Es ist ein krasser offener Brief, den Richard #Schönborn (84), der ehemalige Cheftrainer des „Deutschen Tennis Bundes“ (DBT) seinem ehemaligen Schützling #Boris #Becker zu seinem 50. Geburtstag schrieb und in der WELT veröffentlichen ließ. 26 Jahre war Schönborn für die Nachwuchsförderung beim DBT verantwortlich gewesen. In seiner Ära wurden Boris Becker und Steffi Graf groß.

In dem Brief macht sich Schönborn mal so richtig Luft und haut gnadenlos drauf. Becker sei abgehoben, größenwahnsinnig und habe jegliche realistische Selbsteinschätzung und Selbstkontrolle verloren. Die Menschen, die ihn groß gemacht hätten, würde er nicht einmal grüßen.

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Seinen ehemaligen Trainer Boris Breskvar habe Becker, sterbenskrank und finanziell ruiniert, sich selbst überlassen und sei nicht einmal zur Beerdigung erschienen.

Was macht Schönborn so sauer?

Besonders übel nimmt Schönborn, dass Becker sich über den DTB beschwert habe. Becker habe in mehreren Interviews behauptet, dass der DTB sich nicht um ihn gekümmert und gefördert habe. Schönborn selbst habe Becker aus dem Förderungskader gestrichen und als untalentiert eingestuft. Das, so Schönborn sei nachweislich falsch. Becker sei seit seinem zehnten Lebensjahr intensiv gefördert worden. Insgesamt seien in ihn über 1,3 Millionen DM investiert worden, unter anderem durch Lehrgänge, Trainingslager und Trainingsstunden im Bundesleistungszentrum. Im Badischen Leistungszentrum in Leimen habe Becker sechs Jahre lang vier Trainingsstunden pro Tag erhalten.

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Schönborn selbst habe Becker als Zehnjährigen nach ausführlichen Tests in das Jugendspitzenkader eingestuft.

Ist Becker wirklich undankbar?

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Nun, wenn Becker wirklich so intensiv gefördert wurde, dann ist es natürlich schon extrem undankbar, wenn bei Erfolg nur noch die die eigenen Interessen im Mittelpunkt stehen. Fest steht, Becker ist wegen Steuerhinterziehung verurteilt, das spricht schon dafür, dass Schönborn nicht ganz falsch liegt, wenn er den Eindruck der Undankbarkeit hat.

Allerdings, in der aktuellen ARD-Dokumentation „Der Spieler“ bestätigt Günther Bosch, Jugendtrainer beim Deutschen Tennisbund, dass Boris zunächst von DTB angelehnt worden sei. „Er reiste ab, als durchgefallener Jugendlicher. Das war eine Tragödie für ihn“, so Bosch. Und auch Beckers Jugendfreund Paul Zimmer bestätigt das. Für den DTB habe Becker nicht zu den vier Topspielern in Württemberg gehört, die ganz besonders gefördert wurden. Bosch, Zimmer und ein weiterer Jugendfreund namens Udo Riglewski berichten in der Doku, dass der junge Boris oft nur gegen Mädchen spielen durfte.

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Insbesondere gegen die zwei Jahre jüngere Steffi Graf. „Und wenn es dann blöd lief, hat man dann noch einen Satz gegen Steffi verloren, dann war der Tag komplett im Eimer“, berichtet Riglewski.

Kommentar der Autorin:

Der Angriff von Schönborn auf Becker ist hart, zu hart für meinen Geschmack. Wenn die Zahlen stimmen, dann ist zwar in Becker viel investiert worden und da wäre eine gewisse Dankbarkeit schon angebracht, aber nach meinem Eindruck projiziert hier ein Cheftrainer seine Wut über eigenes Versagen auf seinen ehemaligen Schützling. Denn Fakt ist: Er hatte damals das aktuell größte Talent der Welt vor der Nase und hat das in dem Ausmaß nicht erkannt. Der Einladung zum Abendessen, mit der Schönborns offener Brief endet, wird Boris Becker sicherlich niemals Folge leisten.