Enträtselt: die Handlung von "mother!"

Am 14. September 2017 erscheint das neue Werk von Kult-Regisseur #Darren Aronofsky ("Requiem for a Dream", "Black Swan", "The Wrestler"), "mother!", in den deutschen Kinos. Aronofsky alleine ist ja in der Regel bereits Grund genug, dass der kommende Streifen zum Fragen und Denken anregen sollte, geht der Regisseur doch selten, eigentlich nie, auf Nummer Sicher und präsentiert seine Werke stets ungeschönt wie unangepasst. Als Zuschauer bekommt ihr, was euch vorgesetzt wird, ungeachtet wie schwer verdaulich das Gericht vielleicht sein mag.

Mit "mother!" hat der Schöpfer von "Requiem for a Dream" nichtsdestoweniger die Lager schon vor Veröffentlichung gespalten.

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Die eine Hälfte liebt seine neueste Schöpfung, die andere zerreißt das Produkt seiner Fantasie wie Papier in der Luft. Dabei machen viele professionelle Kritiker anscheinend weltweit einen großen Fehler: sie sehen den Film nicht als das, was er womöglich ist. Missinterpretationen, Unverständnis und Gezeter auf allen Ebenen sind die natürlichen Nachkommen einer solchen Verwirrung.

Hattet ihr auch Probleme, der Handlung in "mother!" zu folgen? Oder traut ihr euch jetzt gar nicht erst in den Film, verwirrt, ob ihr mit der Geschichte überhaupt etwas anfangen könnt? In beiden Fällen lade ich euch dazu ein, die nächsten Zeilen zu lesen, in welchen ich versuchen werde, meine und andere Interpretationen des Streifens darzulegen. Seid jedoch gewarnt, dass dies ohne Spoiler ein unmöglicher Auftrag sein würde und ich ganz nebenbei ab der nächsten Zwischenüberschrift auch keinerlei Rücksicht auf so etwas nehme.

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Also: Spoilergefahr!

Theorie #1: Willkommen in der Hölle

Man liest dieser Tage viel schlechte Kritik über den Horror-Thriller "mother!" und dabei ist das Werk bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht in den Kinos angelaufen. An dieser Stelle möchte ich mich auch weniger auf das Für und Wider der Handlung stürzen, sondern auf den primären Grund, warum das Werk von Kritikern so zerrissen wird. Um ehrlich zu sein befürchte ich nämlich, dass die meisten den Film schlichtweg nicht verstanden haben. Auch auf die Gefahr hin, selbst ins Fettnäpfchen zu treten, möchte ich näher darauf eingehen, warum ich dieser Ansicht bin.

An Aronofskys Werk wird meist bemängelt, wie sprunghaft und unzusammenhängend die Story sich präsentiert und wie wenig nachvollziehbar die Handlungen und Entscheidungen der einzelnen Figuren wirken. Wer den Film bereits gesehen hat, wird wohl verstehen was ich meine (vor allem in der zweiten Hälfte), allen anderen sei an dieser Stelle verraten, dass "mother" wenig mit dem weltweit gängigen Aufbau eines Thrillers oder überhaupt eines cineastischen Ausflugs zu tun hat.

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Man könnte fast meinen, die meisten Passagen spielen sich wie im Traum ab. Und in gewisser Weise ist dieser Film für mich auch nichts anderes. Es gibt viele Hinweise die den Gedanken zulassen, dass die namenlose Protagonistin (#Jennifer Lawrence) und ihr narzisstischer Ehemann (#Javier Bardem) schon längst nicht mehr leben. Sie nahm sich das Leben und riss (wahrscheinlich) ihren Mann mit in den Tod. Wie jeder Selbstmörder des christlichen Glaubens befindet sich die Hauptfigur nun in der Hölle (oder im Fegefeuer) und durchlebt und -leidet all die die einschneidenden Passagen in ihrem Leben noch einmal, die letztendlich zu ihrer Flucht aus dieser Welt geführt haben.

Viele Erlebnisse/Szenen der Figur erinnern an den Versuch des Gehirns, Erlebnisse im Traum zu verarbeiten und lassen sich in gewisser Weise so auch in luziden Träumen wiederfinden. Werden die Erlebnisse, oder besser die Folter in der Hölle, optisch dargestellt, geschieht dies ebenfalls häufig in Form von Ereignissen/Handlungen, die an Träume erinnern. Was auch in gewisser Weise Sinn ergeben würde, da der losgelöste Geist von seiner jetzigen Existenz und dem Umstand seines Seins keine Ahnung hat, beziehungsweise haben darf. Eben ganz genau wie im Traum.

