Heutzutage ist es nicht mehr leicht, zu entscheiden, welcher "Gruppierung" man sich denn zugehörig fühlen soll. Ich bin in einem deutsch-italienischem Haushalt aufgewachsen (meine Mutter ist Italienerin), habe Dank Erasmus-Stipendium unter anderem auch in Spanien studiert und spreche vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch) so überzeugend gut, dass man mich in keinem der zuvor genannten Länder fragt, "woher ich denn wirklich komme". Ich liebe Essen aus allen Herren Ländern, und verehre die deutsche Dichtkunst genauso wie italienische Bildhauer und portugiesische Weine.

Europa ist ein Kontinent, den vieles eint, aber auch vieles teilt, das ist die Meinung, die mir am häufigsten begegnet. Ich denke trotzdem, dass meine Generation, die junge Generation, es leichter hat, sich "europäisch" zu fühlen als jede Generation vorher. Unsere Studienabschlüsse wurden einander angepasst, wir machen Austauschreisen und studieren europaweit. Dass man mehr als eine Fremdsprache beherrschen muss, ist eine Voraussetzung für den Erfolg im Beruf. Gerade Menschen aus der mittleren und höheren Bildungsschicht fällt es leichter, die nationale Identität mit der europäischen zu vereinen. Für mich ist das ebenfalls kein Problem. Ich fühle mich nicht nur als Europäer, sondern sogar als "Weltbürger".

Meiner Meinung nach sind die Grenzen zwischen unseren Ländern nichts anderes als ein künstliches Konstrukt. Natürlich hat jedes Land seine Geschichte, seine Sitten, und seine Traditionen. Sich mit den "typischen" europäischen Ländern zu identifizieren mag für viele jedoch viel einfacher sein, als dies mit Ländern in beispielsweise Ost-Europa zu tun. Die Traditionen, die Geschichte und auch die vergangenen Kriege machen eine Annäherung schwierig, oder zumindest kommt es mir oft so vor. Europäer zu sein bedeutet für mich, das Kulturgut vieler Länder zu vereinen, mir das Beste aus diesem "herauszuziehen" und davon zu profitieren, dass wir alle gleich, aber jeder doch ganz anders ist. Es bedeutet außerdem, dass man sich gegenseitig hilft, so wie Nachbarn oder Freunde es tun würden. Dass das in der Praxis nicht immer einfach ist, haben wir ja bei der Schuldenkrise im Mittelmeerraum gesehen. Trotzdem ist es immer einen Versuch wert, denn am Ende zählt für mich nur die Menschlichkeit! #Europäische Union