Marvel hat mit seinem "Cinematic Universe" ein Format im Kino etabliert, dass momentan vielfach kopiert sowie beneidet wird. In Sachen Serienproduktionen hatte bisher jedoch DC die Nase vorn, lässt seine Helden schon seit Jahren nebeneinander auf dem Flimmerkasten herum tollen. Jedoch pur wie stur nach Schema X und stets bemüht, so wenig Risiko wie nur irgend möglich einzugehen. Also im Grunde das absolute Gegenteil von dem, was für Netflix in dem Superhelden-Universum rund um Iron Man und Co. geschaffen wird.

The Defenders Serienkritik

Mit Serien wie #Daredevil, Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist. Jede für sich war ein guter Schuss ins Blaue, jedes dieser Formate hätte das große Ziel verpatzen können.

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Die Herzen der Treue mögen für ein Produkt mehr schlagen als für das andere und ganz klar, nicht jede Show hat den Umsatz gemacht, der hier und dort erwartet worden wäre ... Nichtsdestoweniger haben alle vier Produktionen weit über Mittelmaß agiert und Marvel´s #The Defenders ist Belohnung für alle Fans, die treu bei der Stange geblieben sind.

Hier laufen die roten Fäden der einzelnen Superhelden-Serien zusammen, bilden quasi ein "The Avengers" für den kleinen Mann. Rätsel aus vergangenen Staffeln werden gelöst, neue Widersacher erscheinen am Horizont und gleichzeitig erfahren wir endlich, was es mit der mysteriösen Organisation The Hand, sowie ihrer geheimen Waffe The Black Sky auf sich hat. Wer bei diesen Bezeichnungen die Stirn in Runzeln zu legen vermag, hat jedoch eines der Hauptprobleme mit diesem Format bereits entdeckt.

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The Defenders eignet sich nämlich gänzlich schlecht für Neueinsteiger, nimmt auf diese zu keiner Sekunde Rücksicht, fast schon rotzfrech davon ausgehend, dass ihr, wir, ich und du die vier Serien gerade erst gesehen haben oder wenigstens dem berühmten Gedächtnis von Elefanten Konkurrenz machen können. Personen, Namen, Details jeglicher Art sollten euch bereits bekannt sein, ansonsten werdet ihr von dem Zweigfluss aus Nebensächlichkeiten und sekundär relevanten Details hinfort gespült.

Für die grobe Geschichte ist es zwar lediglich von Nöten die erste Staffel von Iron Fist und die zweite von Daredevil gesehen zu haben, damit würdet ihr euch selbst jedoch mehr Schaden als Freude bereiten. Frust wäre in diesem Fall quasi zwangsläufig, da "The Defenders" so keine Chance bekommt, seinen ruhigen Erzählstil wirken und Spannung aufbauen zu lassen. Gerade der Twist mit dem, was Fans bereits wissen und eben nicht wissen, macht diese Serie auf ihre Art spannend.

Dabei wirkt die Produktion von Douglas Petrie und Marco Ramirez eher wie ein Kinofilm mit ungeheurer Überlänge als wie eine Serie im bekannten Format.

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Das gilt gleichsam für den Aufbau als auch für das Tempo im Allgemeinen. Es wird sich Zeit genommen; nicht zwangsläufig zu viel, ganz sicher aber auch nicht zu wenig. Ich kam nicht um den Gedanken herum, dass zwei weitere Folgen hier sowohl Elixier als auch Gift hätten sein können.

Das liegt in erster Linie daran, dass wir es mit einem zweischneidigen Schwert zu tun haben. Die Zusammenführung der einzelnen Figuren, mit Fokus auf dem Ziel, diese ganz genau so zu belassen, wie sie in ihren eigenen Serien vorgestellt wurden, nimmt eine gewisse Geduld und damit auch Zeitspanne in Anspruch. Unter diesem Aspekt wäre jede Minute weniger eine Schande; vor allem, da hier ein äußerst guter Job erledigt wurde. Auf der anderen Seite bieten die großen Widersacher in diesem Helden-Drama kaum genug Tiefe und gerechtfertigte Hintergrundgeschichte, um auch nur eine Minute mehr Screentime zu verzeihen.

Die einzelnen Episoden bauen trotz allem spannend aufeinander auf und auch wenn "Die Hand", unter der Führung der endlos talentierten, hier aber auch deutlich unterforderten Sigourney Weaver, nicht der große Antagonist ist, den ich mir zu wünschen erdreistet habe, so gibt es doch genügend andere Inhalte in dieser Show, die von gesteigertem Interesse sein sollten - für mich auch waren.

Den Produzenten ist es durchaus gelungen, alle Einzelteile auf eine Weise miteinander zu verbinden, dass sie etwas Neues erschaffen, ohne ihre ursprünglichen Formen zu verlieren. Jede hier verknüpfte Serie wird auf die einer oder auch andere Weise stark von diesem gemeinsamen Trip beeinflusst werden, dadurch jedoch kaum Farbe und generelle Zielrichtung verlieren. Alles läuft zusammen, ballt sich, entlädt sich und fließt wieder in bekannten Strömen. Dieser Logik ins Umgekehrte folgend, ist The Defenders in Darstellung und Stil eine vertraut scheinende Mischung aus Altbekanntem in neuem Gewand.

Zu kurz kommt dabei niemand. Alle vier Hauptfiguren sind im Fokus, wenn auch storytechnisch nicht gleich gewichtet. Müssen sie aber auch gar nicht sein. Eine solche Entscheidungen hätte die leicht anspruchslose Geschichte lediglich weiter ausgehöhlt. Das Gleiche gilt für Nebencharaktere, die um die besagten Helden sonst herum schwirren wie die Fliegen um die Essensreste von gestern. Hier ist ihr Auftreten dezenter, man möchte fast schon sagen passender, weil weniger relevant.

Fazit

Nicht alle Entscheidungen der Charaktere in The Defenders ergeben Sinn und nicht alle Lücken in der Geschichte werden zufriedenstellend beantwortet. Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass wir auch in Zukunft einige Fragen auf den Wartestapel der Ewigkeit ablegen müssen, da wir niemals eine zufriedenstellende Antwort auf etwas bekommen können, dass einfach nur der Faulheit einzelner Schreiberlinge geschuldet sein dürfte.

Was wir am Ende jedoch bekommen, ist eine Serie, die stärker ist als ihre vier Vorgänger, schwächer als AAA-Produktionen heutiger Quality-TV-Rekordhalter, doch mit genügend Potenzial, in Zukunft deutlich mehr als das zu sein. #Marvel Cinematic Universe