Wenn das Herz sich rührt und die Seele nach Entlastung schreit, ist kaum ein cineastischer Ausflug passender als jener, in die unwirklichen Verzweigungen von Liebe in Zeiten des Krieges. Das Leid der Menschen holt uns auf den Boden der Tatsachen zurück, während die Romanze zweier sympathischer Charaktere unsere Brust wärmt und Hoffnung auf ein bisschen Glück mitten im Chaos des Lebens verspricht. So oder so ähnlich sah auch der ursprüngliche Ansatz von "The Promise - Die Erinnerung bleibt" aus - zumindest rein vom Grundkonzept.

Abseits davon war der Wunsch nach detaillierter Unterhaltung im großen Ausmaß so übermäßig, dass das eigentliche Ziel aus den Augen verloren wurde.

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Inmitten des Krieges

Die Geschichte von "The Promise" dreht sich um den sympathischen Michael, verkörpert durch Oscar Isaac ("Drive", "Star Wars: Episode VII", "Ex Machina"), der in aufrührerischen Zeiten nach Konstantinopel reist um sein Medizinstudium zu beginnen. Nach einer Verlobung mit einer Frau, die er noch nicht zu lieben gelernt hat, besitzt er in Form einer Mitgift nun das nötige Kleingeld für seinen Berufswunsch.

Es wäre aber kein romantisches Drama, wenn in der Stadt seiner Ziele nicht die wahre Liebe auf ihn warten würde. Und natürlich wäre es ebenfalls nicht tragisch genug, wenn diese nicht bereits vergeben wäre. Um der ganzen Sache noch das letzte bisschen Tränendrüsenflüssigkeit zu entlocken, ist Michael Armenier. In der Türkei. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Schlagt es nach, lasst euch aber versichern, dass dies eine äußerst unglückliche Zeit für Michaels Volk war und bis heute als Völkermord in den Geschichtsbüchern verankert wurde.

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Damit hättet ihr nun eigentlich genügen Gründe, um euch mit einer Großpackung Taschentüchern und einer XXL-Tafel Schokolade vor den Fernseher zu verkriechen, bereit, die Tränen Wasserfällen gleich zu Boden prasseln zu lassen. Einziges Problem an der Realisierung dieses Szenarios dürfte sein, dass es dem einen oder auch anderen schwer fallen könnte, der Geschichte bis ins Detail zu folgen. Nur wenn euch das gelingt, greift der Versuch von Regisseur Terry George ("Hotel Ruanda", "Ein einziger Augenblick", "Mütter und Söhne"). Dieses Ziel haben er und die Drehbuchautoren sich aber durchweg selbst verbaut.

Zweifelhafter Aufbau

So nett, beziehungsweise tragisch die Geschichte von Michael Boghosian auch sein mag, so fragwürdig überladen und teilweise wild zusammengeschustert präsentiert diese sich ohne die bloße Fassade. Einzelne Szenen reihen sich die gesamten 170 Minuten hindurch lieblos aneinander, decken hier eine Lücke in der Geschichte ab und folgen dort einem typischen Klischee dieses Genre.

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Aufgrund der vielen Einzelteile, die sich hier zu einem Ganzen zusammenfügen sollen, wirkt der Film gleichermaßen zu kurz wie zu lang. Zu lang, weil es fast unmöglich ist, sich mit Charakteren und Gegebenheiten zu identifizieren, beziehungsweise diese empathisch zu analysieren ... und dadurch der gesamte Stoff sich wie Teer an einem Tag im Hochsommer in die Länge zieht.

Zu kurz in dem Sinne, weil viel zu viele Informationen in vergleichsweise zu kurzer Zeitspanne untergebracht werden wollen. Aus diesem Grund fallen viele, wichtige Informationen einfach unter den Tisch. Verknüpfungen werden unzureichend erläutert und verlieren an Aussagekraft und Glaubwürdigkeit. Es fällt generell schwer, der Geschichte zu folgen ohne das Gefühl zu haben, einfach nur von einem Eckpfeiler der Geschichte zum nächsten gescheucht zu werden.

Sowohl die Dreiecksbeziehung zwischen Michael, seiner Ana (#Charlotte Le Bon) und ihrem Geliebten, dem amerikanischen Kriegskorrespondenten Chris Myers (#Christian Bale), wird dabei unzureichend in Szene gesetzt, als auch die gesamte Dramatik des scheußlichen Schicksals des armenischen Volkes und den Hintergründen die zu eben diesem Akt geführt haben. Fast alle Verknüpfungen bleiben der Fantasie des Zuschauers überlassen, was einer schrecklichen Entscheidung gleicht, denn dafür stehen dem geneigten Publikum ungenügend Informationen zur Verfügung.

Fazit

"The Promise" wirkt in jeder Minute überladen, gleichzeitig zu kurz und wie eine Geschichte, deren gesamter Inhalt nur den Machern hinter diesem Werk bekannt ist. Diese scheitern jedoch an der Aufgabe, uns an ihren Ideen und der eigentlichen Tiefe der Geschichte teilhaben zu lassen. Verstärkt wird diese Unzulänglichkeit im Erzählstil durch die fehlende Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern, die eigentlich Dreh- und Angelpunkt des gesamten Trauer-Zirkus bilden sollten.

So bleibt dieses Drama weit hinter seinen Erwartungen zurück; sowohl in Sachen Romantik als auch mit Fokus auf den schrecklichen Kriegsverbrechen. #Filmkritik