Nur dadurch kann er die Qualen der Vergangenheit wieder und wieder erleben, ohne dass der Schrecken an Wirkung, an Horror, verliert (im Traum, weniger schrecklich, ist dies ein Schutzmechanismus, damit das Erlebte des Tages verarbeitet werden kann und dieser Prozess sich nicht mit realen Erinnerungen vermischt). Genau das passiert möglicherweise in "mother!". Wir beobachten das Leben der Hauptfigur ab dem Moment, an welchem sich die ersten Anzeichen finden lassen, dass sie in eine echte Depression abdriftet. In ihrer persönlichen Hölle durchlebt sie die Stadien, die zu ihrem Tod geführt haben, sprunghaft, übertrieben und sehr malerisch dargestellt.

Was wir letztendlich also zu sehen bekommen, sind Ereignisse, Taten, die zum Selbstmord einer Frau geführt haben. Nur erleben wir dies nicht auf natürliche Art, einem Drama gleich, sondern entstellt, verzerrt und kryptisch, wie in einem Traum. Oder eben wie in der Hölle, die wie ein Traum aufgebaut ist und sich selbst beständig wiederholt. Da sie ihr Herz in das Haus gesteckt hat (und nicht wie ihr Ehemann die sprichwörtliche Toilette herunter gespült, in eben dem Moment, in welchem er neue Inspiration findet), erleidet sie nicht nur den Untergang ihrer Ehe und ihres Lebens, sondern auch den Verfall dessen, was sie einst gehegt und gepflegt hat.

Theorie #2 - Mutter Natur

Neben dieser ist die unten stehende Theorie momentan die gängigste, vor allem, da einige Stellungnahmen des Regisseurs zu diesem Zeitpunkt so interpretiert werden können:

Die Protagonistin steht in diesem Fall stellvertretend für Mutter Erde. Unterdrückt, unfähig sich zu wehren und den Launen der anderen (der Menschheit) hilflos ausgeliefert. Trotz ihrer Warnungen und Bitten, wird sie / ihr Haus, ihre Schöpfung (die Natur), zerstört. Möglicher Versuch der Verarbeitung des Themas Globaler Erwärmung, Verschmutzung der Umwelt, Ausbeutung der Natur. Für diese Theorie sprechen einige Szenen - vor allem das brutale Ende ihres Kindes. Quasi der Ehemann als Gott (narzisstischer Schöpfer, der sich verehren lässt und seinen Sohn der Menschheit zu Liebe opfert), das Haus als Planet Erde und die restlichen Figuren als Stellvertreter der Menschheit und der Schandtaten, die sie im Namen dieses "Gottes" gegenüber Haus und Weib anrichten, beziehungsweise mit dessen Segen.

Theorie #3 - Rosemary´s Baby

Plakate. Ausschnitte aus den ersten Teasern und Trailern. Kryptische Aussagen von Regisseur, sowie Schauspielern dieses Werkes. Es gab einige Anhaltspunkte, die darauf schließen lassen konnte, dass "mother!" in irgendeiner Form mit "Rosemary´s Baby" in Zusammenhang stehen könnte. An dieser Stelle sei euch verraten, dass diese Theorie mittlerweile ausgeschlossen werden kann. Schon die späteren Trailer ließen dieses Kartenhaus wackeln, spätestens nach ersten Sichtungen ist es jedoch gänzlich eingebrochen.

Zur Handlung

In Darren Aronofskys neuem Thriller/Drama, lernen wir eine namenlose Protagonistin (Jennifer Lawrence) und ihren ebenso mysteriösen Lebenspartner (Javier Bardem) kennen. Während sich die Dame des Hauses liebevoll der Restauration des Gebäudes widmet, steckt der Schriftsteller in einer Schreibblockade fest. Um neue Inspiration zu finden erlaubt er einem Fremden, im Haus zu übernachten; ganz zum Missfallen der Hausherrin. Tapfer erträgt sie den ungewollten Gast und später auch dessen Frau, obwohl sie sich von ihrem Ehemann im Stich gelassen fühlt.

Um die Sache noch schlimmer zu machen, nimmt die Zahl der unliebsamen Besucher nur noch zu. Das Verhalten gegenüber der Frau wird immer aggressiver, während das Haus unter den schrecklichen Manieren der Anwesenden zu leiden hat ...

"mother!" startet am 14. September 2017 in den deutschen Kinos.