Es ist erst einige Wochen her, da habe ich es mir zum Ziel gesetzt, eine alte Leidenschaft wieder aufleben zu lassen. Gemeint ist meine offenkundige Zuneigung zu animierten Fernsehsendungen aus Japan, sogenannten #Anime. Das Angebot ist gigantisch, die Qualität schwankt dafür entsprechend besonders stark von Extrem zu Extrem und allem, was sich so dazwischen befindet. Lange Rede, gar kein Sinn: so stieß ich auch auf die fehlerhaft als Anime-Komödie eingeordnete Serie "#Last Hero #Inuyashiki".

Kritik zu "Last Hero"

Es ist recht schwer den Inhalt dieses Anime zu beschreiben, ohne zu klingen als würde man sich einen müden Scherz erlauben.

Entsprechend kniffelig gestaltet es sich, das Werk von Mangaka Hiroya Oku im rechten Licht erscheinen zu lassen, wirkt der Plot in der groben Beschreibung schließlich minder bis mittelstark lächerlich. Trotzdem versuche ich es mit einem Schuss ins Blaue.

Im Fokus dieser 11-teiligen Serie steht der 58-jährige Inuyashiki. Der Beamte hat keinerlei Freunde, wird von seiner eigenen Ehefrau nur selten beachtet; gleichsam ist die Beziehung zu seinen Kindern, für die er ungewöhnlich alt erscheint, mehr als bescheiden. Das geht soweit, dass seine eigene Tochter ihn aus Scham lieber als Großvater vor Schulkameraden präsentiert. Den sprichwörtlichen Rest gibt das Schicksal dem Protagonisten als dieser erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist und nur noch wenige Wochen zu leben hat.

Ihr seht schon, eine wirkliche Komödie erwartet euch hier nicht.

Ganz im Gegenteil. Doch nun zum merkwürdigen Teil. Inuyashiki wird nämlich - und das nicht als einziger - von einem Raumschiff erfasst und zerschmettert. Die außerirdischen Besucher (erzählerisch geschickt nur zu hören, nicht zu sehen) geraten etwas in Panik und bauen den zerbrechlichen Körper wieder auf ... leider stehen ihn dafür nur Waffensysteme zur Verfügung, was dazu führt, dass der Rentner in spe zu einer lebenden Kampfmaschine wird.

Was wie der Beginn eines mittelmäßigen Mecha-Plots klingt, entpuppt sich bereits in der ersten Folge als deutlich komplexer, ja, sogar dynamischer als ich es je hätte vermuten können. Spätestens ab der zweiten Folge ist klar, dass es sich hierbei in Wirklichkeit um ein Drama im Science-Fiction-Genre handelt, welches nur in wenigen Momenten durch eine gewisse Situationskomik für hochgezogene Mundwinkel sorgen kann.

Stattdessen besticht dieser Anime mit gut durchdachten, komplexen Charakteren, welche im Verlauf der Geschichte in kürzester Zeit mehr Tiefe und Menschlichkeit in all ihren Facetten offenbaren, als es manch einem Konkurrenzprodukt in vielen hundert Episoden nicht gelingen mag.

Es fällt durch die geringe Zahl an Folgen zwar teilweise schwer, jede Entscheidung einer Figur gänzlich nachvollziehen zu können, doch weicht dieser Negativpunkt schnell in Vergessenheit, wenn der Plot erst einmal an Fahrt aufnimmt.

Obwohl sich "Last Hero Inuyashiki" zwar mit Action und ähnlichen Einlagen zurückhält, ist er jedoch auf einer psychologischen Ebene äußerst spannend, beinahe schon als Thriller einzuordnen. Das liegt sowohl an dem Antagonisten - einem jungen Mann, dem das Gleiche widerfahren ist wie Inuyashiki - als auch durch den fantastischen Kontrast der sich zwischen den ungleichen Gegenspielern heraus kristallisiert.

Dabei schreckt das Werk auch nicht vor blutigen, ja sogar brutalen Szenen zurück. Sowohl wortwörtlich als auch auf psychologischer Ebene. Dadurch wird diese Serie nichts für jedermann sein, vor allem nicht für solche, die sich selbst als zart besaitet einschätzen. Das fernöstliche Produkt ist grafisch wie inhaltlich weder zahm, noch geneigt, sich dem Zuschauer anzubiedern. Doch gerade das macht es auch interessant.

Ruhig und dennoch stets in Bewegung. Es gibt in dieser kurzen Serie keine Leerläufe; auch wenn mein nun entfachtes Fanherz dies gerne anders sehen würde, so geht Hiroya Okus Werk auch keine Sekunde zu kurz oder zu lang. Es ist der feine Mittelweg, sich viel und doch nichts offen zu lassen, während erzählt wird, was von Belang ist und verschwiegen, was der Fantasie des Zuschauers überlassen werden kann.

Der Fokus liegt dabei zu 100% auf den Figuren, auf ihren Charakteristika, ihren Details, die sie zu dem machen, was und wie sie sind. Alles andere, kybernetische Körper, Aliens, das Ende der Welt ... Dies sind Nebensächlichkeiten, die sich um den Plot herum bewegen, wie die Planeten um die Sonne.

Vom Intro, der Wahl der Titelmelodie, über das gesamte Werk hin bis zum letzten Schriftzug der finalen Episode scheint alles ganz genau so zu sein, wie es sein sollte. Kleinere Abstriche gibt es wenn überhaupt in manch einer Animation, welche im Detail, in wenigen Szenen, äußerst schwachbrüstig vor dem Publikum zu Throne steigt. Abseits davon ist dies eine Serie, die ich jedem Fan von Science-Fiction und/oder Anime nur wärmstens ans Herz legen kann.

Aktuell kann "Last Hero Inuyashiki" auf Amazon-Video als Amazon-Prime-Mitglied kostenlos geschaut werden (Stand: 01.01.2018).