In journalistischen Beiträgen aller Welt finden sich höchst spekulative Theorien zum psychischen Befinden des Kopiloten Andreas L. Dazu kommt die Verwendung eines stigmatisierenden und unspezifischen Vokabulars und eine falsche Suggestion, was die Implikationen psychischen Leidens betrifft.

Unklares und unangebrachtes Vokabular

In der Beschreibung des psychischen Gesundheitszustandes des vermeintlichen Verursachers der Germanwings-Katastrophe, den die Presse allgemein als Grund für dessen Handeln anzusehen scheint, werden in vielen Fällen alltagspsychologische Ausdrücke verwendet, die schon längst aus dem wissenschaftlichen Vokabular gestrichen wurden, weil sie zur Stigmatisierung psychisch Kranker beitragen. Es ist kein Einzelfall, dass der Kopilot des Jets als "verrückt" bezeichnet wird.

Ferner werden Begriffe gewählt, die zu allgemein sind und kaum Aussagekraft haben. Es wird postuliert, dass der Kopilot Probleme gehabt habe, psychisch erkrankt gewesen sei, was zum einen in den Anfängen der Berichterstattung noch rein spekulativ war und zum anderen auch im aufgeklärteren Verlauf noch keine ausreichende Erklärung für suizidale Handlungen bietet.

Pyschische Erkrankung als Erklärung

Mit dem Beweis, dass der Kopilot an einer psychischen Erkrankung litt, scheint die Presse ohne jeden weiteren Kommentar davon auszugehen, dass suizidale Handlungen eine völlig logische Folge jeglicher psychischen Erkrankung seien. Das Bewusstsein für diesen Themenbereich ist in den Medien nicht vorhanden und doch überschlagen sie sich mit der Suche nach der psychischen Störung des Kopiloten. Dabei geht nicht jede psychische Erkrankung mit Suizidgedanken einher. Welche Krankheit der Pilot im Genauen hatte, ist nicht klar, es scheint vielen Berichterstattern jedoch zu genügen, dass zumindest irgendeine vorlag. Anfangs wurde sofort von einer #Depression gesprochen. Diese kann, muss aber nicht mit suizidalen Gedanken einhergehen. Und selbst diese erklären noch nicht, warum jemand willentlich andere mit sich in den Tod nimmt.

Diagnostik durch Laien

Noch dazu werden die wilden diagnostischen Spekulationen in zahlreichen Berichten von Laien vorgenommen. Freunde des Piloten meinen, eine schwere depressive Phase identifizieren zu können, die Ex-Freundin interpretiert alte Aussagen des Mannes neu.

Die Presse lässt sich allgemein teils ohne Faktenwissen, teils ohne Sensibilität für die psychologische Thematik aus, was sich im Zuge der Berichterstattung über den Kopiloten Andreas L. wohl auch nicht mehr ändern wird.

Ausblick: Objektivität und die Klarstellung durch Fachleute

Es wäre wünschenswert, wenn die Presse bei der Behandlung eines solchen Themas objektiv bleiben könnte, indem sie sich nur auf etablierte Fakten stützt. Wenn die Beschäftigung mit der Psychologie notwendig ist, so könnten Fachleute für professionelle Urteile hinzugezogen werden, um so laienhaften und falschen Annahmen aus dem Weg zu gehen und der Stigmatisiertung psychisch Kranker ein Ende zu setzen. #Germanwings #Flugzeugabsturz