kinder tötet, aber auch #Kinder als sogenannte Helfer bei sich aufnimmt. Vor allem auf Spielplätzen und im Wald soll Slenderman seinen Opfern auflauern. Es bildeten sich Gruppen im Internet, in denen sich die Kinder in ihrem tatsächlichen Glauben an Slenderman immer noch gegenseitig hochschaukeln. Viele produzieren Zeichnungen, Fotos und Videos zu dem Thema. Aber da ist auch zum Beispiel ein Junge, der ganz aufgeregt ein echtes Bild von ihm und anderen Kindern auf einem Spielplatz postet.

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Im Hintergrund steht eine dunkle Gestalt, für den Jungen und viele Betrachter eindeutig Slenderman. Wenn tausende von Kindern ihre vielen Fotos durchsehen, werden sicherlich einige eine dunkle Gestalt im Hintergrund entdecken. Da lässt sich ahnen, welche Ängste das in Kindern auslösen kann. Selbst Erwachsene fallen oft genug auf sogenannten Fake-News rein.

Für die jungen Täterinnen war die Tat eine Notwendigkeit

Ohne jedes Schuldbewusstsein berichten die Mädchen nach der Tat, warum sie so gehandelt haben. Die Polizei-Videos lassen keinen Zweifel: Die Kinder hatten tatsächlich an Slenderman geglaubt, sie hatten einerseits Angst vor der Gestalt, sie glaubten aber auch, dass sie durch die Bluttat sowohl ihre Familien als auch sich selbst vor Slenderman retten können. Sie gingen davon aus, nach der Tat künftig bei Slenderman als seine Helferinnen leben zu können und ab da unter dem Schutz von Slenderman zu stehen. Vor Gericht wird Morgan als schizophren eingestuft, Anissa nicht. Die schizophrene Morgan kommt in eine Psychiatrie, Anissa in eine Jugendhaftanstalt.

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Ihre Familien bleiben fassungslos zurück.

Kinder können die Informationen nicht alleine einschätzen

Die Dokumentation zeigt eindringlich, wie wichtig es ist, dass Eltern an ihren Kindern dran bleiben. Dass sie kontrollieren müssen, womit sich die Kinder im Internet beschäftigen und mit ihnen darüber sprechen müssen. Eltern dürfen das, womit sich Kinder beschäftigen, nicht als Hirngespinste abtun und davon ausgehen, dass die Kids das schon selbst richtig einordnen können. Das können Kinder nicht und vor allem, wenn sich ganze Gruppen gegenseitig hochschaukeln, sind Kinder der Macht der Bilder und der Fehlinformationen schutzlos ausgeliefert.