Nun ist also das griechische Parlament gewählt, der neue Regierungschef vereidigt. Und wie nicht anders zu erwarten,  kommt aus Berlin und Brüssel starker Gegenwind. Weil sich gerade Berlin vor neuen Verhandlungen fürchtet, die die bisherige Sanierungspolitik infragestellen wird. Und das zu Recht, denn betrachten wir die letzten Jahre, so wurden lediglich griechische und europäische Banken vor dem Zusammenbruch bewahrt, der Steuerzahler durfte dafür geradestehen. Das  Austeritätsprogramm mag zwar  für die Restrukturierung sinnvoll gewesen sein, hat jedoch durch seine Folgewirkungen die Gesellschaft destabilisiert, Investitionen und Konsum abgewürgt und Steuereinnahmen reduziert. Obwohl die  noch wohlhabenden Staaten bereits seit geraumer Zeit zur Erkenntnis gekommen sind, dass eine Belebung der Wirtschaft ohne Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Gesundheit nicht funktioniert, hat man stur an der eingeschlagenen Politik festgehalten. 

Vermutlich steckt der deutschen Politik immer noch die große Inflation der 1920er in den Knochen, nur waren das völlig andere Voraussetzungen.

Darüber liesse sich ein eigener Artikel schreiben.

Wenn nun Herr Tsipras, wie ich in der Presse lesen konnte,  meint, mit den Partnern nur in den EU-Institutionen reden zu wollen, also die  Eurozone daran erinnert, dass sie seit Jahren ihre intergouvernmentalen Vereinbarungen ausserhalb des geltenden EU-Rechts ansiedelt, so hat er völlig recht. Wer die EU und die Währungsunion will, der muss die Verträge achten und leben. Und sie gegebenenfalls den neuen Erfordernissen anpassen.

Wenn nun in Griechenland Zwangsdelogierungen hintangehalten werden sollen, so ist dies recht und billig.  Dass dagegen aus Brüssel Gegenwind kommt, ist verwunderlich. Doch offenbar sind dort immer noch jene in der Mehrheit, die glauben, der Markt richte schon alles. Davon ist jedoch nicht auszugehen.

Wir werden also sehr spannende Wochen erleben, es bleibt sehr zu hoffen, dass wir in Europa einen radikalen Politikwechsel sehen, weg von der Politik für den Finanzsektor, hin zu einer Politik für den Bürger und Steuerzahler. Letzterer hätte sich einen solchen Schwenk der Politik mehr als verdient, hat er doch der Finanzwirtschaft ihr Überleben ermöglicht.