Ein Quadrat Vertrauen und Fürsorge

Ein leuchtendes Viereck vor einem Stockholmer Museum, das als Ort des Vertrauens und der Fürsorge fungiert und Teil der neuen Ausstellung "The Square" ist. Als Christian (gespielt von Claes Bang) den Museumsanhängern von dieser berichtet, setzt er seine Brille ab, legt sein Jackett zur Seite, das Thema bedeutet ihm viel, er möchte nicht so "steif" wirken. Der Zuschauer weiß, dass er diese "spontane" optische Veränderung zuvor im Badezimmer einstudiert hat. Christian weiß, wie er die Leute von sich überzeugt. Sein Spiegelbild gefällt ihm gut. Doch als ihm Handy und Portemonnaie geklaut werden und das Museum unter seiner Verantwortung ein Video veröffentlicht, das einen Shitstorm auslöst, bekommt sein glattes Leben Risse.

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Die Welt in Details

Die Welt im mit der goldenen Palme ausgezeichneten und für den Oscar nominierten Film braucht dieses Viereck im Museumshof, den sie ist eine, in der Einsamkeit und Egoismus herrschen. Ruben Östlund, der sowohl das Drehbuch schrieb, wie auch Regie führte, weist den Zuschauer immer wieder darauf hin, ohne ihm dies unter die Nase zu halten oder den Zeigefinger zu zücken, so trifft Christian im 7Eleven auf eine Obdachlose, die ihn um Geld bittet. Er bietet ihr ein Sandwich an- und sie raunzt ihn unfreundlich an, sie wolle aber keine Zwiebeln. Östlund ergreift in diesen Szenen keine Partei, schafft keine Gewinner oder Opfer, wechselt von Komik zu Tragik. Der Film ist ein Meisterwerk darin, auf die großen Probleme mit kleinen Details hinzuweisen- auf die Arroganz Christians mit einem kurzen Stocken beim Reden, als er auf ein altes Statement angesprochen wird, auf die Unsicherheit der Redakteurin Anne (gespielt von Elisabeth Moss ) als sie kurz die Augenbraue nach oben zieht.

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Die sensationellen Schauspieler verleihen dem Film einen Humor, der an den im ebenfalls hochgelobten Film "Toni Erdmann" erinnert.

Wie Humor zu Tragik wird

Den Höhepunkt des Films bildet eine organisierte Performance des Museums, in der ein Mann affenähnlich durch die Tische bei einem Galadinner hüpft. Die Menge lacht. Als der Mann aggressiv wird und nicht zu stoppen ist lacht niemand mehr. Die Menge ist betäubt. Diese Szene darf als kurze Zusammenfassung des gesamten Films verstanden werden. Selbstsicherheit, Verlorenheit- all das kann lustig sein, oder irgendwann gefährlich und traurig. Und das aller Traurigste: In allem Humor steckt immer viel Wahrheit. Braucht unsere Welt nicht auch viel mehr Quadrate, in denen alle Menschen nett sind? Hilfsbereit? Weniger egoistische Affen-sondern Menschen?

Der große Sturz

Anders als die Performance bleibt der Film jedoch leider nicht kompakt, sondern verläuft sich gegen Ende in seinen vielen Details und bleibt nicht nur bei ihnen. Am Ende kommen die großen Bilder, die großen Handlungen, der große Sturz.

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Das braucht "The Square" eigentlich nicht. Seine Stärke liegt gerade in seiner Unterschwelligkeit, in der Frage: "Ist das okay oder muss das weg?" inmitten der Welt der Kunst und des Ruhms. Die Botschaft hätte man auch ohne die Erklärungen am Ende verstanden- man ist ja kein Affe. #Filmkritik #TheSquare