Das in den 60er Jahren vom Sozialpsychologen Stanley Milgram durchgeführte Experiment gehört zu den bekanntesten, aber auch umstrittensten Experimenten der Psychologie. Es sollte klären warum im 2. Weltkrieg so viele Menschen bereit waren, sich in den Dienst des Nationalsozialismus zu stellen und inwieweit ganz normale Menschen die Bereitschaft zeigen unmenschliche Anordnungen zu befolgen. Konkret sollte im Experiment ein Lehrer seinem Schüler, im Falle eines Fehlers, auf Anweisung des Versuchsleiters einen Elektroschock verabreichen. Getestet wurde, inwieweit der Lehrer, also die Versuchsperson bereit war, den Schüler auf Anordnung zu bestrafen. Die Ergebnisse waren schockierend, weil der Großteil der Versuchspersonen den Anweisungen Folge leistete.

Milgram kommentierte die Ergebnisse seines Experiments so: "Ich habe ein einfaches Experiment an der Yale-Universität durchgeführt, um herauszufinden, wie viel Schmerz ein gewöhnlicher Mitbürger einem anderen zufügen würde, einfach weil ihn ein Wissenschaftler dazu aufforderte. Starre Autorität stand gegen die stärksten moralischen Grundsätze der Teilnehmer, andere Menschen nicht zu verletzen, und obwohl den Testpersonen die Schmerzensschreie der Opfer in den Ohren klangen, gewann in der Mehrzahl der Fälle die Autorität. Die extreme Bereitschaft von erwachsenen Menschen, einer Autorität fast beliebig weit zu folgen, ist das Hauptergebnis der Studie, und eine Tatsache, die dringendster Erklärung bedarf." (Wikipedia)

Auch im Falle Griechenlands stellt sich die Frage inwieweit ökonomische Interessen Menschen schaden dürfen. Man kann über die Griechenlandfrage denken wie man will, unter dem Strich bleibt das enorme Leid der Bevölkerung über. Forscher der Universitäten Cambridge, Oxford und London haben unter dem Namen "Griechenlands Gesundheitskrise: Von der Sparpolitik zur Realitätsverweigerung" eine Studie im Medizinjournal "The Lancet" veröffentlicht, welche das ganze, erschreckende Ausmaß der Sparpolitik auf die griechische Bevölkerung aufzeigt.

Besondere Auswirkungen hatte laut dieser Studie das Sparprogramm auf Kinder und Säuglinge, da aufgrund des niedrigen Einkommens der Zugang zum Gesundheitsbereich massiv erschwert war. Zwischen 2008 und 2010 ist in Griechenland die Zahl der Babys mit niedrigem Geburtsgewicht massiv angestiegen. Einen massiven Anstieg gab es auch bei den Totgeburten. Insgesamt soll die Säuglingssterblichkeit um 43%, und zwischen 2007 und 2011 die Selbstmordrate in Griechenland um 45% gestiegen sein.

Unter anderen Umständen hätten solche Zahlen europaweit für Entrüstungsstürme gesorgt. Durch die Legitimation dieser Sparmaßnahmen im gesellschaftlichen Konsens bezüglich der Schuldenpolitik gehen diese Zahlen im medialen Getöse unter. Durch den Druck der internationalen Geldgeber wurden die griechischen Gesundheitsausgaben auf 6 % der gesamten Wirtschaftsleistung gekürzt. Nur zum Vergleich: In Deutschland liegt diese Quote bei etwa elf Prozent.

Alles in allem ist die Frage wie Griechenland mit seinen Verpflichtungen gegenüber den europäischen Staaten umgeht eine Sache, die Tatsache, dass Menschen aufgrund der Sparpolitik leiden oder sterben, eine ganz andere. Wirklich entscheidend ist aber die Frage, ob die europäische Bevölkerung auf dieses Leiden reagiert oder nicht. #Depression